Die gesamte Judowurftechnik

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yag

Die gesamte Judowurftechnik

Beitrag von yag » 16.06.2009, 16:15

Das Wesen des Judokampfes sind die 40 Grundtechniken. Jedem Anfänger möchte ich deshalb aus langjähriger Erfahrung das Judofachbuch Band 2 empfehlen.

Das Vorwort des Autors Dr. Wolfgang Weinmann hat nichts an Aktualität verlohren und spricht für sich selbst:
Vom Kodokan, dem traditionellen Judozentrum in Tokyo, wurde die Judo-Wurftechnik in der Gokyo-no-Kaisetsu zusammengefaßt: 40 Techniken wurden in 5 Stufen zu je 8 Würfen eingeteilt (jap.: Go = 5; Kyo = Stufe).
Jede Stufe der Gokyo enthält Würfe verschiedener systematischer Gruppen, wie Hand- oder Hüftwürfe (siehe S. 6). Außer Einzeltechniken enthält die Gokyo auch Konterwürfe.
Die Gewichtung der Techniken folgt keiner einheitlichen Linie: Einmal wird eine Palette von Würfen unter einem Sammelnamen zusammengefaßt (Seoi-nage); zum anderen werden relativ kleine, prinzipiell nicht sonderliche gravierende Unterschiede zwischen Würfen mit eigenen Namen bezeichnet (0-goshi/Tsuri-goshi).
Am methodischen Wert der Gokyo werden Zweifel geäußert, besonders auch daran, ob die Stufen der Gokyo als Prüfungsstoff für Kyu-Grade zweckmäßig sind.
Die Anforderungen an die Falltechnik steigen zwar von Stufe zu Stufe, der Schwierigkeitsgrad der Würfe aber und demzufolge die Reihenfolge, in der sie gelehrt werden, ist umstritten. Während man früher 0-goshi allgemein als "leichtesten Wurf' betrachtete und damit den Anfänger zunächst unterrichtete, wird heute auch mit anderen Würfen, wie Ippon-seoi-nage, 0-soto-gari oder 0-uchi-gari begonnen; der Autor z. B. lehrt als ersten Wurf De-ashi-barai. Für die weitere Ausbildung empfehlen manche Meister Würfe, die in Bewegungszusammenhang stehen, also z. B. 0-goshi/Hane-goshi/Hane-maki-komi oder De-ashi-barai/Ko-soto-gari/Okuri-ashi-barai, während andere dem Anfänger lieber nacheinander einige Grundtechniken, wie z. B. 0-soto-gari, 0-goshi, De-ashi-barai beibringen, um ihm grundlegende Wurfprinzipien und Richtungen einzuprägen.
Kein Zweifel besteht daran, daß vor allem die in der Gokyo enthaltenen Wurftechniken und deren Variationen und Mischformen im Judokampf Bedeutung erlangt haben und die Gokyo inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch international Anerkennung gefunden hat. Die Kenntnis der Gokyo ist für jeden fortgeschrittenen Judoka unerläßlich.
Die meisten Würfe gestatten mehrere Eindrehmethoden oder Faßarten. Oft erfordern Würfe je nach eigener Körpergröße oder Beweglichkeit bzw. der des Gegners Abweichungen in der Ausführung. Andererseits ist es irrig zu meinen, man könne Judowürfe praktisch beliebig ausführen. Aus der Anatomie des menschlichen Körpers und dem Kampf unter Einbeziehung der Jacke des Gegners ergeben sich nur bestimmte Prinzipien, wie man einen Gegner mit Geschick zu Boden werfen kann. Was ist Grundform, was Variation? Je nach Veranlagung, Gewohnheit oder Kampfsituation wird die eine oder andere Ausführungsform eines Wurfes als günstiger empfunden. Befragt man Judolehrer nach der Grundform eines Wurfes, so geben sie häufig die Ausführungsmethode an, die sie selbst beherrschen und gern berufen sich dabei manche auf japanische Meister (... die es genauso machen!).
Geteilt sind die Meinungen, ob man die Würfe zunächst im Stand üben soll oder es bereits für Anfänger angebracht ist, sie aus der Bewegung zu erlernen. Manche Kämpfer empfehlen die letztere Methode als "ganz moderne Pädagogik" und meinen, Üben im Stand entspräche nicht den Weltkampferfordernissen und sei daher "verlorene Zeit". Praktiker in Sachen Unterricht weisen im Gegensatz dazu darauf hin, daß Würfe für Anfänger (häufig gleichbedeutend mit Bewegungsidioten) so schwer zu erlernen sind, daß es einfach vermessen sei, zusätzlich noch kampftechnische Bewegungsabläufe zu verlangen. Mit anderen Worten, es handelt sich um eine Aufwärmung des müßigen Streits zwischen analytischer und synthetischer Lehrmethode.
Systemfanatikern ist diese Sachlage natürlich unheimlich. Es fehlt daher nicht an Bestrebungen und Vorschlägen zur "Vereinheitlichung" von Techniken und Lehrmethoden, denen man den Anstrich unantastbarer Wissenschaft gibt, obgleich sich inzwischen herumgesprochen haben sollte, daß bestenfalls einige naturwissenschaftliche Disziplinen lupenreinen logischen Gesetzmäßigkeiten unterliegen und sich in mathematische Denkmodelle einordnen lassen, Kampfsportarten aber mit rationalen Prinzipien sicher nicht restlos zu erfassen sind. Die Individualität der Lehrenden und Lernenden wird stets Abweichungen von Regeln verlangen. Vorstellungen von "Richtigkeit" können vielfach nur statistisch bewertet werden. Daran werden auch künftig selbst "amtlichste Lehrwerke" nichts ändern.
Bei passenden und unpassenden Gelegenheiten bemühen Judofunktionäre gerne eine Parallele zwischen Sport und Kultur. Vielleicht darf man daher anmerken, daß es etwa genauso lächerlich ist, eine „einheitliche Lehrmethode" im Judo anzustreben, wie einen einheitlichen Kunststil.
Außerdem wäre es eine Art von Unverschämtheit, Dan-Trägern, die häufig jahrelang an ihren Methoden gearbeitet haben, vorschreiben zu wollen, wie sie eine Technik "richtig" zu machen haben.
In diesem Buch soll den geschilderten Schwierigkeiten wie folgt abgeholfen werden: Allen Würfen wird eine Definition vorangestellt, die die wesentlichen Charakteristiken und Prinzipien des Wurfes enthält. Dabei bleiben grundsätzlich Eindrehmethoden, Faßarten und Ausführungsformen außer Betracht, d. h. alle Variationen können der Definition zugeordnet werden und im Kampf vorkommende Mischformen als solche anerkannt werden.
Die folgenden Beschreibungen der Techniken und die Hinweise auf Variationen stellen die Meinung des Autors dar. Andere Lehrer mögen davon abweichende Methoden bevorzugen, wenn sie ihre Gründe dafür haben. Maßstab für die Qualität einer Ausführungsmethode ist der Erfolg, den der Meister, der sie lehrt, damit selbst erzielt bzw. seine Fähigkeit, über Vor- und Nachteile seiner Methode Auskunft geben zu können.
Anfänger sollten zunächst die im Text beschriebene "Grundform" entsprechend den gezeichneten Wurfphasen möglichst genau kopieren. Es empfiehlt sich, die Würfe zunächst im Stand evtl. verbunden mit einer bestimmten Schrittfolge schulmäßig zu erlernen. Dabei bleibt häufig weiter nichts übrig, als sich exerziermäßig Wurfelemente anzueignen. Sobald als möglich sollte der Schüler dann beginnen, diese in fließende Kampfbewegung (Randori) zu transformieren. Der Hauptübungswert liegt in.der Bewegung, obgleich auch Fortgeschrittene immer wieder Würfe oder Teilbewegungen exerziermäßig wiederholen und korrigieren sollten.
Erst der Fortgeschrittene sollte sich mit den im Text beschriebenen Variationen beschäftigen oder sich eine individuelle Ausführungsform erarbeiten. Nicht jede Idee, die einem beim Üben kommt, ist sinnvoll: Bester Prüfstein für eine Methode ist ihre erfolgreiche Anwendung im Kampf ? wenn schon nicht mit gleichwertigen so zumindest mit unterlegenen Partnern.
Interessant ist auch die stets aktuelle Frage, welche Würfe denn im Kampf "gehen". Die Beantwortung ist jedenfalls statistisch gesehen in Deutschland geradezu modischen Akzenten unterworfen. Während 1950 vornehmlich Hüftwürfe als wirksame Techniken schlechthin angesehen wurden, waren Ende der fünfziger Jahre Fußwürfe und Schulterwürfe "modern", während heute z. B. Tai-otoshi oder 0-uchi-gari für besonders wirksam angesehen werden. International erfreuen sich besonders Uchi-mata und 0-soto-gari langjähriger Beliebtheit.
Man kann feststellen, daß praktisch alle Würfe, entsprechende Übung und Begabung vorausgesetzt, wirksam sind. Lassen auch nur gewisse Techniken eine besonders zwingende Balancebrechung zu, so sind sie andererseits wieder so stark verbreitet, daß andere seltener angewandte Würfe ein höheres Überraschunqsmoment aufweisen und dadurch vorteilhaft sind. Mag dies für Weltmeisterschaften, bei denen es häufig nur noch um einen Hauch von Vorteil geht, nicht überzeugen - für die Kreismeisterschaft ist es ein Argument.
In Deutschland besteht leider noch immer der Trend zum Erlernen möglichst vieler Techniken in möglichst kurzer Zeit. Darunter leidet die Qualität entscheidend.
Es sollte sich langsam herumsprechen, daß die alte Bauernregel "Viel hilft Viel" auch auf Judo nicht anwendbar ist.
Der Durchschnitts-Judoka unterscheidet sich nämlich vom Meister nicht dadurch, daß dieser mehr Würfe kennt, sondern dadurch, daß der Meister die Würfe genauer, schneller und sicherer ausführen kann. Der Meister setzt seine Kraft rationell und koordiniert mit den Bewegungen ein, er handelt intuitiv. Durch lange intensive Übung und Kampferfahrung ist er von der Qualität seiner Technik so überzeugt, daß ihn dies psychologisch zur konsequenten und damit erfolgreichen Durchführung befähigt.
In manchen japanische Dojos z. B. ist es üblich, im Winter- oder' Sommerhalbjahr nur je einen Wurf zu lehren. Auch in Deutschland üben viele Kämpfer ihre Spezialwürfe jahrelang. Nur so wird es möglich, Würfe mit den zugehörigen Kombinations- und Täuschungsmanövern wirklich zu beherrschen.
Man sollte seine Spezialwürfe allerdings so auswählen, daß sich für verschiedene Verteidigungsstellungen des Gegners jeweils eine Angriffsmöglichkeit ergibt, also z. B. ein Wurf nach vorwärts, ein Wurf nach rückwärts, ein Wurf mit Linkseingang.
Beim Üben muß größter Wert auf exakte Ausführung und ständiges ausdauerndes Wiederholen gelegt werden. Auch "modernes" Judo ist kein Synonym für Niederwalzen! Natürlich sollen im Laufe der Zeit auch weitere Techniken erlernt werden, so daß man damit in Randori oder Kampf mit Anfängern Punkte erzielt.
Es besteht kein Zweifel, daß man seine Judokenntnisse durch das Studium eines guten (!) Fachbuchs erweitern und vertiefen kann. Judotechniken sorgfältig zu beschreiben ist schwierig.
Meinen Berliner Judofreunden - vor allem von der TU Berlin - bin ich für Kritik und Mitarbeit beim Entstehen dieses Lehrbuchs zu Dank verpflichtet.
Ein Judo-Lehrbuch zu verstehen, ist ebenfalls nicht leicht, denn eine Wurftechnik besteht aus einer Vielzahl neben und nacheinander stattfindender Einzelbewegungen der verschiedenen Körperteile und Muskelgruppen und stellt einen kontinuierlichen Bewegungsablauf dar. Zur Verdeutlichung in einem Lehrbuch kann man nur Momentaufnahmen besonders typischer Phasen dieses Bewegungsablaufes beschreiben. Der Übende muß Text und Bilder wieder in dynamische, fließende Kampfbewegung transformieren.
In Die Judowurftechnik -(GOKYO) sind alle Techniken nur rechts erklärt (Schokoladenseite), sie sollten -zumindest von den Fortgeschrittenen - auch analog links geübt werden.
Die Würfe sind mit den international gebräuchlichen japanischen Namen und den z. Z. gültigen Bezeichnungen des Deutschen Dankollegiums versehen. Der Werfende wird japanisch mit Tori bezeichnet; der Fallende heißt Uke.
Nehmen Sie Die Judowurftechnik -(GOKYO) auf die Matte mit. Vergleichen Sie immer wieder Text und Abbildungen mit Ihren eigenen praktischen Bemühungen. Lesen Sie den Text sorgfältig - es lohnt sich! Auf die Worte in unserem Text ist Verlaß! Sie können mit Hilfe dieses Buchs die Judowurftechnik tatsächlich erlernen! Üben - je mehr je besser - müssen Sie allerdings selbst. Viel Spaß ... und nicht aufgeben!

Marvin

Re: Die gesamte Judowurftechnik

Beitrag von Marvin » 22.12.2010, 18:17

genau, finde ich auch. ;)

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Re: Die gesamte Judowurftechnik

Beitrag von Makikomi Kid » 22.12.2010, 22:06

Ich muss gestehen, das mich alleine die Erwähnung einer MO von ogoshi zu hanegoshi im Vorwort davon abbringt, das Buch zu kaufen. Würde als Alternative den Daigo vorschlagen.
"Es gibt auf Dan Prüfungen zu höheren Stufen noch Dan-Träger, die noch nicht richtig fallen können" - Judoka50

Jobi
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Re: Die gesamte Judowurftechnik

Beitrag von Jobi » 22.12.2010, 22:40

Makikomi Kid hat geschrieben:Ich muss gestehen, das mich alleine die Erwähnung einer MO von ogoshi zu hanegoshi im Vorwort davon abbringt das Buch zu kaufen. Würde als Alternative den Daigo vorschlagen.
Der "Daigo" ist mittlerweile DIE Referenz schlechthin. Wer einmal den Daigo hat, will nix anderes mehr! Wenn man die Möglichkeit hat, Mercedes Benz zu fahren, sollte man nicht in den Trabi steigen.

MfG
Jobi

HBt.

aktuell 2012

Beitrag von HBt. » 12.12.2012, 13:45

hier einmal der Autor selbst.

Coole Nase ;-).

SJC
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Re: Die gesamte Judowurftechnik

Beitrag von SJC » 12.12.2012, 17:33

Makikomi Kid hat geschrieben:... die Erwähnung einer MO von ogoshi zu hanegoshi ...
Ich weiß leider nicht, was du mit MO meinst. Kannst du es mir erklären?

Bye
Ich trainiere beim Spandauer Judo-Club 1951 e.V.: http://spandauer-judo-club.de - http://facebook.com/SpandauerJudoClub

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