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nur_wazaari
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Die Hoffnung sollte man niemandem nehmen.

Beitrag von nur_wazaari »

Die nächste Infektionswelle wird sich wohl früher als erwartet ausbreiten. Sie wird diesmal auch die Kinder deutlich stärker betreffen. Die Schulen sollen - koste es was es wolle - geöffnet werden. Für die Universitäten ist die Lage derzeit unklar. Für einen Großteil der übrigen Bevölkerung läuft unter pandemischen Gesichtspunkten sowieso alles fast wie vor der Pandemie, so kann man jedenfalls den Eindruck gewinnen. Um nachhaltige Veränderungen festzustellen, ist es noch etwas zu früh, fast wäre dies wohl voreilig.

Das Leben läuft derzeit also fast wie vor der Pandmie ab. Definitiv in Kürze benötigte Maßnahmen sind noch nicht mal vorbereitet, geschweige denn kommuniziert. Sogar Großveranstaltungen (= sehr viele Menschen auf einem eng begrenzten Raum) werden mitten in stark gefährdeten Gebieten abgehalten. Und zwar auch in unserer unmittelbaren Nähe. Auch die olympischen Spiele werden unter großen Sorgen und mit großen Protest, sowie eigentlich unwürdigen Bedingungen, stattfinden. Eine dieser unwürdigen Bedingungen ist in meinen Augen allein wie auch schon bei vergangenen Spielen der Unmut der eigenen Bevölkerung. Ein subtiles Zeichen dessen:

https://judoinside.com/news/4621/Yasuhi ... to_survive.
The Tokyo Olympics should become an opportunity to rethink the enormous scale and expense of the world’s largest sports spectacle, the president of the Japanese Olympic Committee said. Yasuhiro Yamashita, himself an Olympic judo gold medalist, was speaking just over three weeks ahead of the opening ceremony for Tokyo 2020, which follows a costly delay due to the pandemic.

“This could be a chance to rethink how huge the Olympics have become,” Yamashita told reporters in Tokyo. “Rather than being extravagant and costly, the Olympics will need to change to survive. I hope this will be a turning point.”
In diesem Sinne: Wir sind auch insgesamt an einem "Turning-Point". Das kann man allseits spüren und auch objektiv nachverfolgen. Es entscheidet sich gerade jetzt im Augenblick und in sehr nächster Zeit, wohin wir als Menschen wirklich steuern.

Zurück zur Pandemie: Es wird der Bevölkerung in ganz Europa seitens der Legislative klar signalisiert, dass - buchstäblich - "alles" vom Tempo des Impffortschritts abhängt. Die Verantwortlichkeit wird gerade hierzulande immer stärker an die Bevölkerung zurückgespielt. Es wird einfach davon ausgegangen, dass Impfquote und Einsichtsverhalten genügend fortgeschritten sind, sobald die neue Welle anrollt. Mit Blick auf andere Länder und die bisher bekannten Eigenschaften der Delta-Variante ist das ein Trugschluss sehenden Auges.

Natürlich ist der genaue Verlauf nicht berechenbar. Prognosen gehen den Zeitpunkt oder das genaue Ausmaß betreffend gelegentlich daneben, liegen in der Sache aber bisher nahezu immer richtig. Die Unbesorgten, Verunglimpfenden und Profiteure der Antiwissenschaft sind aufgrund dieses Umstandes permanent in der Deutungshoheit. Man kann sich fragen, ob diese niemanden verloren haben, nicht selbst zumindest irgendwie betroffen sind oder waren. Eigentlich kaum vorstellbar, auch dann wenn man selbst und das nahe Umfeld sehr viel Glück hatten.

Man könnte in Ergänzung zur "Turning-Point"-Metapher auch sehr weitführend fragen, ob der allgemeine Konsumanspruch in unserem globalen wirtschaftlichen System sowohl Auslöser als auch Treiber von Pandemien und anderen schwerwiegenden Veränderungen unserer planetaren Lebensbedinungen ist.

Nun denke man vielleicht ein Jahr oder anderthalb Jahre zurück und vergegenwärtige sich bei derzeit immer noch hoher Gefahrenlage das aktuelle Ausmaß an Sorglosigkeit und Schutzlosigkeit. Eine Auswahl von Faktoren, die mir dahingehend Sorgen machen:

- Die Impfquote wird auch in den nächsten Monaten, wahrscheinlich sogar bis relativ weit ins nächste Jahr hinein, zu niedrig sein;
- dazwischen liegen die kalten Monate;
- die Urlaubssaison hat fast unverändert stattgefunden;
- es gab zahlreiche Großveranstaltungen;
- man ist noch an den "lockeren" Sommer gewöhnt;
- es sind Bundestagswahlen und es wird aufgrund von Koalitionsverhandlungen evtl. zu Verantwortungsdiffusionen kommen;
- wir werden für erhebliche Teile der Bevölkerung mehr als ein oder zwei Impfdurchgänge brauchen, auch schon in diesem Jahr;
- es sind keine weiteren Maßnahmen vorbereitet und im Gegenteil, selbst für den Winter rechnet man im "schlimmsten Fall" mit irgendwelchen Hybrid-Lösungen, auf allen Ebenen.

Der einzige Punkt der uns derzeit entgegenkommt, scheint das relativ trockene, heiße Wetter zu sein. Das hemmt wie auch immer die Ausbreitung von Corona-Viren, auch wenn der Mechanismus nicht bekannt ist und nicht zwingend für SARS-CoV-2 gelten muss.

https://www.sciencedaily.com/releases/2 ... 164949.htm
Of the seven coronaviruses known to infect people, four cause common respiratory infections that are sharply seasonal and appear to transmit similarly to influenza, according to a new study by University of Michigan School of Public Health researchers.
Die absoluten Fallzahlen sinken, werden sehr bald stagnieren und wieder steigen. In Deutschland ist es noch nicht soweit, in anderen ebenso sommerlichen Ländern aber schon längst wieder und offenbar mit maßnahmenbewährtem Ausmaß.

Mächtige Profiteure postieren sich offensichtlich wie noch nie gegenüber Regierungen und Bevölkerung, indem sie unter noch so fadenscheinigen Rechtfertigungen ihre Einnahmen sichern. Zu viele potenzielle "Spreader" nehmen an diesen Veranstaltungen teil und ignorieren das Risiko. Nicht unerwähnt lassen darf man auch die zahlreichen Naturkatastrophen derzeit - Stichworte "Hitze, Brände, Wassermangel...". Die gesamte Situation ist besorgniserregend.

Ich werde morgen endlich das erste Mal mit einem m-RNA-Impfstoff geimpft. Mein Arbeitgeber drängt auch etwas (allerdings nicht in Söder-Manier). Die allgemeine Impfbereitschaft scheint mindestens europaweit zu sinken.

Dabei kann man sich über die Pandemie und alles Geschehen auf der Welt bestens und mit etwas Medienerfahrung sogar objektiv informieren. Man könnte sich die Wichtigkeit vor allem der eigenen Impfung und zum eigenen Schutz bewusst machen. Gleichwohl kann man auch das unvernünftige Gegenteil für geboten halten, nicht selten geschieht dies aber vorsätzlich, gepaart mit Ignoranz, Empathielosigkeit und Egoismus.

Werden wir einen weiteren, traurigen Abschnitt der Pandemie erleben? Vielleicht (und wahrscheinlich) sogar unter noch viel stärkerer Belastung der Kinder, die wir doch sonst immer ohne Kompromisse zu schützen gedenken? Vielleicht (nicht unwahrscheinlich) schon mit Beginn im Juli? Glaubt wieder mal jemand unter Wiederholung aller bisher gemachten Fehler, sogar teilweiser Potenzierung dieser, immer noch an "Übertreibung"? Nur weil in Deutschland im Moment alles halbwegs entspannt ist? Wie könnte man diesen Glauben unter Beachtung aller Fakten und seriösen Prognosen das guten Gewissens und mit einem Minimum an Verantwortungsgefühl rechtfertigen?
Zuletzt geändert von nur_wazaari am 01.07.2021, 10:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Holger König
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Re: Wir teilen uns mit

Beitrag von Holger König »

In Berlin sind inzwischen kurzfristige Termine in mehreren Impfzentren verfügbar (kann jeder über Doctolib einsehen). Jetzt kommt es nur noch darauf an, eine hohe Impfbereitschaft (auch bei Kindern ab 12 Jahren und Jugendlichen) einzuwerben. Es wäre gut, wenn bestimmte Freiheiten mit besonders hohem Risiko bald nur noch für Geimpfte (und mit bestimmter Quote Impfuntaugliche) zugänglich wären. Am besten mit rechtzeitiger Ankündigung, damit sich alle vorher noch impfen lassen können. Ich hoffe auch, daß die Zulassung der Impfstoffe bald auf eine Untergrenze von 6 jahren gesenkt wird, um auch Grundschüler zu schützen.
HBt.
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Die Angst (impfen hilft)!

Beitrag von HBt. »

In meinem winzigen Institut sind seit zwei Tagen nun endlich alle erstgeimpft, die Hälfte von sechs Mitarbeitenden sogar schon zweitgeimpft. Familiär 3/4 erstgeimpft & 1/4 ungeimpft. Um ehrlich zu sein, es läuft nicht nur viel zu schleppend' sondern die Meldungen über das Einstellen der Erstimpfungen (den Möglichkeiten) häufen sich hier täglich. Ich hatte gerade noch Glück, doch jetzt bleibt die Ungewissheit - denn ohne die Zweitimpfung, bzw. die rechtzeitige Zweitimpfung, stehen wir Erstlinge bald ziemlich blöd da.

Doch in meinem privaten, dörflichen Umfeld ist jeder rüstige Rentner oder Pensionär bereits gut vorbereitet und freut sich offenherzig auf den baldigen BOOSTER. Ganz toll, sie verstehen auch gar nicht das die Mitarbeitenden* maximal Erstgeimpfte sind. In der Zwischenzeit wird das Behelfsbeatmungszentrum auf dem Expogelände demontiert (es wurde schließlich nicht benötigt und die Miete des Areals verschlingt monatliche Unsummen, eine unvorstellbare Zahl !).


Meine Einrichtung ist offiziell heute zur Präsenz und der vollständigen Öffnung aller Pforten übergegangen, hoffentlich geht alles gut aus. Wir versuchen zur Normalität zurückzukehren, doch zu welcher Normalität? Ich freue mich und bin doch sehr beunruhigt.

Gruß,
HBt.

*
"Neusprech" für erwerbstätige Menschen: "Menschen in Arbeit"



PS
Momentan regnet es durchgängig, die Raumtemperaturen liegen gut 10°C über den Außentemperaturen - doch man sollte sich nicht täuschen lassen, unser noch einzigartiger Planet (im uns bekannten Universum) absorbiert fleißig Wärme = Energie, und dieses in einem "beispiellosen Maß".

Persönlich sehe ich für unsere Spezies & andere Manifestationen der Evolution schwarz.
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Fritz
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Re: Wir teilen uns mit

Beitrag von Fritz »

Holger König hat geschrieben:
01.07.2021, 02:35
Es wäre gut, wenn bestimmte Freiheiten mit besonders hohem Risiko bald nur noch für Geimpfte (und mit bestimmter Quote Impfuntaugliche) zugänglich wären.
So Du möchtest also die nächste Verschwörungstheorie wahr werden lassen?
Im nächsten Schritt könnte man ja dann die Ungeimpften gleich einer "Sonderbehandlung" unterziehen? Oder vorher erstmal ab ins Umerziehungs-Lager?

Man faßt es nicht ... :BangHead
Mit freundlichem Gruß

Fritz
Holger König
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Re: Wir teilen uns mit

Beitrag von Holger König »

Ich könnte mir z.B. vorstellen, statt den Amateur- und Breitensport wieder zu verbieten, bei steigenden Inzidenzen (zumindestenz in Mannschafts- und Kontaktsportarten) die Trainingsteilnahme nur Geimpften und Genesenen (bis zu dem Zeitpunkt, wo sie geimpft werden können) zu erlauben.
Auch für Bibliotheken, Museen und die Gastronomie wäre es das mildere Mittel, Ungeimpfte auszuschließen, statt wieder alles zu schließen.
HBt.
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beinahe 50% aller aktuellen Todeszahlen ...

Beitrag von HBt. »

sollen lt. RKI Impfdurchbrüche sein.

Ein kleiner Vorgeschmack:
https://www.muenchen-klinik.de/covid-19/intensivzahlen/

Das werden keine rosigen Wochen, bis zum Sommertief 2022, werden.
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Fritz
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Re: Wir teilen uns mit

Beitrag von Fritz »

Holger König hat geschrieben:
01.07.2021, 23:46
Ich könnte mir z.B. vorstellen, statt den Amateur- und Breitensport wieder zu verbieten, bei steigenden Inzidenzen (zumindestenz in Mannschafts- und Kontaktsportarten) die Trainingsteilnahme nur Geimpften und Genesenen (bis zu dem Zeitpunkt, wo sie geimpft werden können) zu erlauben.
Auch für Bibliotheken, Museen und die Gastronomie wäre es das mildere Mittel, Ungeimpfte auszuschließen, statt wieder alles zu schließen.
Dein Wunsch nach Diskriminierung der Minderheit der Ungeimpften ist ja nun in Berlin u. Brandenburg inzwischen Wirklichkeit geworden.
Wer mir sowas vor zwei Jahren vorher gesagt hätte - ich hätte ihn als Spinner ausgelacht ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
Holger König
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Re: Wir teilen uns mit

Beitrag von Holger König »

Jeder hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Wer das nicht möchte, sollte schon im eigenem Interesse zu hause bleiben, aber nicht fordern, den geimpften Dinge zu verbieten, die durch den Infektionsschutz nicht zu rechtfertigen sind.
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nur_wazaari
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Re: Wir teilen uns mit

Beitrag von nur_wazaari »

War klar, dass diese Diskussion von wegen geimpft vs. ungeimpft auch hier losgeht. Problem: Sie führt eigentlich zu nichts. Maßnahmen würden alle treffen, irgendwie mehr, irgendwie weniger. Es ist aber wieder notwendig, Dinge zu unternehmen, um Kontakte zu reduzieren.

Erst gestern las ich aus mehreren Quellen stammend, dass man davon ausgeht, die Ungeimpften nicht mehr ohne Weiteres überzeugen zu können. Man müsste diese dementsprechend mehr oder weniger offensiv zu Impfungen zwingen. Inwiefern man das (machen, verantworten) kann, ist eine nicht einfach zu beantwortende Frage.

Aber mir persönlich leuchtet es bis auf in Einzelfällen überhaupt nicht ein, weshalb man auf die Impfungen verzichtet. Mir deucht, das gerät oftmals eine Art Abrechnung mit den staatlichen Behörden oder sowieso schlecht gelittenen "Gesamtgesellschaft", nicht etwa aus Angst vor der Nadel oder den Nebenwirkungen.
.
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Fritz
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Re: Wir teilen uns mit

Beitrag von Fritz »

Holger König hat geschrieben:
16.11.2021, 02:37
Jeder hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Wer das nicht möchte, sollte schon im eigenem Interesse zu hause bleiben, aber nicht fordern, den geimpften Dinge zu verbieten, die durch den Infektionsschutz nicht zu rechtfertigen sind.
Also die einzige Forderung von Verboten hier kam von Dir und zwar wolltest Du Ungeimpften den Sport verbieten.
Was jetzt seitens der Politik auch so erledigt wurde :-(
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Fritz
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Re: Wir teilen uns mit

Beitrag von Fritz »

Fritz hat geschrieben:
16.11.2021, 14:24
Holger König hat geschrieben:
16.11.2021, 02:37
Jeder hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Wer das nicht möchte, sollte schon im eigenem Interesse zu hause bleiben, aber nicht fordern, den geimpften Dinge zu verbieten, die durch den Infektionsschutz nicht zu rechtfertigen sind.
Also die einzige Forderung von Verboten hier kam von Dir und zwar wolltest Du Ungeimpften den Sport verbieten.
Was jetzt seitens der Politik auch so erledigt wurde :-(
nur_wazaari hat geschrieben:
16.11.2021, 09:38
Aber mir persönlich leuchtet es bis auf in Einzelfällen überhaupt nicht ein, weshalb man auf die Impfungen verzichtet. Mir deucht, das gerät oftmals eine Art Abrechnung mit den staatlichen Behörden oder sowieso schlecht gelittenen "Gesamtgesellschaft", nicht etwa aus Angst vor der Nadel oder den Nebenwirkungen.
Das ist sicher richtig u. eine völlig legitime Art der Reaktion -
mittlerweile findet man jede Menge Auflistungen im Netz, was von Aussagen, Versprechen u. Handlungen unsere Politiker Covid betreffend so zu halten ist, zynisch gesagt, haben sich so einige
Vorhersagen von Schwurblern, Verschwörungstheoretikern usw. usf. bewahrheitet.
Von daher ist es völlig verständlich, daß der Teil der Bevölkerung, den das stört, einfach nicht einsieht, weiteren Aussagen u. Empfehlungen dieser Politiker zu folgen.
Nebenbei bemerkt ist das Covid-Thema ja nicht das einzige, wo "der Staat" das Vertrauen der Leute verspielt bzw. zeigt, daß er bei echten Krisen u. Problemen gern versagt ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
HBt.
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generelles Versagen

Beitrag von HBt. »

(...)
Von daher ist es völlig verständlich, daß der Teil der Bevölkerung, den das stört, einfach nicht einsieht, weiteren Aussagen u. Empfehlungen dieser Politiker zu folgen.
Nebenbei bemerkt ist das Covid-Thema ja nicht das einzige, wo "der Staat" das Vertrauen der Leute verspielt bzw. zeigt, daß er bei echten Krisen u. Problemen gern versagt ...

(Ja)

Sich allerdings gegen diese Impfung zu stellen ist ein Problem das uns alle angeht und Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte zeitigt. Versäumnisse des Pseudowohlstandes, der irrigen Illusion des "anything goes", des Neoliberalismus ...

Ich habe Verständnis und trotzdem fehlen mir die Worte, ich stehe ohnmächtig vor den momentanen Folgen der Pandemie, ganz persönlich - eine Krise bringt tatsächlich die Wahrheiten unseres jämmerlichen Daseins zum Vorschein, alle Abgründe zeigen sich.

Meiner kleinen Familie wurde (indirekt) extremer Schaden zugefügt. Dieser Virus, diese Pandemie schadet ganz persönlich - sie bringt nicht einfach nur ein bisschen Unglück ins Haus.

#
Auf dem Titelblatt der HAZ meldet sich der "Blonde Lord aus den USA" wieder an (zu Wort) und es wird saloppt die Frage formuliert: ... ob er der Demokratie schadet?
HBt.
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Die Diagnose lautet:

Beitrag von HBt. »

Schwere affektive Störung.

Nach zehn Wochen Klinikaufenthalt (ohne Hoffnung & ohne jeglichen Erfolg) entlassen worden. Psychotherapiemöglichkeiten sucht man in ganz Deutschland vergeblich, die notwendigen Kapazitäten sind einfach nicht vorhanden - alles ist ausgebucht, man muss auch wieder Platz für andere Patienten schaffen ... möglichst nur Larifari-Gruppentherapie anbieten und mit nicht ausreichend qualifiziertem Personal abfrühstücken, ordentlich Citalopram u.a. Mittelchen ausschütten. Man wird völlig alleine gelassen und steht alleine im luftleeren Raum, niemand hilft Dir.

Jetzt werden mindestens sechs Wochen MHH folgen, stationär - wenn ich selbst bis dahin nicht durchgeknallt bin und noch in der Lage sein sollte meine Liebe dort nächste oder übernächste Woche einzuweisen.
Hier im Umkreis wird man überall abgewiesen.

Mir fehlen die Worte und ich habe selbst kaum noch Kraft, alle Reserven sind erschöpft, an eine eigene Erholung ist nicht zu denken.
Jeden Tag nehme ich überdeutlich die Symptomatik wahr, es existiert keine freie Minute mehr: ich bin Vater, Mutter, Ehemann, Therapeut, Arbeitnehmer ... alles in einer Person. Ich schlafe seit den Sommermonaten nur noch täglich ein paar Stunden, mein Herz rast und die Nerven flattern.
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nur_wazaari
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Re: Die Diagnose lautet:

Beitrag von nur_wazaari »

HBt. hat geschrieben:
16.11.2021, 16:16
Das liest sich wirklich schlimm und dazu kann man gar nicht viel schreiben. Trotzdem wünsche ich Dir viel Kraft. Wirklich.

In meiner sog. Familie ist eher das Problem, dass die Krise nicht als solche akzeptiert wird. Aber auch diese bornierten Dickschädel mit antidemokratischen Tendenzen sehen langsam ein, dass es wichtig wäre die Pandemie wirklich einzudämmen. Denn eine Eindämmung ist möglich, Kompromisse müssen wir sowieso eingehen. Es gibt so viel Wichtigeres, als der immerwährende Konsum wovon auch immer - Produkte, Medien, Sport, (Butter-)Brot und Spiele. Mir würde es genügen zu sehen, dass man lernt, präzisiert, sich zurücknimmt, mal was für umfassendere Ziele tut. Nichts davon kann ich erkennen, es mangelt vielen selbst in reichen Staaten an essentiellen, die Menschlichkeit und die Umwelt erhaltenden Ressourcen, es mangelt an Empathie, es mangelt an Respekt und einem Gespür für Prioritäten, die mal ausnahmsweise nicht die alleinigen sind. Verzicht und Kompromisse, egal in welcher Form des Konsums, sind für viele keine Option. Konkreter, konsumieren ist für viele die einzige Option, denn es ist in einem Zeitalter der digitalen Überforderung und der Individualität auch eine gesellschaftliche Tatsache, dass vielen Menschen aus welchem Grund auch immer nichts anderes geblieben zu sein scheint. Aliude und Derivate schleichen sich in unsere Leben, oft ohne dass wir wissen und bemerken, wofür sie eigentlich den Platz einnehmen.

Es wäre administrativerseits wichtig, alle direkten und indirekten Folgen der Pandemie schon jetzt - ach was, schon lange, seit Beginn - auf dem Schirm zu haben und sich zu überlegen, wie das Angebot zur Bewältigung dieser aufgebaut werden kann - und zwar dann immerhin sofort, möglichst schnell und effizient. Die aktuellen Vorschläge kennen wir alle, sie schwanken zwischen Realitätsverlust und blankem Hohn. Sie sind ohne Übertreibung maximal hilflos. Und ebenso wie eine mögliche Eindämmung der pandemischen Lage betreffend passiert nicht nur Nichts, sondern viel schlimmer: Es findet ein Rückbau der für die Bewältigung der Probleme zur Verfügung stehenden (medizinischen) Ressourcen statt und niemanden in der Politik interessiert das erkennbar, gemessen an sinnvollen Vorschlägen und Handlungen. Die Verantwortlichen tauchen ab, verlieren sich, sie signalisieren das Verlorensein und das Verlorengeben, sie negieren ihre Aufgaben. Ehrlich gesagt, ich schwanke zwischen Staunen und Entsetzen. Hinzu kommt die Zivilbevölkerung, welche sich in Teilen und zu allem Überfluss in Selbst- und Fremdbeschämung übt.

Im Übrigen: Der baldige Ex-"Judopräsident" kommt aus dem medizinischen Bereich, wird vermutlich in nicht allzu langer Zeit einmal auch bundespolitisch in der Verantwortung stehen, wenn man sich den Werdegang und die Art und Weise wie dieser zustandekommt ansieht. Wird er etwas unternehmen? Er, der genau dieser Generation, die auch meine Generation ist, angehört, welche sich doch ach so sehr für eine hoffnungsvolle Zukunft einzusetzen glaubt?

Es wird Winter, es ist kalt, es ist dunkel, das künstliche Licht macht mir jedenfalls zu schaffen. Ich hasse es. Was ich unternehme, versuche besser zu machen, als im letzten Winterjahr, einer Zeit die für mich wie im Nebel liegt, an die ich kaum Erinnerung habe? Ich versuche unter allen Umständen aktiv zu sein, körperlich und geistig. Es ist auch jede Menge Selbstzwang dabei. Aber es ist die einzige Möglichkeit für mich, in den kommenden Monaten nicht mehr zu versacken, auch wenn der kommende Winter nochmal viel härter werden wird, als der letzte. So behilft sich mein Kämpferherz - es hat keine Wahl, es muss aufstehen, immer wieder.
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HBt.
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Wartezeiten

Beitrag von HBt. »

... meine Frau steht jetzt auf einer Warteliste (der MHH) zur stationären Aufnahme. Es mangelt an Kapazitäten in ganz Deutschland. Die Wartezeit für eine dringende stationäre Aufnahme beträgt zirka zwei Monate, die lebensbegleitende, ambulante Therapie -> sechs bis zwölf Monate, irgendwo im Bundesgebiet: die Empfehlung lautet: rechtzeitig anmelden!

Ein kleines bißchen bin ich sauer - oder einfach nur ein unbedeutendes Licht, bin nicht reich genug. Die Spaltung kotzt mich an. Was für ein Mist?!

#
Ob die neue "Regierung aus der Mitte" [HAZ] irgendetwas Positives bewirken wird?

never ever

HBt.
(Die Hoffnung stirbt immer zum Schluss!)

Nachtrag:
2G und Warnstufe 1 in ganz Niedersachsen - doch wir halten hier vor Ort (im meiner Einrichtung) felsenfest an Pseudo-3G fest.
Wer sind eigentlich die Pandemietreiber? Ich las gerade in einer internen Mail, wir sind es nicht. Wenn "wir" es nicht sind, wer ist es denn dann? Die Anderen!???
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nur_wazaari
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Re: Wartezeiten

Beitrag von nur_wazaari »

HBt. hat geschrieben:
25.11.2021, 11:18
... Es mangelt an Kapazitäten in ganz Deutschland... die Empfehlung lautet: rechtzeitig anmelden!
[...]
Ein kleines bißchen bin ich sauer - oder einfach nur ein unbedeutendes Licht, bin nicht reich genug. Die Spaltung kotzt mich an. Was für ein Mist?!
[...]
Ob die neue "Regierung aus der Mitte" [HAZ] irgendetwas Positives bewirken wird?
never ever
[...]
(Die Hoffnung stirbt immer zum Schluss!)
[...]
Nachtrag:
2G und Warnstufe 1 in ganz Niedersachsen - doch wir halten hier vor Ort (im meiner Einrichtung) felsenfest an Pseudo-3G fest.
Wer sind eigentlich die Pandemietreiber? Ich las gerade in einer internen Mail, wir sind es nicht. Wenn "wir" es nicht sind, wer ist es denn dann? Die Anderen!???
Es mangelt in Deutschland in der Tat an Kapazitäten im medizinischen Bereich, gerade in den Bereichen, welche nun stärker gefordert sind. Das war auch vor Beginn der Pandemie durchaus schon bekannt. Letztlich hat sich der Effekt aufgrund der Pandemie deutlich verstärkt.

Derzeit hat man den Eindruck, dass man sich im Ernstfall anstatt zu handeln in juristischen Stellvertreterdebatten verliert. Das kann sich gerade auch derzeit niemand leisten, weder im Privaten als auch allem voran bei den Entscheidungsträgern. Teilweise kaum zu rechtfertigenden Pragmatismus sieht man nur in die andere Richtung, welche die Pandemie eher zu verschlimmern in der Lage ist.

Die Regierung aus der Mitte...ich habe den Koalitionsvertrag gelesen und verfolge auch die Tagespolitik, nicht zuletzt, weil ich die Informationen für Job und Studium täglich benötige. Nun ja, es sind in der Tat wahnsinnig viele Weichen gleichzeitig zu stellen. Bedeutend schlimmer als vorher oder mit der alten Besetzung kann es eigentlich auch nicht werden. Wie sich das alles konkretisiert, auch angesichts der derzeitigen Herausforderungen, kann man diesmal kaum prognostizieren. Mein Optimismus hält sich allerdings in Grenzen, selbst was kleine Fortschritte anbelangt.

Wer sind die Pandemietreiber...letztlich sind es wohl viele solche gleichzeitig, hinzu kommen das gesamte Stückwerk aus inkonsequenten Maßnahmen und tlw. auch völlig unverständlichen Freigaben z.B. für Großveranstaltungen (z.B. voll besetzte Fußballstadien, man kann es kaum glauben). Klar, behördlicherseits orientiert man sich an Vorgaben der Politik oder den Daten, die zur Verfügung stehen. Gleichzeitig liest man dann sowas wie das Folgende und fragt sich, wie sehr man vielleicht auf welche Daten setzen kann:

PCR-Tests: Labore in Baden-Württemberg am Limit
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wue ... g-100.html

Ich weiß nicht, also mich lässt das hier dann auch nicht kalt:
Bundeswehr fliegt Covid-Patienten von München nach Hamburg
https://www.zeit.de/gesundheit/2021-11/ ... -patienten

Und auch das hat Gründe:
Bundeswehrgeneral soll Corona-Krisenstab leiten: Einsatz bereits „in Kürze“
https://www.rnd.de/politik/corona-krise ... NSXRQ.html

Wir, wir alle und unsere gesellschaftlichen Einrichtungen, kriechen in Wahrheit auf dem Zahnfleisch. Ich muss auch ehrlich sagen, dass das was mich momentan wohl am wenigsten interessiert, irgendein Sportbetrieb ist. Die Probleme, welchen wir uns theoretisch gemeinsam stellen müssten, sind viel größer als irgendein Ruf nach "Bewegungsgarantie", was für mich den üblen Beigeschmack von "gebt uns unsere Freiheit zurück" hat. Andersherum: Es rufen alle, Branchen, Industrie etc. nach ihren Privilegien und das in einem vollkommen offensichtlichen Egoismus. Dann kann der Sport das natürlich auch tun. Legitim, weil in einer demokratischen Ordnung zu ermöglichen, ist das an sich sowieso (es gibt international selbst in demokratischen Ländern derzeit auch andere Tendenzen), aber es wirkt in meinem Augen an den drängendsten Themen vorbei platziert. Freiwillige Kontaktbeschränkungen als eine mögliche wesentliche Maßnahme zur Eindämmung des Infektionsgeschehens scheinen nur für einen geringen Teil der Bevölkerung eine Option zu sein.

Das (wieder-)erkennt auch die Politik langsam. Was wird und muss leider also demnächst passieren, wenn man sich nicht totverwalten oder noch drastischer ausgedrückt den Tod verwalten will? Genau.
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