Die meisten Kinder-Trainer können selbst kein Judo!

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KönigABC
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Die meisten Kinder-Trainer können selbst kein Judo!

Beitrag von KönigABC » 04.07.2017, 11:31

Ich habe den Eindruck, dass in vielen Vereinen (meinem eingeschlossen) die Anfänger von Übungsleitern unterrichtet werden, die
1. keine bis wenig Erfahrung als Trainer haben
2. die Grundlagen selbst nur eingeschränkt beherrschen.
Das Ergebnis sind häufig Orangegurte, die mit 10, 11, 12 Jahren beispielsweise keinerlei Gleichgewichtsbruch hin bekommen.
Die Gründe sind mir natürlich auch klar: Wer hat schon Zeit, um 16:30 Nachmittags Training zu geben? Schüler und Rentner.
Auch klar ist, dass nicht jeder Bock auf ne Gruppe 7-10 Jährige hat.
Wie geht ihr in euren Vereinen damit um, passende, qualifizierte Trainer für die Anfängergruppen zu finden?
Klar, einige größere Vereine haben hauptamtliche Trainer, das ist m.E. die optimale Lösung, aber was machen die kleineren Vereine, die das aufgrund der geringen Mitgliederzahl nicht stemmen können?

Jupp
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Re: Die meisten Kinder-Trainer können selbst kein Judo!

Beitrag von Jupp » 04.07.2017, 16:26

KönigABC schreibt:
"Ich habe den Eindruck, dass in vielen Vereinen (meinem eingeschlossen) die Anfänger von Übungsleitern unterrichtet werden, die
1. keine bis wenig Erfahrung als Trainer haben
2. die Grundlagen selbst nur eingeschränkt beherrschen.
Das Ergebnis sind häufig Orangegurte, die mit 10, 11, 12 Jahren beispielsweise keinerlei Gleichgewichtsbruch hin bekommen.
...
Wie geht ihr in euren Vereinen damit um, passende, qualifizierte Trainer für die Anfängergruppen zu finden?"
Die Schwierigkeiten im Nachmittagsbereich zwischen 15.00 und 18.00 Uhr überhaupt einen Trainer zu bekommen haben zahlreiche Vereine.

Daher meine Hinweise:
a) wer einen Übungsleiter/Trainer hat, der sollte ihn in seiner Arbeit unterstützten, auch wenn er noch jung und noch nicht ausgebildet ist; der Verein kann ihm andere junge Judoka (z.B. aus nachfolgenden Gruppen) zur Seite stellen, damit er Hilfe erhält, die Kinder individueller anzusprechen.
b) Auch hilft es, wenn der jeweilige Trainer z.B. vom Abteilungsleiter Informationen über offene Wochenendlehrgänge erhält, die ihn als Judoka weiter bringen oder solche, auf denen er Tipps für guten Kinderunterricht erhält. Man kann sich da auf den jeweiligen Homepages der Landesverbände informieren. Es muss also nicht sofort eine 120 Stunden ÜL-Ausbildung sein - 1-2 Tages- oder WE-Lehrgänge können auch Inspiration sein, das eigene Training zu überdenken.
c) wenn man also keinen oder "nur" einen wenig ausgebildeten ÜL/Trainer hat, dann sollte man diesen unterstützen, wo es geht und ihm helfen, seine Kompetenzen zu erweitern;

Es gilt der Leitgedanke: "Wir können nur die Judoka besser machen, die wir in unseren Vereinen haben!"

und dieser Gedanke gilt auch für unsere Trainer!

ÜL/Trainer an denen wir so lange rumnörgeln oder zulassen, dass sie - wegen der persönlichen Misserfolge - keine Lust mehr haben, hören nicht nur mit ihrem Engagement auf, sondern sorgen auch dafür, dass die Kinder ihrer Gruppe aufhören!

Beides ist nichts, was unsere Judovereine weiter bringt.

Wer sich in unseren Vereinen engagiert und seine Zeit damit verbringt, Kinder im Judo auszubilden, sollte von seinem Verein unterstützt und nicht kritisiert werden!

Erst dann kann Kano's Judoprinzip "Vom wechselseitigen Helfen und Verstehen" umgesetzt werden.

Jupp

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judopa
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Re: Die meisten Kinder-Trainer können selbst kein Judo!

Beitrag von judopa » 04.07.2017, 19:03

Warum nicht Rentner und Jugendliche?

Bei uns im Verein trainiert ein Rentner (hoher Danträger) die Kinder und wird dabei von z.Z. zwei Jugendlichen (3.Kyu) unterstützt. Die Jugendliche werden vom Verein gefördert (Ausbildung).

Beim meinem gemeinsamen Trainig mit diesen Jugendlichen meine ich, mit der Zeit feststellen zu können:

- Sie profitieren von der Zusammenarbeit mit dem Rentner aus technischer Sicht ungemein.
- Sie lernen, dadurch dass sie das Trainig der Kinder anleiten, selber bei den Techniken und deren Verständnis hinzu.
- Sie sind m.E. motivierter beim eigenen Training (lassen sich z.B. bereitwilliger anleiten).
- Sie machen gute Fortschritte in ihrer Sozialkompetenz.

Alles zusammen wiederum bringt das Kindertraining weiter.

Natürlich brachten beide sozusagen von zu Hause eine gute Grundlage mit. Aber um genau diese weiter zu entwickeln, kann man motivierte Rentner gut gebrauchen.
MFG
judopa

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Zustimmung ...

Beitrag von HBt. » 05.07.2017, 13:34

uneingeschränkt.

'Judo(o)pa',
Du sprichst mir aus der Seele:

Die Kombination aus verantwortlichem Senior (RENTER gehören nicht zum alten Eisen, sie sind aktiv ...) und jugendlichen Assistenten finde ich klasse.

Der Senior schmiert seine Gelenke und dehnt seine Bänder,
er hat soziale Kontakte,
er hat Zeit,
und kann hervorragend als Bindeglied fungieren ...

Mir gefällt dieses Szenario,
ebenso könnte ich mir "die sportliche, dreißigjährige Frau" (Vollzeitmutter oder finanziell unabhängig) als Übungsleiterin vorstellen ...

@ 'KönigABC'

Wer von uns kann schon richtig Judo, wer kann geschickt das Gleichgewicht des anderen Sportlers manipulieren ---> brechen?

Unterstützen, so wie 'Jupp' schon treffend schrieb: in allen Belangen unterstützen, wo man nur kann ... und dieses könnte physikalisch durchaus ein
rüstiger Rentner sein /erledigen, männlichen oder weiblichen Geschlechtes ... ganz egal - nur Zeit muss er oder sie haben, Spaß und Freude' an der Arbeit
mit kleinen oder großen Kindern mitbringen.
Klar, einige größere Vereine haben hauptamtliche Trainer, das ist m.E. die optimale Lösung, aber was machen die kleineren Vereine, die das aufgrund der geringen Mitgliederzahl nicht stemmen können?
Sie werden irgendwann aufgeben müssen; niederschmetternd, doch so wird es kommen. Ebenso wird das Renten(eintritts)alter weiter nach oben klettern, ebenso werden viele Arbeitnehmer das Rentenalter erst gar nicht erreichen, sie sterben vorher - machen wir uns doch nichts vor.

HBt.

PS
Der Pflegebedarf wird ebenfalls weiter ansteigen, während das notwendige Personal /oder die erwachsenen Kinder zusammenklappen.
Der Alkoholismus ...

Anton_D1
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Re: Zustimmung ...

Beitrag von Anton_D1 » 14.07.2017, 13:27

HBt. hat geschrieben:
05.07.2017, 13:34
Klar, einige größere Vereine haben hauptamtliche Trainer, das ist m.E. die optimale Lösung, aber was machen die kleineren Vereine, die das aufgrund der geringen Mitgliederzahl nicht stemmen können?
Sie werden irgendwann aufgeben müssen; niederschmetternd, doch so wird es kommen. Ebenso wird das Renten(eintritts)alter weiter nach oben klettern, ebenso werden viele Arbeitnehmer das Rentenalter erst gar nicht erreichen, sie sterben vorher - machen wir uns doch nichts vor.
Das seh ich nicht so, man muß keine Profi-Trainer einstellen. Die Trainer müssen nur lernwillig sein und über den Tellerrand schauen, dann ist da noch viel Potential.

HBt.
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Im Klartext

Beitrag von HBt. » 14.07.2017, 15:11

Anton_D1 hat geschrieben:
14.07.2017, 13:27
HBt. hat geschrieben:
05.07.2017, 13:34
Klar, einige größere Vereine haben hauptamtliche Trainer, das ist m.E. die optimale Lösung, aber was machen die kleineren Vereine, die das aufgrund der geringen Mitgliederzahl nicht stemmen können?
Sie werden irgendwann aufgeben müssen; niederschmetternd, doch so wird es kommen. Ebenso wird das Renten(eintritts)alter weiter nach oben klettern, ebenso werden viele Arbeitnehmer das Rentenalter erst gar nicht erreichen, sie sterben vorher - machen wir uns doch nichts vor.
Das seh ich nicht so, man muß keine Profi-Trainer einstellen. Die Trainer müssen nur lernwillig sein und über den Tellerrand schauen, dann ist da noch viel Potential.
Hervorhebung von mir

Im Klartext bedeutet dieses, wenn überhaupt ein Problem bestehen würde: die bestehende Crew ist nicht bereit, sie will nicht, sie ist einfach träge ... !*

Dann ist doch alles in Butter.

Blauäugige Grüßle,
HBt.


*zufrieden; so wie es ist, ist es (doch) gut

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Re: Die meisten Kinder-Trainer können selbst kein Judo!

Beitrag von s.Olli » 19.07.2017, 14:34

Ich sehe es ebenfalls so, dass jeder Übungsleiter/Trainer (unabhängig davon, ob er eine Lizenz dafür hat) die bestmögliche Unterstützung und Anerkennung dafür erhalten muss. An dieser Stelle möchte ich jedem Übungsleiter/Trainer - unbekannterweise - für sein Engagement danken und Mut zusprechen: "Lasst euch nicht unterkriegen und kämpft für die Erhaltung des Judo-Sports. Geht euren sanften Weg und versucht - nach euren Möglichkeiten - auch andere dafür zu begeistern. Je besser ihr als Übungsleiter/Trainer seid, umso mehr könnt ihr Vorbild für eure Schüler sein. Wenn ihr Hilfe braucht, sucht danach ... und nehmt Hilfe an, wenn sie euch angeboten wird und sinnvoll erscheint."

Das Problem kenne ich aus eigener Erfahrung. Bereits mit 12 Jahren war ich als Grüngurt-Übungsleiter (selbstverständlich ohne Ausbildung) auf der Matte, weil kein qualifizierter Trainer da war. Die verantwortliche Aufsicht der Kinder- und Jugendlichen-Gruppe führte damals zwar ein Erwachsener, doch das Training leitete ich als junger Wettkämpfer. Heutzutage wären solche Trainingsmodelle sogar dank Sportassistentenausbildung von Jugendlichen viel öfter möglich, als früher. Schaut also in eurem Verein, ob nicht jemand Lust für eine solche Ausbildung hat - und freut euch über die neue Unterstützung im Training.

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