Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

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Fritz
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Fritz »

Mattenfuchs hat geschrieben:
27.11.2018, 22:09
Anscheinend sind wir hier nicht die einzigen, die sich für Regeländerungen aussprechen: Weiteres dazu siehe unter Judo im Pott.
Im großen und ganzem sagt er das, was ich auch immer erzähle ...
Allerdings halte ich seine Ausführungen zu direktem Beingreifern (Morote-Gari) für eher mangelndes Judoverständnis.
M.M.n. ist es, wenn eine Technik leicht zu lernen ist und gut funktioniert, nichts Schlechtes und gehört deswegen auch keinesfalls verboten.
Es ist ja auch nicht so, daß die Dinger nicht zu kontern wären,
Tawara-Gaeshi wäre das Mittel gegen Morote-Gari und einseitige Beingreifer lassen sich auch neutralisieren mit etwas Übung.
Bevor man also solche Techniken verbietet u. irgendwie bestraft, hätte man sie auch einfach als geschickte Bewegung zwecks
Übergang in die Bodenlage einstufen können und keine Wertung drauf geben müssen ... Aber selbst da sehe ich kein Notwendigkeit.
Sinnloses Beingegrabsche ohne Wurfabsicht könnte ja trotzdem bestraft werden, wie halt andere Scheinattacken auch oder es könnten damit
halt keine Passivitätsstafe verhindern werden ... Dieser taktische Nachteil hätte sicherlich im Spitzensport bereits ausgereicht, um
allzuviele "Direkte-Beingreifer-Kampfstile" zurückzudrängen ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von judo-im-pott.de »

Hallo, Fritz!

Als 1.Dan bin ich sicherlich noch am Anfang meines Weges :) Ich freue mich sehr, dass unsere Ausführung doch ein paar Gemüter erregt haben und nun diskutiert werden.

Einfach zu lernende Techniken sind natürlich nichts per se Schlechtes und das wollte ich so auch nicht ausdrücken.

Das Kontern von Beintechniken war vor der Verbannung aus unserem Sport m.M.n. eher Mangelware. Ich kann mich eher daran erinnern, dass wir mit Beingreifern freudvoll Ma-sutemi-waza (z.B. Tomoe-nage) gekontert haben ;) . Wobei das in meinem Fall in grauer Vorzeit war - ich lasse mich also gerne belehren!

Ansonsten gebe ich dir soweit Recht, wir stimmen ja größtenteils überein :)

MfG

Der Freddie von judo-im-pott.de
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Fritz
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Fritz »

judo-im-pott.de hat geschrieben:
28.11.2018, 23:01
Ich kann mich eher daran erinnern, dass wir mit Beingreifern freudvoll Ma-sutemi-waza (z.B. Tomoe-nage) gekontert haben ;) .
Ja, dafür sind die auch gut, kann ja eigentlich nicht sein, daß völlig sinnvolle, nicht verletzungsträchtige Reaktionen gegen schlecht ausgeführte Angriffe künstlich unterbunden werden.

Verbote sollte jedenfalls nur das letzte Mittel sein, um Verletzungsgefährdungen zu minimieren. Und bei jedem Verbot gehört auch überlegt, wie Taktiken,
welche ein Verbot zum eigenen scheinbaren Vorteil nutzen, unterbunden bzw. nicht belohnt werden.
Beispiel: Daki-Age mit Abwurf (also Gegner anheben und in die Matte stauchen) ist sicherlich aus gutem Grund verboten. Ebenso wie sich direkt nach hinten zu werfen, wenn man jemanden auf dem Rücken hat. Damit keiner von diesen Regeln einen Vorteil draus zieht (und sich eine Verhaltensweise
angewöhnt, die außerhalb des sportlichen Regelwerkes bspw. auf hartem Untergrund, zur Selbstgefährdung führen würde) wird also folgerichtig Mate gerufen, sobald ein Beinklammerer deutlich angehoben wird oder im Bodenkampf jemand mit Uke auf dem Rücken aufsteht. Da ist also was "stimmig" im Regelsystem umgesetzt worden.
(Beim BJJ bspw. machen die in so einer Situation in der Regel aber weiter, was dann zu hübschen Szenen führt,
daß jemand steht, der andere wie ein Äffchen an ihm klammert und fleißig würgt ...)

Und ansonsten bin ich immer sehr dafür, daß KaRi die Absicht hinter taktischen Handlungen verstehen und wenn sie den Eindruck haben,
jemand versucht, durch an und für sich erlaubte Aktionen, sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen, dies dann auch dann mal mit
'ner Strafe unterbinden, wie Du im Video schon sehr richtig angemerkt hast: Passivität, Ziehen in die Bodenlage / Scheinangriff usw.
können ja seit sehr langer Zeit bereits schon bestraft werden.
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von judo-im-pott.de »

Und ansonsten bin ich immer sehr dafür, daß KaRi die Absicht hinter taktischen Handlungen verstehen und wenn sie den Eindruck haben,
jemand versucht, durch an und für sich erlaubte Aktionen, sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen, dies dann auch dann mal mit
'ner Strafe unterbinden
An für sich würde ich dem zustimmen. Ich finde unter anderem die aktuellen Griffkampfregeln als vollkommen unnötig. Das Problem bei einer vollständigen Liberalisierung wäre, dass unklar wird, was wann bestraft wird. Dies könnte zu Regelunsicherheiten führen - ähnlich wie bei einer Überregulierung, wo sich eine Regel mit der nächsten beißt :eusa_whistle
Und bei jedem Verbot gehört auch überlegt, wie Taktiken,
welche ein Verbot zum eigenen scheinbaren Vorteil nutzen, unterbunden bzw. nicht belohnt werden.
Das würde ich so unterschreiben ;)

Insgesamt wird eine solche von dir vorgeschlagene Liberalisierung eine ziemlich große Regelwerkreform nach sich ziehen. Die Frage ist, ob wir das wirklich wollen. Schließlich müssten wir uns darauf wieder vollkommen neu einstellen.
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Fritz
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Fritz »

judo-im-pott.de hat geschrieben:
29.11.2018, 10:01
. Ich finde unter anderem die aktuellen Griffkampfregeln als vollkommen unnötig.
Ja, daß sehe ich auch so, sollen die Leute doch anfassen, wo sie wollen. Dumpfes "Wegstemmen" des Gegners wurde schon seit je her bestraft. Ist natürlich blöd, daß Hebel im Stand verboten wurden, denn Hebel sind immer eine gute Möglichkeit gewesen, allzu gestreckte Arme judotechnisch zu bestrafen ;-)
judo-im-pott.de hat geschrieben:
29.11.2018, 10:01
Das Problem bei einer vollständigen Liberalisierung wäre, dass unklar wird, was wann bestraft wird
Ich sehe da kein Problem im Vergleich zu jetzt, denn jetzt ist auch oft unklar, warum bestraft wird oder nicht ;-) Habe da so einen Spruch von D. Lascau (?) beim internationalen KaRi-Seminar vor ein paar Jahren im Sinn, wo es um die Mattenrand-Regel ging, sinngemäß: Es ist durchaus ok, wenn da eine gewisse Unsicherheit besteht, wer u. ob bestraft wird, damit nimmt es etwas den Drang von den Kämpfer, den Mattenrand taktisch nutzen zu wollen ;-)
judo-im-pott.de hat geschrieben:
29.11.2018, 10:01
Insgesamt wird eine solche von dir vorgeschlagene Liberalisierung eine ziemlich große Regelwerkreform nach sich ziehen. Die Frage ist, ob wir das wirklich wollen. Schließlich müssten wir uns darauf wieder vollkommen neu einstellen.
Ich glaube, wir schlagen ja hier Vereinfachungen vor. Und darauf läßt es sich sicher leichter einstellen, als die nahezu jährlichen Verkomplizierungen u. zusätzlichen Verbote ... ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von judo-im-pott.de »

Ist natürlich blöd, daß Hebel im Stand verboten wurden, denn Hebel sind immer eine gute Möglichkeit gewesen, allzu gestreckte Arme judotechnisch zu bestrafen
Gott ja, da sagst du was. Wegen der blöden Regel bin ich dieses Jahr schon zwei oder dreimal bestraft worden: Tomoe-nage => Juji-gatame. Zählt ja nur, wenn der Wurfansatz ordentlich war (oder man sich schon in Ne-waza befindet). Die Frage ist, wer bestimmt das? Antwort: Klar der Kampfrichter und somit ist die Auslegung hier absolut individuell. Geil! :D
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Mattenfuchs »

Fritz hat geschrieben:
29.11.2018, 11:07
Ist natürlich blöd, daß Hebel im Stand verboten wurden, denn Hebel sind immer eine gute Möglichkeit gewesen, allzu gestreckte Arme judotechnisch zu bestrafen ;-)
Ja, an Hebeln im Stand kann ich mich noch erinnern. Auch in meinem damaligen Verband (IBF) war das möglich. Nach 20 Jahren Pause (mit Wechsel zum DJB) habe ich dann gefühlt eine neue Welt betreten. :dontknow
Allerdings überlasse ich das Shiai nun den Jungspunden. Ich stehe höchstens noch für Randori zur Verfügung.
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von judo-im-pott.de »

Ja, an Hebeln im Stand kann ich mich noch erinnern. Auch in meinem damaligen Verband (IBF) war das möglich. Nach 20 Jahren Pause (mit Wechsel zum DJB) habe ich dann gefühlt eine neue Welt betreten. :dontknow
Allerdings überlasse ich das Shiai nun den Jungspunden. Ich stehe höchstens noch für Randori zur Verfügung.
Hebel und Hebelansätze im Stand sind erst seit Januar 2018 durch das IJF-Regelwerk verboten!
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Mattenfuchs »

judo-im-pott.de hat geschrieben:
30.11.2018, 12:47
Hebel und Hebelansätze im Stand sind erst seit Januar 2018 durch das IJF-Regelwerk verboten!
Ich habe erst im Oktober 2017 wieder angefangen. Sieh es mir nach, dass ich mich nicht in den ersten Monaten mit den Feinheiten der Regelkunde beschäftigt habe... :D
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von judo-im-pott.de »

Es sei dir verziehen, willkommen zurück :D
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Mattenfuchs »

judo-im-pott.de hat geschrieben:
30.11.2018, 13:04
Es sei dir verziehen, willkommen zurück :D
Danke. Ich bin aktuell immer noch am umsortieren. dh insbesondere welche Würfe der Gokyo jetzt in welchem Kyu versteckt sind, was neu dazu gekommen ist etc.
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Sono-Mama »

Hallo zusammen,

gestern wurde die Jugendversammlung vom HJV durchgeführt. Bei einem der Tagesordnungspunkte ging es darum, ob man in Hessen im nächsten Jahr weiterhin nach den aktuell (in Hessen) gelten Jugendsonderregeln kämpfen möchte oder ob man die neuen, vom DJB ausgearbeiteten, Jugendsonderregeln übernehmen möchte. Die Abstimmung diesbezüglich war sehr eindeutig und in Hessen wird man auch im nächsten Jahr nach den "Hessischen Sonderregeln" kämpfen.

Diese sind recht einfach:

Hebeln = verboten bis inklusive U 11 (Alles was älter ist als U 11 darf Hebeln. Ippon bei Abschlagen)
Würgen = verboten bis inklusive U15
Abtauchtechniken = erlaubt ab U15
Technikansatz auf 1 oder 2 Knieen = erlaubt ab U15

alles andere ist im großen und ganzen wie bei den Erwachsenen

Da ja der DJB bei der letzten MV bereits "Konsequenzen" angekündigt hat, für Landesverbände, die einen Sonderweg gehen, wurde die Jugendleitung gefragt, ob sich der DJB hierzu genauer geäußert hat. Nach Aussage der LJL wurde von Seiten des DJB angedroht, dass Jugendliche Judoka aus eben solchen LV kein Startrecht auf offiziellen Gruppen- und DJB-Meisterschaften haben werden. Inwieweit dies umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

Gruß Sono-Mama
Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.

- Konfuzius

Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.

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Fritz
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Fritz »

Sono-Mama hat geschrieben:
28.11.2021, 19:15
Da ja der DJB bei der letzten MV bereits "Konsequenzen" angekündigt hat, für Landesverbände, die einen Sonderweg gehen, wurde die Jugendleitung gefragt, ob sich der DJB hierzu genauer geäußert hat. Nach Aussage der LJL wurde von Seiten des DJB angedroht, dass Jugendliche Judoka aus eben solchen LV kein Startrecht auf offiziellen Gruppen- und DJB-Meisterschaften haben werden. Inwieweit dies umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.
Das wäre schon sehr dreist ... ist bestimmt juristisch sehr fraglich, aber so bräuchten die hessischen Jugendlichen sich auch keinen Kopf
um "Wettkampf-Lizenzen" machen ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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