Go-no-Kata

Ju-no-Kata, Go-no-Kata, Seiryoku-Zen'yo Kokumin-Taiiku-no-Kata
tom herold
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Go-no-Kata

Beitrag von tom herold » 14.09.2006, 17:15

... da lese ich doch ein wenig verblüfft im Judo-Magazin, daß der Klaus Hanelt aus Japan die Go-no-kata mitgebracht habe.
Er soll auf diese "fast vergessene Kata" im Kodokan-Museum gestoßen sein, woraufhin (wenn ich das richtig interpretiere) der Kurator selbigen Museums (der mir im Übrigen gut bekannte Herr Murata, mit dem ich hin und wieder das eine oder andere Brieflein wechsle ...) den Herrn Hanelt an jenen namentlich nicht benannten "uralten Judomeister" verwies, der als einziger die Go-no-Kata noch beherrscht und der diese Kata natürlich prompt und anstandslos an Klaus Hanelt weitergab ...
Nun gut, Klaus Hanelt soll also an einem der vergangenen Wochenenden diese Kata dann in Hamburg sofort vorgeführt und gelehrt haben.
Nun meine Frage: da wird doch wohl irgend jemand eine Video-Kamera zur Hand gehabt haben ...?
Ich wäre für solche Aufnahmen wirklich sehr, sehr dankbar.
Vor allem deshalb, weil ich diese Aufnahmen unbedingt mit dem vergleichen möchte, was wir selbst in den vergangenen zehn Jahren über die Go-no-Kata zusammengetragen haben.
Also bitte, bitte - kann mir jemand diese Aufnahmen zukommen lassen?
Freundliche Grüße
Tom

rarufu

Beitrag von rarufu » 14.09.2006, 23:01

Sehr geehrter Herr Herold,

der von ihnen zu dem Thema Go-no-kata verfasste Beitrag unterstellt erstens, dass Klaus Hanelt nur virtuell (sprich im Traum) in Japan im Kodokan war, zweitens die von ihm gelernte und nun gelehrte Go-no-kata mehrheitlich bis ganz seiner Fantasie entspringt, während Sie die einzig wahre Form dieser Kata von uralten Meistern gelehrt weitergeben.

An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass eine Go-no-kata in Japan in verschiedenen Schulen in unterschiedlichen Ausrichtungen bekannt war.

Sie mögen auch weiterhin behaupten, dass DJB-Judoka, auch mit hohen Dangraden und Trainerlizenzen, gegen Sie die letzten Schwachmaten seien, aber, dass Sie behaupten jemand wie Klaus Hanelt erzähle Schwachsinn oder habe sein Katawissen aus Büchern erlernt ist derart absurt, dass sich eine Antwort darauf de facto erübrigt.

Ich habe schon einmal in diesem Forum geschrieben, dass sie scheinbar ein gewaltiges Persönlichkeitsproblem haben. Mit Beiträgen wie diesem und einigen vorhergegangenen bestätigen Sie meine Meinung. Sie sind unfehlbar, und Frank Thiele auch (der übrigens in der Prüfungskomission zu meinem 1. Dan saß) und ein paar andere sind immerhin auf dem richtigen Weg.

Zugestehen muss ich Ihnen immerhin, dass sie eine geschickte Mischung aus Grundwissen, nicht nachprüfbarem "Faktenwissen", sinnentstellenden Verkürzungen (z.B. zeigen Ihre Ausführungen zur Prüfungsordnung des DJB, dass Sie diese entweder nicht verstanden haben, oder dass Sie bewusst verleumderische Halbwahrheiten in die Welt setzen) und schlicht frecher, aber gut gemachter, Propaganda in die Welt verbreiten. Dafür zolle ich Ihnen Respekt. Ähnlich wie die Vertreter christlicher Sekten sind Sie hier gut ausgebildet und werden zur Not auch mal ein bißchen beleidigend, wenns auf der normalen Schiene nicht mehr läuft, oder gehen in die Schmollecke, weil Sie keiner versteht oder "lieb" hat.

Und wenn sie schon mit dem Kurator des Kodokan öfter in Kontakt sind,
würde mich schon interessieren wer denn die Sensei in Japan sind, die Sie so gerne erwähnen; gerne auch mit Dojo und Graduierung. Dann kann ich zur Not mal ein paar japanische Freunde nach den Namen fragen.

Ohne Gruß
Ralf

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Fritz
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Beitrag von Fritz » 15.09.2006, 00:32

Also ich sag es schon mal prophylaktisch:

Leute, bleibt sachlich, sonst ist dieser Faden weg!

@rarufu: Zwar ist mir der sarkastische/zweifelnde Unterton in Toms Anfrage nicht entgangen,
aber ich halte Deine Reaktion an _dieser_ Stelle für
etwas "überzogen"... :-(

Kritik an Toms Kodokan-/Inyo-Ryu-Judo-Auffassungen, kann gern
in den entsprechenden Fäden geäußert werden, aber ich hege die
Hoffnung, daß wir nach den anfänglichen "emotionsgeladenen Wogen",
über das "Persönlichwerden" mittlerweile so langsam mal hinweg sind...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

tom herold
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Beitrag von tom herold » 15.09.2006, 11:28

... zunächst mal: meine Bitte um Video-Mitschnitte war absolut ernstgemeint. Da es sehr viele verschiedene (und z.T. grottenschlechte) "Varianten" der Go-no-Kata des Kodokan Judo gibt, wäre es für alle interessierten Judoka wichtig, endlich mal 'ne autorisierte Form zu Gesicht zu bekommen.
Zu Klaus Hanelt: ich habe absolut nix gegen den Mann, halte allerdings die Bezeichnung "Kata-Experte" für übertrieben - ich hab ihn in Aktion gesehen und seinen Erläuterungen gelauscht und muß sagen, daß er (ganz objektiv!) einige heftige Fehler gemacht hat, was Ausführung und Inhalt bspw. der Nage-no-kata und vor allem der Goshin-Jutsu-no-Kata betraf.
Ich denke, daß ich durchaus das Recht habe, dazu eine Meinung zu vertreten und diese auch zu äußern.
Sodann habe ich keineswegs unterstellt, Herr Hanelt sei gar nicht in Japan gewesen.
Ich bin nur erstaunt, daß man während eines relativ kurzen Aufenthaltes mal eben so die Go-no-Kata erlernen kann, und zwar in einer Form, die es ermöglicht, das Ding auch sofort weiterzugeben und zu lehren ...
Aber wie gesagt, das ist eben nur meine persönliche Meinung. Wie ich an anderer Stelle immer wieder betont habe: ich lasse mich gern eines besseren belehren - nur möchte ich eben überzeugt werden.
Was mein angebliches "Halbwissen" betrifft - ich lasse mich auch hier gern belehren, nur hat mir bisher niemand nachgewiesen (und ich meine: nachgewiesen!!), daß die von mir beschriebenen historischen Ereignisse rund um's Judo falsch wiedergegeben seien.
Wäre doch mal 'ne Aufgabe, oder ...?
Zu den beleidigenden und sehr unsachlichen Bemerkungen äußere ich mich nicht weiter - "rarufu" hat da eher sich selbst als mich "entlarvt".
Zu unseren japanischen Sensei habe ich ebenfalls hier und in anderen Foren Stellung bezogen - ich habe sie mit Namen, Graduierung und Wohnort benannt. Dies, weil einige so "ihre Zweifel" hatten. Es war jedoch eine grobe Unhöflichkeit unseren Sensei gegenüber, diese Dinge einfach so ins Netz zu stellen, nur um irgendwelchen Leuten zu beweisen, daß wir eben keine "selbsternannten Meisterlein" sind - und ich werde diese Unhöflichkeit hier nicht wiederholen.
So, zurück zum Thema: Wir möchten (nachdem wir bspw. mit Herrn Murata wieder einmal einen regen Briefwechsel aufgenommen haben) schon gern die authentische Form der Go-no-Kata trainieren, und genau deshalb möchten wir gern 'nen Video-Mitschnitt der Hamburger Veranstaltung haben. Wir möchten vergleichen, verstehen und wenn nötig das verbessern, was wir bisher für richtig hielten.
Was ist daran falsch?
Also noch mal - wer da evtl. mitgefilmt hat, lasse uns das bitte zukommen (gegen Erstattung der Unkosten, versteht sich!).
Freundliche Grüße
Tom

PS: Die Welt ist klein. Eben hat mir Frank Thiele erzählt, wer "rarufu" ist (denn er kennt ihn!) und hat mir auch erklärt, was vermutlich der Grund für seine unsachliche Reaktion ist.
Armer "rarufu" ... :alright
Freundliche Grüße
Tom

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Beitrag von ctjones » 15.09.2006, 21:19

Also wenn ich nicht vollkommen verblödet bin ist der Lehrgang erst... :eusa_think

Aber finde das Magazin gerade nicht.

PS. Der Artikel selbst war gut, fand ich!
Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung, mit dem ich euch Gegenüberstehe. (Rebel, Die Ärzte)

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Beitrag von tom herold » 16.09.2006, 09:57

Hallo Carsten, gut fand ich an dem Artikel von Stefan Höhle, daß da endlich mal zugegeben wurde, daß es eine international recht ansehnliche Schar ernstzunehmender Judoka gibt, welche die gegenwärtige Entwicklung des Judo mit Sorge sehen und nicht eben gutheißen.
Einige Positionen dieses Artikels vertrete ich seit mehr als zehn Jahren - und mußte mir dafür viel Hohn gefallen lassen.
Nicht einverstanden bin ich mit Stefan Höhles Schlußfolgerungen und seiner doch eher abwertenden Haltung gegenüber den "Traditionalisten".
Ich persönlich glaube, daß man an den Katas des Kodokan Judo nicht herumschrauben sollte, wenn man aus ihnen Nutzen ziehen will.
Dies ist keineswegs eine "Betonierung" dieser Katas. Im gegenteil, wenn man sich mit diesen Formen intensiv beschäftigt und dies unter fachkundiger Anleitung tut, dann hat man auch und vor allem als Wettkämpfer sehr großen Nutzen davon, da die Katas vor allem sinnvolle Bewegungsmuster und sinnvolle Schrittfolgen lehren.
Die Techniken der Katas des Judo sind austauschbar, sie sind nur Beispiele, es geht eben nicht um diese Techniken, sondern um tai-Sabaki, Te-Sabaki etc. etc. pp.
Wie so oft schießt Stefan Höhle an einigen Stellen seines Artikels über's Ziel hinaus. Seine Bemerkung, daß " ... Klaus Hanelt als Kata-Experte des DJB allenfalls japanische Konkurrenz zu fürchten habe" ist arg danebengelungen. Mir sind einige englische, amerikanische und französische Judoka bekannt, die (nicht nur meiner Meinung nach!) wesentlich prädestinierter sind, diverse Katas des Kodokan Judo zu lehren. Aber das nur nebenbei.
In diesem Zusammenhang noch 'ne Bemerkung am Rande - wenn ich fachliche Kritik an Klaus Hanelt übe, dann bezieht sich das doch nicht auf ihn als Person, und das hat hier offenbar jemand nicht verstanden - oder wollte es nicht verstehen (nicht wahr, Herr XXX?).
Übrigens ein typisch deutsches Phänomen: sachliche, fachlich berechtigte Kritik als Angriff auf die eigene Person aufzufassen (übrigens nehme ich mich da nicht aus, geht mir hin und wieder auch so - mea culpa).
Bei allem Hickhack denke ich, daß es letztlich doch gut ist, daß die Katas des Judo wieder den hohen Stellenwert zugewiesen bekommen, der ihnen auch zusteht.
Grüße
Tom

(Fritz: Klarname gelöscht)

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Beitrag von ctjones » 16.09.2006, 19:24

Ich bin total verblödet, der Lehrgang war schon!! :oops:

Ja, die Aussage, das wir Kata weiter entwickeln solln, habe ich auch nicht so ganz verstanden/kann man arg falsch verstehen, da man nicht so genau versteht, worauf der gute Mann hinaus will!
Aber das Appell, sich wieder intensiver mit Katas zu beschäftigen vertrete kann ich voll verstehen und unterstützen.
Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung, mit dem ich euch Gegenüberstehe. (Rebel, Die Ärzte)

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Beitrag von Speedy » 17.09.2006, 00:10

Nur um mal wieder ein paar Schönheitsfehler auszumerzen.
Das Wort Kata ist meiner Meinung nach immernoch ein japanisches Wort und der Plural von Kata, ist Kata und nicht Katas.

Klaus Hanelt lehrt die Kodokan Goshin jutsu und nicht eine von zahlreichen Goshin jutsu no Kata. Der Begriff "die Goshin-jutsu-no-Kata" ist daher ein Fehlgriff.
Desweiteren würden mich mal die von Tom angeführten "heftigen Fehler" in genannter Kata, insbesondere aber in der Nage-no-Kata interessieren. Ob in diesem Thread (wäre dann Off-Topic) oder in einem Anderen (neuen) ist mir persönlich völligst egal.

Eine kleine Anmerkung sei mir noch gestattet. Wer Klaus Hanelt gut kennt, weiß, dass er bei Lehrgängen im Allgemeinen nur Basiswissen vermittelt, weil ihm die grundlegenden Punkte die wichtigsten sind und bei Lehrgängen die Masse eher Dan-Anwärter oder Meisterschaftsteilnehmer sind. Wer eine Technik wirklich im Detail kennen lernen will, bzw. Ura, also das was dahintersteckt, der muss sich sehr viel länger damit auseinander setzen und lange mit ihm trainieren.
Grüßle
Speedy :dancing

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Fritz
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Beitrag von Fritz » 17.09.2006, 23:12

Also ich kenne Klaus Hanelt hauptsächlich von den Judo-Sommerschulen.

Und auch wenn es nach Speedys Aussage _nur_ Basiswissen ist, was
er da vermittelt, erschienen mir seine Ausführungen bisher immer anschaulich, nachvollziehbar u. logisch.
Weiterhin ist Klaus Hanelt auch regelmäßig nach seinen "offiziellen"
Trainingseinheiten auf der Matte unterwegs, um Interessenten an seinem
Wissen teilhaben zu lassen.
Kurzum - für mich ist er kompetent und ein sehr guter Lehrer.

Mag sein, daß es noch andere kompetente Katalehrer gibt, aber mit
diesen hat sich bisher noch nicht mein Weg gekreuzt, von daher
ist es mir relativ gleichgültig, ob K.Hanelt "Fehler" aus deren Sicht macht
oder nicht...
Niemand ist nämlich unfehlbar...
Und ob es im Bereich Kata nur eine Wahrheit gibt, wage ich zu bezweifeln...

Habe sogar manchmal das unbestimmte Gefühl,
daß die Japaner sowieso uns "Gaijin" regelmäßig konsequent verar*en... ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

tom herold
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Beitrag von tom herold » 18.09.2006, 10:02

Das Gefühl, daß die Japaner uns konsequent vera....en (und das in der Vergangenheit auch weidlich getan haben!), trügt leider nicht. Schade.
Man muß schon sehr viel Glück haben, einen oder gar mehrere (japanische) Meister zu finden, die ernsthaft daran interessiert sind, uns "Langnasen" tatsächlich ernsthaft etwas beizubringen. Wie gesagt, sehr schade.

So, nun nochmal zu Klaus Hanelt. Ich kann nicht beurteilen, wie er als Persönlichkeit ist - ich kenne ihn nicht persönlich (im Sinne von: mal miteinander gesprochen haben wir noch nicht.) Möglicherweise bin ich also in der Beurteilung dessen, was er lehrt, sehr ungerecht. Ich kann im Augenblick nur davon ausgehen, was ich gesehen und gehört habe - und da, so leid es mir tut, sind aus meiner Sicht einige Fehler zu bemängeln, die eigentlich nicht sein müßten.
Ich will das mal jetz nur am Beispiel der Nage-no-Kata erläutern.
Der Ippon-Seoi-Nage, wie er hierzulande gezeigt und gelehrt wird (Toris Arm angewinkelt unter Ukes Oberarm), ist eigentlich ein Katate-Seoi-Nage. Dieser aber hat ein anderes Wurfprinzip als Ippon-Seoi-Nage. Bei Katate-Seoi-Nage muß man Uke ausheben, bei Ippon-Seoi-Nage wird Uke über Toris Schulter hinweg gekippt!
Es ist mir jetzt egal, ob ihr das glaubt oder nicht, ich will es dennoch mal historisch herleiten (wie ich schon mal sagte: ohne fundierte Kenntnis der Geschichte des Judo kann man viele Techniken einfach nicht verstehen - dies ist so ein Beispiel!).
Was hierzulande mit Fleiß vergessen wurde, ist die Tatsache, daß Ukes Schlagbewegung in Nage-no-Kata eine Bewegung des Schwertes ist.
Richtig ausgeführt zieht Uke also mit ersten Bewegung das Schwert (rechts, mit links wäre das dann das Tanto) und mit der zweiten Bewegung (da Tori zu weit weg steht, um mit der ersten Bewegung schon getroffen zu werden) schlägt Uke dann die Bewegung Shomen-Uchi.
Dies wiederum ist kein gerader Schlag von oben nach unten, sondern ein Schlag, der die Klinge in einem steilen Winkel zwischen Hals und Schlüsselbein treiben soll.
Wenn man dies berücksichtigt, dann muß der Abstand zwischen Uke und Tori beim Ippon-Seoi-nage (und allen anderen Techniken der Nage-no-Kata, welche diese Bewegung beinhalten) natürlich wesentlich größer sein, als das gemeinhin der Fall ist. Uke will ja mit dem Katana nicht über Tori hinwegschlagen, sondern diesen treffen.
Dies berücksichtigend wird nun hoffentlich auch klar, wieso Tori nicht nach vorn in Uke "hineingehen" kann - er würde ins Schwert laufen. Auch wird klar, wieso Tori nicht stehenbleiben kann, um Ukes Aktion (also seinen Schwertarm) zu "übernehmen", um dann zu werfen.
Tori muß den Abstand wahren, um Uke zu zwingen, weit nach vorn zu kommen, um den Schwerschlag zu vollenden. Er muß außerdem den Schwertarm blocken, und zwar wirkungsvoll. Damit wird Uke dazu gebracht, mit Kraft und Druck noch weiter in den Schlag hineinzugehen.
Ich schlage euch vor, das Ganze mal mit einem Bokken auszuführen.
Ihr werdet bemerken, daß man sich, wenn man den Ippon-Soei-Nage dabei nach "herkömmlicher" Art und Weise handhabt, die Klinge des Schwertes unfreiwillig an und in den eigenen Körper zieht - und das kann gewiß nicht Sinn der Sache sein.
Sinn der Sache ist es, Uke über die eigene Schulter zum Absturz zu bringen, ohne dabei mit der Klinge in Kontakt zu geraten. Eigentlich soll Uke dabei auf den Kopf stürzen, um kampfunfähig zu sein ... das aber wird verhindert, indem Tori ein wenig die Schulter dreht und Uke damit eine Fallübung ermöglicht.
Seht ihr, man kann derlei Dinge eben erst verstehen, wenn man sich mit den Waffentechniken des Judo (= Bu-Waza) beschäftigt, und zwar möglichst ausführlich. Wer aber führt denn als Judoka heute noch das Schwert ...? Wer weiß denn überhaupt, daß Kano ein Experte mit dem Schwert war?
Ich möchte da mal Cunningham zitieren: "Kano had masters from many, many schools coming to join him. He studied many schools himself and continued his studies until he died. It's true that not everybody came to the Kodokan, but most of the major schools did come ...
So you studied these things, you sudied weapons, you studied the jo and bo and ken, the sword - and the kusari-gama and manriki-kusari.
All the various weapons were taught at the Kodokan. Kano himself, as a master of Tenshin-Shinyo-Ryu, studied the 18 battlefield weapons which were also taught. So that is sort of old Judo." (Cunningham in: Interview, 1998)
Und nochmal Cunningham: "Ich fragte meinen Meister (Sone Sensei), was die alten Wege so von den heutigen unterschied. Er griff sich ein Katana aus dem Schwertständer und sagte: 'Das macht den Unterschied aus!' ... Im Japanischen heißt es 'zen, ken, ishoa' (Geist, Schwert, Einheit)." (ebenda)
Ich denke, man sollte doch um diese Dinge wissen, wenn man Kata lehrt.
Nochmal - mir geht es keineswegs darum, hier irgendwen "niederzumachen", mir geht es um grundlegende Dinge, und wenn jemand als "Experte" bezeichnet wird, dann erwarte ich auch Expertenwissen - ansonsten hätte ich es gern 'ne Nummer kleiner, das ist alles.
Man kann sich allerdings darüber streiten, ob meine sehr traditionelle Sicht der Dinge "heute noch Gültigkeit besitzt" oder ob das, was Klaus Hanelt lehrt (und andere gleich ihm) bereits die "modernisierten" Varianten sind, von denen Stefan Höhle ins einem Artikel sprach.
Ich persönlich bin der Meinung, daß es weder notwendig noch wünschenswert ist, die von Kano hinterlassenen Formen in irgend einer Weise zu verändern - man benötigt sehr, sehr lange Zeit, bis man in den Kata soweit fortgeschritten ist, daß man sich der Ura-Seite zuwenden kann, und erst dann kann man die Kata wirklich nutzen ... und das hat nix mit dem "betonieren" der Kata zu tun, sondern ist eigentlich der normale Weg des Umgangs mit diesen Formen, wenn man langfristig Nutzen daraus ziehen will.
Dazu später mehr.

@Speedy: ich weiß, daß der Plural von "Kata" auch "Kata" lautet. offenbar verstehen einige Leser das aber nicht, und so wurde ich immer wieder darauf hinigewiesen, daß man angeblich nicht unterscheiden könne, ob ich nun den Plural oder den Singular meinte. In meinem Buch und in meinen Artikeln habe ich die korrekte Form gewählt, hier im Forum habe ich mich zum besseren Verständnis den Usancen angepaßt.
Tom

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Beitrag von Fritz » 18.09.2006, 12:38

Laut Klaus H. handelt es sich bei der Seoi-Nage in der N-n-K tatsächlich
nicht um die heute übliche Ippon-S-N (mit eingeklemmtem und über
den Oberarm gezogen Arm von Uke)
sondern der Arm von Uke wird auf Toris Schulter gelegt (ursprüngliches
Ziel wäre das Brechen des Armes), das Drüberkippen ist dann
eigentlich nur der Notbehelf bzw. die "entschärfte" Variante.

Damit würde Toms Schwerterklärung auch passen - wenn ich ein
Schwert so halte, daß ich leicht schräg von oben nach unten schneiden
könnte, dann landet der Arm exakt in "Brechlage" auf der Schulter,
dreht Uke ihn in "Biegelage", zeigt die Schneide wieder weg von
Tori... Dreht Uke den Arm nicht weg, läßt ihn sich aber trotzdem
nicht brechen (geht, wenn Hebelverhältnisse und Kraft günstig für Uke sind)
dann würde Uke mit steifem Arm über Toris Schulter "gekippt" werden.

Durch den steifen Arm hätte die Waffe wiederum etwas Abstand
zu Tori...

Sowie ich Klaus H. verstanden habe, lehrt er die vom Kodokan
modernisierte Variante der N-n-K, die
"Modernisierung" war wohl in den 60er od. 70er Jahren...

Speedy kann da vielleicht etwas genaueres zu sagen 8)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Beitrag von mops » 19.09.2006, 13:12

Hallo zusammen,
keine Ahnung wo eure Probleme liegen, aber die Go-No-Kata würde mich auch sehr interessieren.
Ich war letztens in Düsseldorf auf einem Lehrgang mit Yamamoto-Sensei und dort wurde zu Beginn ein Teil der Go-no-Kata gezeigt. (Ich sag' aber nicht von wem .... ^_^) . Leider wurde dort nicht mitgefilmt.
Daher auch meine Bitte: Wer etwas über diese Kata weiß oder an Material hat möchte mich doch bitte informieren. Danke schön.

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Go-No-Kata

Beitrag von Emmermacher » 12.10.2006, 12:59

Hallo Gemeinde.

Gibt es überhaupt Informationen über die Go-No-Kata (Ausführung der Techniken)? Sowiet ich im Web gelesen habe, gibt es wohl mehrere Versionen. Ein paar Bilder wären ja auch schon hilfreich.

Wir haben gestern Abend mal ein paar Techniken der Go-No-Kata gemacht (Allerdings ohne gleich Perfektion zu erstreben, das Ganze war mehr zum aufwärmen...).
Unser Trainer hat ein paar Techniken dieser Kata in einer ÜL-Fortbildung gelernt

Gruß

Dirk

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Beitrag von mops » 13.10.2006, 10:49

Hallöchen zusammen,
diese Kata scheint ja ziemlich mysteriös zu sein. Meine Anfrage beim Kodokan wurde u.a. wie folgt beantwortet:
"But, in regard to Go-no-kata, you have to be very careful to say that word, since Kodokan don't admit that Wasa officially."
Aha?_? Na, dann bin ich jetzt aber mal ganz, ganz vorsichtig.
Also, das was ich davon gesehen habe, fand ich eigentlich nur sehr interessant und spannend. Dementsprechend hoffe ich, dass sich dieser Beitrag noch ein wenig im Forum hält und noch mehr Infos bringt.

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Beitrag von tom herold » 13.10.2006, 11:29

... die in Go-no-Kata (in der authentischen Form) enthaltenen Techniken sind uns bekannt. Es geht aber um die Art und Weise der Ausführung (kannst du auch bei Neil Ohlenkamp nachlesen!).
Diese nämlich ist strittig. Werden die Wurftechniken nun durch Atemi-Waza eingeleitet oder nicht?
Und was, bitte sehr, versteht man unter "Koshi Kudaki" (= die Hüfte zerschmettern") als Technik gegen Hadaka-Jime im Stand?
Es gibt dazu etliche und z.T. sehr kontroverse Meinungen - aber eben nur das: Meinungen.
Im Kodokan lehrt ein einziger, uralter Meister namens Ochiai noch diese Kata.
Unter e-budo.com kann man seit viele Jahren nachlesen, wie ärgerlich nichtjapanische Judoka immer wieder darüber sind, daß Ochiai Sensei nur (ausgewählte) Japaner unterrichtet und Ausländer beharrlich abweist.
Dies bedenkend könnte man doch ins Grübeln kommen, wenn ein deutscher Judoka behauptet, während eines kurzen Aufenthaltes in Japan nicht nur zu Ochiai Sensei vorgedrungen zu sein, sondern von diesem auch in Go-no-Kata unterwiesen worden zu sein ...
Falls das stimmt: wunderbar! Dann aber her mit der Go-no-Kata - und bitte in der authentischen Form, denn "Selbstgemixtes" gibt es da seit etlichen Jahren zuhauf ...
Freundliche Grüße
Tom

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Beitrag von Speedy » 02.11.2006, 01:06

Naja, dann warten wir mal eine kleine rote Broschüre ab, mit den Übersetzungen von Sensei Ochiais Aufzeichnungen zur Go no Kata, der sie von Yoshiguki Kuhara, seinem verstorbenem Onkel, gelehrt bekommen hat. Dieser Onkel hat noch von Kano persönlich gelernt. Entstanden ist die Kata wohl 1887, aber genaue Aufzeichnungen gibt es nicht mehr.
Ich weiß nicht was im Judo Magazin stand, aber es war eine mehrköpfige Gruppe (ich glaube 8) deutscher Judoka, die einen Lehrgang zur Go no Kata bekommen haben.
Organisiert hat die kleine Reise Herr Steen, der ebenfalls sehr gute Kontakte nach Japan zum Kodokan hat.
Unterstützt wurde Toshiyasu Ochiai von Akiyama Sumiko und Tamiguchi Yutaka.
Grüßle
Speedy :dancing

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Beitrag von tom herold » 03.11.2006, 12:43

Na das ist doch endlich mal was Konkretes!!
Hurra, dann haben wir ja hoffentlich baldigst die Gelegenheit, unser Wissen über Go-no-Kata zu vervollständigen und eventuelle Fehler auszumerzen!!!
Jetzt aber her mit dem Broschürchen ... :D :welle

Freundliche Grüße
Tom

PS:Speedy, sag bloß, du hast zu dieser Gruppe Jûdôka gehört, die da im Kodokan ... (neidisch guck!!)
Tom

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Beitrag von Clonk » 03.11.2006, 13:57

Speedy hat geschrieben:Naja, dann warten wir mal eine kleine rote Broschüre ab, ...
Und wie lange noch? :riding
Gruß,
Clonk :winken

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Beitrag von Speedy » 04.11.2006, 12:34

Ich durfte den "Dummy" lesen. Es dürfte also nicht mehr allzulange dauern. Es wird aber erstmal nur eine geringe Auflagenzahl (500) geben, da die Übersetzer die Produktionskosten selbst tragen müssen und das Heft nur zum Selbstkostenpreis vertrieben werden darf.
Grüßle
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Beitrag von Judomax » 04.11.2006, 12:38

Kannst du uns mal ein bischen was schon erklären darüber wenn du schon den Dummy gelesen hast???
Es wird aber erstmal nur eine geringe Auflagenzahl (500) geben
das ist aber schade. :cry: Ich wette die gehen weg wie heiße Semmeln

Gruß Maxi
Judo ist in letzter Konsequenz -
der höchstwirksame Gebrauch,
von Körper und Geist zum Zweck,
sich zu einer reifen Persönlichkeit zu entwickeln
und somit einen Beitrag zum
wohlergehen der Welt zu leisten.

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