Kodokan veröffentlicht neue Videos zu Judotechniken

Hier geht es um Techniken, deren Ausführung und Beschreibung
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HBt.
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Shimewaza des Judo

Beitrag von HBt. »

Lieber 'CK',
vielen Dank für Deine umfangreiche Beschreibung zum Thema; in der Tat hatte ich mich selbst immer über die Einzigartigkeit eines Hadaka-Jime gewundert, es wird grundsätzlich sehr schnell 'abgeklopft' (oftmals verbunden) mit einem anschließendem Hustenreiz.

Sehr gut kann man dieses Phänomen während eines Ablaufes der Katame no kata (als Randori no kata auch ausgeführt!) beobachten, nach den Vorbelastungen durch die Osaekomi-waza und dem Kata-Juji-Jime ist dieses nun auch absolut plausibel.

Kann man die Trachea während des Kompressionsvorgang beschädigen? Unter normalen, umsichtigen Bedingungen eines Randori, einer Demonstration oder dem Üben /Studieren der Katame no kata. Der lokale Druck dürfte kurzzeitig sehr groß sein, existieren Untersuchungen zum physikalischen Verformungsverhalten dieser Struktur?

Grüße,
HBt.

Zur Erinnerung:
'Baumstamm' mahnte, dass im Videobeispiel ein unverhältnimäßiger Druck (frontal) auf den Kehlkopf (Schildknorpel) ausgeübt wird.

Persönlich mag ich Katate-Jime nicht; nicht in den DDK-Formen, die ich als Kind demonstrieren musste. Alle anderen Formen sind strenggenommen auch (gar) keine Katate-Jime, sondern Okuri-eri ... (wenn man in Gruppen und Kategorien denkt, einteilen muss, also differenzieren!).

Hadaka-jime ist einfach ein Paradebeispiel, denn der Hauptvektor wird nicht direkt von vorne auf die Luftröhre wirken, sondern etwas von der Seite (und dort ist die Bewehrung, Armierung schwach) - wenn ich mit meiner Erinnerung richtig liege, dann ist dieses so.

#
Ein Sonderfall ist der Schlüssel, die Drossel, den wir oft im Bodenrandori sehen (wenigstens früher, abseits des BJJ).

Nachtrag:
Wir sind Sportler, keine Mörder - bitte nicht vergessen.
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Fritz
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Re: Kodokan veröffentlicht neue Videos zu Judotechniken

Beitrag von Fritz »

Cichorei Kano hat geschrieben:
07.05.2021, 03:41
Sie sollten die Zeit messen, wie lange Sie den Atem anhalten können, während Sie auf einem Stuhl sitzen, und nach diesem Ergebnis lassen Sie mich wissen, wie lange Sie denken, dass Sie in der Lage wären, meinem Hadaka-Jime standzuhalten, bei dem ich nicht in der Nähe Ihrer Jugularvenen und Halsschlagadern sein werde ... Wenn Sie glauben, dass diese Zeit in der Nähe der Zeit liegt, in der Sie den Atem anhalten können, werden Sie vielleicht eine Überraschung erleben ...
Da verzichte ich gern drauf, erstens kann ich eh nicht allzu lange die Luft anhalten und ich kann mich noch an ein Üben des Katate-Jime in der Katame-no-Kata-Ausführung erinnern, wo ich als Uke wohl den Kopf
nicht exakt gerade gehalten hatte und dann kaum mit dem Aufgabesignal kaum hinterher kam, da ich zu spüren vermeinte, wie meine Halswirbel begannen, sich in unangenehmer Weise zu verschieben ... ;-)

Den Argumenten mit dem erhöhtem Sauerstoff-Bedarf beim Kampf usw. möchte ich mich nicht verschließen, nichts destotrotz gibt oft erstaunlich schnelle Ohnmachten (im Bereich von wenigen Sekunden),
wenn ich mich an die eigenen erinnere, habe ich im Rückblick eigentlich nie die Erinnerung, daß die Atmung an sich komplett unterbrochen war (sonst hätte ich ja abgeklopft ;-) )
und wie gesagt, gelegentlich kommt es zu einem mehr oder weniger leichten Schwinden der Sinne unmittelbar nach Lösen des Würgegriffes ...

Hmm, vielleicht sollte man mal wieder ein paar Versuche mit ausgeruhtem Uke machen, um den anaeroben Faktor und den erhöhten Sauerstoff-Bedarf auszuschließen ... ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Re: Kodokan veröffentlicht neue Videos zu Judotechniken

Beitrag von tutor! »

Wenn verschiedene Würgetechniken selbst bei idealem Ansatz an unterschiedlichen Bereichen des Halses ansetzen, dann sollte es jedem klar sein, dass die Wirkung nicht zu 100% dieselbe sein kann. Hinzu kommt, dass nicht unbedingt jede angesetzte und erfolgreich durchgeführte Würgetechnik technisch ideal durchgeführt worden sein muss. Auch hierbei gibt es individuelle Spielräume.

Von daher wird es immer komplexe Wirkzusammenhänge geben. Einen Hadaka-jime kann man z.B. so ansetzen, dass der Kehldecke von außen den Luftröhreneingang verschließt. Um die Atmung zu unterbrechen gibt es also noch einen anderen Weg als die Luftröhre zu komprimieren.

Einen Gyaku-juji-jime kann man z.B. so ansetzen, dass die Atmung noch weiter stattfinden kann (wenn auch erschwert) und trotzdem Bewusstlosigkeit auftritt. Deutlich schneller geht es aber, wenn man die Luftröhre noch "mitnimmt".

Ich erinnere mich - habe aber die Zahlen nicht greifbar - dass ein Mediziner der Tokyo-Universtät Messdaten der Sauerstoffkonzentraion im Blut bei verschiedenen Würgetechniken präsentiert hat, deren Unterschiedlichkeit er auf die Art des Würgens zurückgeführt hat. Nach meiner Erinnerung handelte es sich um einen Vergleich zwischen Hadaka-jime und Okuri-eri-jime.... aber wie gesagt: alles aus dem Gedächtnis.
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
HBt.
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Vereinfachen wir zur Betrachtung ...

Beitrag von HBt. »

tutor! hat geschrieben:Wenn verschiedene Würgetechniken selbst bei idealem Ansatz an unterschiedlichen Bereichen des Halses ansetzen, dann sollte es jedem klar sein, dass die Wirkung nicht zu 100% dieselbe sein kann. Hinzu kommt, dass nicht unbedingt jede angesetzte und erfolgreich durchgeführte Würgetechnik technisch ideal durchgeführt worden sein muss. Auch hierbei gibt es individuelle Spielräume.
idealer Weise und unterscheiden die Hauptwirkungen, gehen ruhig vom Ideal aus.
HBt.
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Ein Blick in die Vergangenheit

Beitrag von HBt. »

Im Einführungsheftchen, der 20sten Auflage, 1*1 des Judo (Die Grundlagen des Judosports), ISBN 3-87892-000-8, lesen wir (noch 1998):
Seite 83 hat geschrieben: Würgegriffe

Im sportlichen Kampf besteht das Ziel dieser Griffe darin, den Gegner durch Würgeeffekt oder Schmerzgefühl am Hals zur Aufgabe zu zwingen. Der Angriff richtet sich gegen die Halsschlagadern und Venen, am Hals liegende Nerven sowie gegen Luftröhre und Genick, wobei die Wirkung häufig komplex auftritt. Ein direkter Angriff gegen den Kehlkopf ist streng verboten, weil dieser Knorpel brechen und dies zu irreversiblen Schäden führen kann.

(...)

HBt.
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