Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
Sono-Mama
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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Sono-Mama » 11.08.2016, 15:56

katana hat geschrieben: Wer als Kampfrichter zu doof ist, einen Konter gegen Hüftgriff zu erkennen, der wird damit wohl hoffnungslos überfordert sein.
Ja, diese Aussage beweist mal wieder, wie du über (alle) Kampfrichter denkst und ich wette, wenn die Regeln nach deinen Wünschen geändert werden würden und du dich auf die Matte stellen würdest, würdest du 0 Fehler machen und alle Weltkampfrichter, die es gibt, mit deinen Leistungen beschämen und in den Schatten stellen von den ganzen schlechten Bundes-, Gruppen-, Landes-, Bezirk-, Kreis- und Jugendkampfrichtern, die es gibt, kaum zu schweigen.

Ich stelle jetzt einfach mal die Behauptung auf, dass jeder Kari sein Bestes gibt und jeder, der sich einfach mal - selbst wenn es nur im Training ist - auf die Matte stellt, wird relativ schnell herausfinden, dass man nur mal 1 Meter weiter links oder rechts stehen muss und schon sieht eine Wertung oder ein möglicher Griff auf den Rücken oder wer zuerst gegriffen hat, gleich ganz anders aus. Ich weiß, dass dir sowas nicht passiert, da du ja der bist, der überall den Durchblick hat, aber für uns normale Judoka ist das so.

Und ja es gibt Fehlentscheidungen, aber die wird es immer geben, solange wir Menschen da ransetzen. Und vorallem im Jugendbereich werden halt vermehrt junge Kampfrichter (jung nicht vom Alter, sondern von der Erfahrung her) eingesetzt, dass die dort eben Erfahrung sammeln können.

Man könnte jetzt natürlich auch sagen: Wenn die Kinder über den Arm auf den Rücken greifen, obwohl sie ja wissen müssen, dass das verboten ist, sind sie anscheinend zu doof dafür... oder vielleicht deren Trainer, die es nicht auf die Reihe bekommen, eine einfache Regel, den Kindern zu vermitteln... :danke :rofl

Gruß Sono-mama
Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von katana » 11.08.2016, 16:10

UPDATE !!!
Karl Richard Frey tütet im Golden Score mit Ipponwertung ein.
Um Jupp nicht zu verärgern, erwähne ich diesmal nicht explizit, ... Daß er das mit dem Hüftgriff gemacht hat ! :rofl
KK

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von CasimirC » 11.08.2016, 16:29

Immer wieder spannend zu sehen, wie Vergleiche zwischen Äpfeln und Birnen doch erheiternd sein können ;)
Theorie: Wenn alle wissen, wie es geht, und es geht nicht.
Praxis: Wenn es geht, und keiner weiß, warum.

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Fritz » 11.08.2016, 16:34

Sono-Mama hat geschrieben:
katana hat geschrieben:Wer als Kampfrichter zu doof ist, einen Konter gegen Hüftgriff zu erkennen, der wird damit wohl hoffnungslos überfordert sein.
Ja, diese Aussage beweist mal wieder, wie du über (alle) Kampfrichter denkst und ich wette, wenn die Regeln nach deinen Wünschen geändert werden würden und du dich auf die Matte stellen würdest, würdest du 0 Fehler machen und alle Weltkampfrichter, die es gibt, mit deinen Leistungen beschämen und in den Schatten stellen von den ganzen schlechten Bundes-, Gruppen-, Landes-, Bezirk-, Kreis- und Jugendkampfrichtern, die es gibt, kaum zu schweigen.
Nein das beweist es nicht. Es ist nur eine einfache Wenn-Dann-Formulierung und keine Aussage: "Karis wären doof", sondern nur
die Feststellung/Befürchtugn: Wer jetzt Probleme hat mit der aktuellen Hüftgriff-Regel, wird dann vielleicht beim "Vorher-Ärmel-Kragen-Griff" auch Schwierigkeiten haben...
Sono-Mama hat geschrieben:Ich stelle jetzt einfach mal die Behauptung auf, dass jeder Kari sein Bestes gibt und jeder, der sich einfach mal - selbst wenn es nur im Training ist - auf die Matte stellt, wird relativ schnell herausfinden, dass man nur mal 1 Meter weiter links oder rechts stehen muss und schon sieht eine Wertung oder ein möglicher Griff auf den Rücken oder wer zuerst gegriffen hat, gleich ganz anders aus. Ich weiß, dass dir sowas nicht passiert, da du ja der bist, der überall den Durchblick hat, aber für uns normale Judoka ist das so.
Eben, und deshalb sind dies ganzen künstlichen Beschränkungen Unfug u. ohne diesen ganzen Kram macht es sogar Spaß, Kämpfe zu schiedsen und man hat genug damit zu tun, über die jeweils angemessene Wertung zu entscheiden ...
;-)
Sono-Mama hat geschrieben:Man könnte jetzt natürlich auch sagen: Wenn die Kinder über den Arm auf den Rücken greifen, obwohl sie ja wissen müssen, dass das verboten ist, sind sie anscheinend zu doof dafür... oder vielleicht deren Trainer, die es nicht auf die Reihe bekommen, eine einfache Regel, den Kindern zu vermitteln... :danke :rofl
Sowie ich das erlebe, sind sie nicht zu "doof" nicht über den Rücken zu greifen, sondern nur zu "doof" zu erkennen, wann sie es dann doch dürfen, was dann zu lächerlichem Armgekreise führt. Und Trainer sind sowieso "doof", da sie in der Regel ihre Freizeit opfern, um anderer Leute Kinder eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu ermöglichen, wohl wissend, daß der "Dank" dafür regelmäßig darin besteht, daß diese Kinder dann spontan was anderes toll finden und "weg sind" oder abgeschwächt, daß es immer das Judotraining u. Wettkampftermine sind, welche Hausaufgaben, Geb.feiern, Unpäßlichkeiten usw. usf. geopfert werden :-(
Mit freundlichem Gruß

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von katana » 11.08.2016, 17:03

sonomama hat geschrieben:Man könnte jetzt natürlich auch sagen: Wenn die Kinder über den Arm auf den Rücken greifen obwohl sie ja wissen müssen das das verboten ist, sind sie anscheinend zu doof dafür...oder vielleicht deren Trainer die es nicht auf die Reihe bekommen eine einfache Regeln den Kindern zu vermitteln... :danke :rofl
Daran sieht man, daß Du's selbst noch nicht begriffen hast, denn es geht hierbei nicht darum "über den Arm auf den Rücken zu greifen", sondern daß man bei einem Hüftangriff vom Gegner automatisch den Arm in einer unbeabsichtigt verbotenen Position hat. :alright
Vielleicht hast Du Glück, und es wird wieder geändert, bevor du es verstanden hast. :D
KK

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Sono-Mama » 11.08.2016, 17:20

katana hat geschrieben:
sonomama hat geschrieben:Man könnte jetzt natürlich auch sagen: Wenn die Kinder über den Arm auf den Rücken greifen obwohl sie ja wissen müssen das das verboten ist, sind sie anscheinend zu doof dafür...oder vielleicht deren Trainer die es nicht auf die Reihe bekommen eine einfache Regeln den Kindern zu vermitteln... :danke :rofl
Daran sieht man, daß Du's selbst noch nicht begriffen hast, denn es geht hierbei nicht darum "über den Arm auf den Rücken zu greifen", sondern daß man bei einem Hüftangriff vom Gegner automatisch den Arm in einer unbeabsichtigt verbotenen Position hat. :alright
Vielleicht hast Du Glück, und es wird wieder geändert, bevor du es verstanden hast. :D
KK
1. Ich habe das 100%ig verstanden :rofl Anscheinend hast du es nicht ganz verstanden... Denn die Aussage bei einem Hüftangriff vom Gegner automatisch den Arm in einer unbeabsichtigten verbotenen Position hat, ist schlicht weg falsch

2. Meine Aussage bleibt bestehen :danke

3. Aussage ist überspitzt in der Hoffnung, dass jemand auf den Zug aufspringt :danke
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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von troi » 12.08.2016, 20:35

Zu denen die mir Lügen unterstellen: Das Training mit Ole Bischof war Bodenrandori im Rahmen eines Judoseminars. Auch wenn es sich blöd anfühlt, wenn das Weltbild erschüttert wird: Bischof war und ist am Boden bestenfalls Mittelmaß. Es fiel nur damals keinem auf, weil das Niveau vor ca. 6 Jahren allgemein recht niedrig war. Ich würde ihn irgendwo zwischen spätem Weissgurt und frühem Blaugurt einordnen. Jeder der behauptet, dass Bischof zur Elite gehört, offenbart damit nur, dass er selber keinerlei Kompetenz am Boden besitzt und die Situation entsprechend nicht richtig einschätzen kann.

Übrigens: Travis Stevens, Kayla Harrison und Raffaela Silva, die alle zur Vorbereitung auf Olympia sehr viel BJJ crosstrainiert haben, schaffen es komischerweise alle aufs Treppchen. Der Japanische Judoverband bedankt sich sogar bei den BJJlern, die mit ihren Athleten für Olympia trainiert haben und ist der Meinung, dass das bessere Abschneiden der Japaner u.a. darauf zurückzuführen ist.

Und Frankreich, wo man in den letzten Jahren intensiv versucht hat, den Einfluss des BJJs auf das Judo zurückzudrängen? Schließt merkwürdigerweise dieses Mal deutlich schlechter ab als sonst. Alles reiner Zufall.

Also, freut euch schön über unsere Bronzemedaille und schmiedet weiter im Elfenbeinturm an neuen POs und Erlässen, die das schöne deutsche Judo noch weiter nach vorne bringen. Aber beschwert euch dann nicht oder beschimpft andere als Lügner, wenn andere Sportarten auf eurem Gebiet besser werden als ihr und der DJB in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Von meiner Seite aus Glückwunsch an die USJF und insbesondere an Jimmy Pedro, der die Zeichen der Zeit richtig gedeutet hat und das Judo wieder in die richtige Richtung treibt.

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Asterix » 12.08.2016, 23:18

troi hat geschrieben:Von meiner Seite aus Glückwunsch an die USJF und insbesondere an Jimmy Pedro, der die Zeichen der Zeit richtig gedeutet hat und das Judo wieder in die richtige Richtung treibt.
Dem kann ich nur zustimmen. Das war auch deutlich in einigen entscheidenen Szenen zu sehen. :)

Jeder, der ein wenig BJJ trainiert, wird bestimmte Muster erkannt haben, z.B. auch im Kampf Luise Malzahn gegen Anamari Velensek. Es ist zu sehen, dass Anamari zumindest ein wenig ins BJJ reingeschnuppert hat. Slowenien ist ja in der Szene auch nicht unbedingt ganz unbekannt.

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von tutor! » 13.08.2016, 01:07

Asterix hat geschrieben:
troi hat geschrieben:Von meiner Seite aus Glückwunsch an die USJF und insbesondere an Jimmy Pedro, der die Zeichen der Zeit richtig gedeutet hat und das Judo wieder in die richtige Richtung treibt.
Dem kann ich nur zustimmen. Das war auch deutlich in einigen entscheidenen Szenen zu sehen. :)

Jeder, der ein wenig BJJ trainiert, wird bestimmte Muster erkannt haben, z.B. auch im Kampf Luise Malzahn gegen Anamari Velensek. Es ist zu sehen, dass Anamari zumindest ein wenig ins BJJ reingeschnuppert hat. Slowenien ist ja in der Szene auch nicht unbedingt ganz unbekannt.
Sorry, dass ich widerspreche, aber weder das eine, noch das andere hat etwas mit BJJ zu tun....

Ich habe die entsprechenden Kämpfe gesehen und habe keine einzige Technik gesehen, die nicht im Judo bekannt waren, bzw, auf Meisterschaften angewendet wurden, bevor der Hype um BJJ begann. Das ist alles uralte Judoschule, noch nicht einmal auf der technischen Ebene seit den 1970/80er Jahre weiterentwickelt.

Was ich wohl beobachtet habe ist, dass die Kampfrichter Bodenkampfsituationen vollkommen zurecht länger haben laufen lassen, als das in der Vergangenheit oft der Fall war. Wer ein solches Kampfrichterverhalten antizipiert hat und verstärkt Bodenkampf trainiert hat, hat insofern alles richtig gemacht. Diese Entwicklung sehe ich ausgesprochen positiv, jedoch hat das nun wirklich nichts mit BJJ zu tun, sondern mit einer gewachsenen Kompetenz und Einstellung der Kampfleitung durch die Kampfrichter. Eine ganze Reihe von Kämpfern, die letztlich am Boden verloren haben, hat ganz offensichtlich nicht damit gerechnet, dass die Kampfrichter so lange haben laufen lassen.

Im Judowettkampf ist es von entscheidender Bedeutung, bereits im Übergang Stand-Boden den Einstieg zu einer Bodentechnik zu finden und aus dieser Situation aufbauend ohne nachzulassen, den Punkt zu machen. Auf Aktionen des Gegners zu lauern, um diese dann für sich ausnutzen können (wie beim BJJ), ist kaum eine Option im Judo-Wettkampf, da dies voraussetzt, dass beide den Punkt am Boden suchen. Faktisch sieht es aber meist so aus, dass:
a) bei Gleichstand keiner der beiden Zeit von der Uhr nehmen möchte, weil sich dies nach hinten heraus rächen könnte. Bei Gleichstand kämpfen in der Regel nur ausgesprochene Bodenspezialisten konsequent am Boden.
b) der Führende möglichst ohne Risiko Zeit von der Uhr nehmen möchte und nur dann konsequent am Boden nachgeht, wenn er sicher ist, dass er nicht am Boden gekontert wird. Oft werden eher Scheinaktivitäten gemacht, die im Prinzip nur Zeitschinden sind.
c) der im Rückstand Liegende möglichst schnell eine Kampfunterbrechung erreichen möchte, damit ihm die Zeit nicht davon läuft, es sei denn, er hat eine gute Ausgangsposition und das nötige Zutrauen, den Punkt auch zu machen. Wenn ich aber in Rückstand liegend auf eine Kampfunterbrechung warte, darf ich nicht aktiv sein, weil dann der KR den Bodenkampf länger laufen lässt. Hier haben sich einige taktisch verzockt...

Die KR sind nicht zu beneiden, denn sie müssen erkennen, welche Absicht hinter dem Kampfverhalten steckt. Sobald erkennbar ist, dass beide nicht konsequent am Boden arbeiten wollen, und/oder mindestens einer Zeit schinden möchte, müssen sie eingreifen. Dies zu erkennen ist ausgesprochen schwierig. Würde man die Kampfzeit verdoppeln - was bei der physischen Ausbildung heutiger Wettkämpfer kein Problem darstellen sollte, würde sich übrigens auch das Kampfverhalten ändern, da weniger Zeitdruck entsteht (bis in die 1970er Jahre Kämpften die Männer übrigens 10 min). Bei den großen TN-Feldern bei internationalen Wettkämpfen ist dies aber wohl eher keine Option.

Zurück zum BJJ. Die Frage, ob Crosstraining in anderen Kampfsportarten dennoch sinnvoll, vielleicht sogar notwendig ist, ist allerdings auch eine Frage der Begebenheiten vor Ort. In den USA gibt es z.B. ausgesprochen wenig Judoka, aber gleichzeitig große Entfernungen. Dort muss anders gearbeitet werden als in Ländern mit einer größeren Dichte an Judoka, wie z.B. in Frankreich oder Deutschland. Die USA haben im Prinzip kein Fördersystem, sondern eine extrem kleine Gruppe von Individualisten, die jede Chance nutzen müssen, sich zu verbessern. Crosstraining ist dabei sicherlich eine Variante, weil es die Basis der Trainingspartner vergrößert.

Ob man in Deutschland vor dem Hintergrund größerer internationaler Erfolge in der Ausbildung und im Leistungstraining mehr Wert auf den Bodenkampf legen sollte, möchte ich nicht beurteilen. Dazu kenne ich die Statistiken nicht. Hält der Trend an, dass Bodenkampfsituationen länger laufen dürfen, wäre dies jedoch sicherlich sinnvoll.

Im Sinne einer breiteren Grundausbildung halte ich es allerdings für geboten.
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Fritz » 13.08.2016, 11:13

tutor! hat geschrieben:Was ich wohl beobachtet habe ist, dass die Kampfrichter Bodenkampfsituationen vollkommen zurecht länger haben laufen lassen, als das in der Vergangenheit oft der Fall war. Wer ein solches Kampfrichterverhalten antizipiert hat und verstärkt Bodenkampf trainiert hat, hat insofern alles richtig gemacht. Diese Entwicklung sehe ich ausgesprochen positiv, jedoch hat das nun wirklich nichts mit BJJ zu tun, sondern mit einer gewachsenen Kompetenz und Einstellung der Kampfleitung durch die Kampfrichter. Eine ganze Reihe von Kämpfern, die letztlich am Boden verloren haben, hat ganz offensichtlich nicht damit gerechnet, dass die Kampfrichter so lange haben laufen lassen.
Wobei es mit bei den Kämpfen, welche ich aus Rio gesehen hatte, doch so vorkam, als ob die KaRis den Bodenkampf deutlich zügiger abgebrochen hatten, als bspw. in einigen Qualifikations-Turnieren
davor. Leider.
tutor! hat geschrieben:Ich habe die entsprechenden Kämpfe gesehen und habe keine einzige Technik gesehen, die nicht im Judo bekannt waren, bzw, auf Meisterschaften angewendet wurden, bevor der Hype um BJJ begann. Das ist alles uralte Judoschule, noch nicht einmal auf der technischen Ebene seit den 1970/80er Jahre weiterentwickelt.
Naja, daß BJJ im Grunde eine Seitenlinie vom Judo ist, ist ja mittlerweile sehr bekannt. Rein auf die Techniken bezogen, gibt es keinen großen Unterschied,
mal von der Benennung abgesehen und davon, daß inzwischen Nichtellbogen-Hebel im Judo doch recht kurz kommen, wegen weil im Wettkampf nicht erlaubt.
Der Unterschied zwischen BJJ-Bodenkampf und Judo-Bodenkampf liegt tatsächlich eher in Technik-Details bzw. in der Art, wie die Techniken herausgearbeitet werden.

Und da ist in der Tat sehr erfreulich zu sehen, daß aus der Seitenlinie BJJ wieder so einiges ins Judo zurückfließt. Wie gesagt, in der Herangehensweise und in den Details ...
Andersrum, bei den Tachi-Waza gibt es das ja auch.
Mein Eindruck ist, daß BJJler am Boden deutlich mehr "Schach" spielen, als wir, obwohl wir eigentlich diegleichen Figuren und Zugregeln benutzen ...
tutor! hat geschrieben:Im Judowettkampf ist es von entscheidender Bedeutung, bereits im Übergang Stand-Boden den Einstieg zu einer Bodentechnik zu finden und aus dieser Situation aufbauend ohne nachzulassen, den Punkt zu machen. Auf Aktionen des Gegners zu lauern, um diese dann für sich ausnutzen können (wie beim BJJ), ist kaum eine Option im Judo-Wettkampf, da dies voraussetzt, dass beide den Punkt am Boden suchen. Faktisch sieht es aber meist so aus, dass:
a) bei Gleichstand keiner der beiden Zeit von der Uhr nehmen möchte, weil sich dies nach hinten heraus rächen könnte. Bei Gleichstand kämpfen in der Regel nur ausgesprochene Bodenspezialisten konsequent am Boden.
b) der Führende möglichst ohne Risiko Zeit von der Uhr nehmen möchte und nur dann konsequent am Boden nachgeht, wenn er sicher ist, dass er nicht am Boden gekontert wird. Oft werden eher Scheinaktivitäten gemacht, die im Prinzip nur Zeitschinden sind.
c) der im Rückstand Liegende möglichst schnell eine Kampfunterbrechung erreichen möchte, damit ihm die Zeit nicht davon läuft, es sei denn, er hat eine gute Ausgangsposition und das nötige Zutrauen, den Punkt auch zu machen. Wenn ich aber in Rückstand liegend auf eine Kampfunterbrechung warte, darf ich nicht aktiv sein, weil dann der KR den Bodenkampf länger laufen lässt. Hier haben sich einige taktisch verzockt...
Das ist alles richtig und beschreibt sehr schön, den im Grunde negativen Einfluß vom IJF-Regelsystem. Ich würde mir beim Judo wünschen, daß man den Kämpfer auch noch die Zeit zum Kontern und bzw. zum Durchtesten von Alternativen gibt.
Andererseits vom real-kämpferischen Standpunkt ist der Ansatz: Runterbringen und am Boden "erledigen", nur wenn minimales Eigenrisiko besteht, durchaus auch plausibel.

Was das Problem von uns Vereinsjudoka ist, ist natürlich die Diskrepanz zwischen Trainings-Wirklichkeit und Wettkampfwirklichkeit.
Bzw. so ausgedrückt: Nur üben: Wurf -> Griffansatz [ -> Griffvereitlung ] ist eher langweilig bis "unbefriedigend". Also kullert man sich doch am Boden rum
und beweist in der Regel dort eine gewisse Phantasielosigkeit im Vergleich zu BJJ-Bodenrandoris. Und hier glaube ich gern, daß evt. auch ein Ole B. dann Defizite
aufweist ...
tutor! hat geschrieben:Zurück zum BJJ. Die Frage, ob Crosstraining in anderen Kampfsportarten dennoch sinnvoll, vielleicht sogar notwendig ist, ist allerdings auch eine Frage der Begebenheiten vor Ort. In den USA gibt es z.B. ausgesprochen wenig Judoka, aber gleichzeitig große Entfernungen. Dort muss anders gearbeitet werden als in Ländern mit einer größeren Dichte an Judoka, wie z.B. in Frankreich oder Deutschland. Die USA haben im Prinzip kein Fördersystem, sondern eine extrem kleine Gruppe von Individualisten, die jede Chance nutzen müssen, sich zu verbessern. Crosstraining ist dabei sicherlich eine Variante, weil es die Basis der Trainingspartner vergrößert.
Nun ja, es wurde in den Vorbeiträgen auch von Brasilien und Japan geredet.
Ich denke, ein spartenübergreifendes Training könnte auch unseren Athleten sehr zu gute kommen. Da intensive Bodenarbeit auch konditionell sehr schlaucht, halte ich dort angelegte
Zeit für deutlich sinnvoller investiert, als in reinen Ausdauertrainingseinheiten.
Mich persönlich hatte bspw. ein Trainingsvideo von Luise Malzahn sehr verwundert, wo sie ihre Trainingswoche zusammengefaßt hat und in den ca 25 Sek. Video waren nur ca 2 Sek. Judo zu sehen.

Jedenfalls bin ich gespannt, welche Regeländerungen sich die IJF jetzt nach den Spielen ausdenken wird.
Ob Beingreifer wieder erlaubt werden? Immerhin hängen sie sich auch ohne Beingreifer immer noch abgebeugt aufeinander ...
Oder wird es weitere Technikverbote geben, um die technische Vielfalt zu erhöhen :evil: ?
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Asterix » 13.08.2016, 12:15

Fritz hat geschrieben:
tutor! hat geschrieben:Ich habe die entsprechenden Kämpfe gesehen und habe keine einzige Technik gesehen, die nicht im Judo bekannt waren, bzw, auf Meisterschaften angewendet wurden, bevor der Hype um BJJ begann. Das ist alles uralte Judoschule, noch nicht einmal auf der technischen Ebene seit den 1970/80er Jahre weiterentwickelt.
Naja, daß BJJ im Grunde eine Seitenlinie vom Judo ist, ist ja mittlerweile sehr bekannt. Rein auf die Techniken bezogen, gibt es keinen großen Unterschied,
mal von der Benennung abgesehen und davon, daß inzwischen Nichtellbogen-Hebel im Judo doch recht kurz kommen, wegen weil im Wettkampf nicht erlaubt.
Der Unterschied zwischen BJJ-Bodenkampf und Judo-Bodenkampf liegt tatsächlich eher in Technik-Details bzw. in der Art, wie die Techniken herausgearbeitet werden.

Und da ist in der Tat sehr erfreulich zu sehen, daß aus der Seitenlinie BJJ wieder so einiges ins Judo zurückfließt. Wie gesagt, in der Herangehensweise und in den Details ...
@Tutor: Besser als Fritz hätte ich es nicht zusammenfassen können. Klar gibt es diese Techniken seit hundert Jahren im Judo. Aber wo, in welchem Verein, werden sie denn so vermittelt? Und warum sieht man bei einigen Nationen so wenig davon und in anderen Nationen (wo man weiß, dass BJJ stärker als in Deutschland ist) sieht man solche Techniken plötzlich in Olympiakämpfen? Dass Luise Malzahn ihrer Gegnerin im Boden unterlegen war, kann man ja nun auch nicht wirklich wegdiskutieren. Sie tappt halt zweimal in eine aufgestellte Falle hinein... Wobei das keine Globalkritik an unserer Kämpferin sein soll. Ich ziehe vor ihrer Leistung den Hut!

Was mir im (Breitensport-)Judo fehlt, sind oft die Details. Was bringt mir ein Juji-Gatame, der aus immer der selben Position immer ähnlich bedenklich vermittelt wird. Macht man einmal eine andere Variante, gibt es große Augen und zum Teil auch Diskussionen um die Technik.

Aus dem eigenem persönlichen Training kann ich nur über die Erfahrung berichten, dass es gerade die Details aus dem BJJ waren, die mich dann wirklich weiter gebracht haben. Einen einigermaßen passablen Juji-Gatame kriegte ich seit Jahren hin. Spielen kann ich mit der Technik, bzw. dem Prinzip, seitdem ich mich eine ganze Weile mit den Details beschäftigt habe. Zugegebenerweise ist das Training diese Details eher langweilig. Aber es lohnt sich.

Auf jeden Fall freue ich mich, dass es hier und auch international vermehrt Crosstraining zwischen BJJ und Judo gibt. Und ich hoffe, dass ich in Zukunft viele dieser "reimportierten" Sachen in Wettkämpfen sehen kann. Ganz nebenbei steht ja Jimmy Pedro ganz offen zum Crosstraining. Es gibt übrigens von ihm gemeinsam mit Travis Stevens eine schöne DVD-Serie, wo sie Wurftechniken für BJJler aufarbeiten. Wer die Serie nicht kennt... reinschauen lohnt.

PS.: Ich rede hier über Judo als Breitensport. Was in den Olympiastützpunkten trainiert wird, kann ich nicht beurteilen.

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von katana » 13.08.2016, 12:33

Ich kann tutors Ausführung in Bezug auf Judo durchaus unterstreichen.
In Bezug auf BJJ liegt er jedoch leider falsch.
Wer in beiden Welten zuhause ist, sieht natürlich ganz klar, wann BJJ-Einflüsse im Judowettbewerb auftauchen.
Vielleicht sollte ich zum allgemeinen Verständnis die von Fritz angesprochenen kleinen Details mal beispielhaft „auf Judo“ übersetzen.
Beispiel:
Wenn wir als wettkampfkundige Judoka sehen, wie Tori optisch aktiv Uke zum Mattenrand taktieren möchte, um ihn dann mit einer kleinen Schiebeaktion „hinauszustellen“, ohne selbst dabei zu folgen,
wissen wir alle, was da judo-WK-spezifisch passiert. Auch wenns nicht funktioniert.
Für jeden neutralen Betrachter ist das Ganze jedoch absolut nicht auf der Wahrnehmungsebene.
Genauso ist es, wenn man „auf BJJ“ denken kann.
Ich habe mich diesbezgl. als Olympia-Zuschauer oft bei einem Schmunzeln ertappt.
Und auch hier ein ganz klares JA !!!, es hätte dem Einen oder der Anderen eine Niederlage im Boden erspart, wenn sie sich mit Grapplingstrategien beschäftigt hätten. :oops:

Nichtsdestotrotz muß man aber auch ganz klar sagen, daß es im BJJ ebenfalls Regelunsinnigkeiten gibt, die zu
völlig blödsinnigen Verhaltensweisen geführt haben. ( :irre „Anspringen in die Guard“, um ein Bsp. zu nennen, weil Slammen/Daki Age verboten ist)

Was ich aber immer mit einem gewissen Schmerz verdauen muß, sind Aussagen bezgl. der Qualitäten von BJJlern in Bezug auf die Gürtelfarbe.
Dazu muß man natürlich wissen, daß BJJ-Wettkämpfe nach Gurtklassen abgehalten werden.
Hier gibt es eine schon oft diskutierte Fehlentwicklung dahingehend, daß sich Bodenkampf-„Profis“ oft jahrelang, einige sogar jahrzehntelang in den Weiß-und Blauklassen tummeln, um den Aufstieg in die höheren Wettkampfebenen zu vermeiden.
Ich kenne sogar einen Fall, bei dem jemand aus diesem Grund„ zwangsgraduiert“ wurde.
Daß hier ein Judoka auch gegen „Weiß“ oder „Blau“ verlieren kann/muß, ist daher kein Grund zur Verwunderung.
Jedes Reglement hat also auch seine Schattenseiten. :dontknow

Um aber themakonform nochmal auf den Hüftgriff O-Goshi/Uki-Goshi zurückzukommen. (bevor Jupp mich wieder schimpft :oops: )
So ist gerade BJJ ein treffliches Beispiel, wo gerade diese Eindrehtechnik absoluten Vorrang hat,
da Uke hier nicht hinter Tori gelangen kann. Alle anderen Eindrehtechniken grenzen an Selbstmord.
Frei nach dem früheren DJB-Leitspruch: “Wer eindreht, verliert“. ;)
kk

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von tutor! » 13.08.2016, 13:08

Asterix hat geschrieben: (...) PS.: Ich rede hier über Judo als Breitensport. Was in den Olympiastützpunkten trainiert wird, kann ich nicht beurteilen.
Eben... einer der anerkannt weltbesten Bodenkämpfer im internationalen Judo - Dimtri Peters - kommt aus Deutschland. Andy Tölzer gehörte auch zu den besten Bodenkämpfern im Weltjudo, genauso wie Richard Trautmann, der ja als Trainer im DJB tätig ist.

Die Schere zwischen denen, die "nur" im Verein trainieren und jenen, die hauptsächlich in den Stützpunkten trainieren, ist gewaltig - im Stand wie im Boden. Wenn jemand in seinem Vereinsumfeld feststellt, dass wichtige technische Details dort nicht vermittelt werden, dann glaube ich das unbesehen. Dem sogenannten Judo-Breitensport ist vielfach die Liebe und Hingabe zu technischen Details abhanden gekommen. Diese Entwicklung, die ich natürlich auch beobachte, finde ich absolut bedauernswert und es tut mir leid für die Betroffenen. Wenn an anderer Stelle hilfreiche Ressourcen vorhanden sind, dann ist das wunderbar für diejenigen, die sich diesen Ressourcen gegenüber öffnen.

Ich selbst bin jedoch seit Jahrzehnten regelmäßig (=wöchentlich) an Stützpunkten und habe ein sehr genaues Bild von der Trainingsarbeit dort. Sicherlich hätte ich auch einige Anmerkungen zu machen, was aus meiner Sicht noch alles sinnvoll wäre. Letztlich gibt es aber bei der Umsetzung immer dasselbe Problem: für alles, was zusätzlich trainiert wird, muss etwas anderes entfallen, denn auch für Profis hat der Tag nur 24 Stunden und die Zeit für das Training ist begrenzt, sodass Schwerpunkte gesetzt werden müssen.

Das eigentliche Thema des Fadens war allerdings ein anderes, das jedoch genau hier anschließt. Die Nachwuchstrainer des DJB haben einen Vorschlag gemacht, wie die Voraussetzungen, mit denen die jungen Sportler an die Stützpunkte kommen, angeglichen werden sollen. Die gemeinsame Basis soll eine "nationale Grundkampfkonzeption" sein, die mit Hilfe von Sonderregeln in der Breite implementiert werden soll. Man kann nun trefflich darüber streiten, ob die angedachte Grundkampfkonzeption in der ausgearbeiteten Form zielführend ist, genauso wie man trefflich darüber streiten kann, ob Sonderregeln hilfreich oder hinderlich bei der Implementierung sind.

Das Problem, das gelöst werden soll, kann man aber nur schwer wegdiskutieren: das Training an der sogenannten breitensportlichen Basis ist wenig anschlussfähig an das Training in den Stützpunkten, wo darauf aufgebaut werden soll. Hier ist zu viel aufzuarbeiten, was in der Grundausbildung längst hätte grundgelegt werden sollen und müssen. Es ist, als ob jede Grundschule eigene Vorstellungen von Inhalten und von Qualität Ihres Unterrichts hätte - die weiterführenden Schulen würden enorme Zeit damit verschwenden, eine gemeinsame Basis für die weitere Trainingsarbeit aufzubauen (der Schulwechsel nach Klasse 4 und die erforderliche Angeleichung in den neu gebildeten Klassen ist einer der Gründe für eine verzögerte Leistungsentwicklung in den weiterführenden Schulen und damit für die eher schwächeren Ergebnisse der weiterführenden Schulen bei PISA und Co.).

Es gibt leider keine (oder kaum noch) übergreifende Vorstellungen von dem, was "gutes Judo" ist. Wir brauchen aber gerade einen breiten Konsens über einen Referenzrahmen "gutes Judo" gerade für den sogenannten Breitensport. Diesen brauchen wir nicht nur um der Anschlussfähigkeit zum Leistungssport hin, sondern als Qualitätsrichtlinie für den ureigensten Bereich.

Schaffen wir diese nicht, wird es immer mehr Leute geben, die das, was der Breitensportverein nicht schafft, woanders suchen (müssen). In einem anderen Verein oder sogar in einer anderen Sportart.
Katana hat geschrieben:Ich kann tutors Ausführung in Bezug auf Judo durchaus unterstreichen.
In Bezug auf BJJ liegt er jedoch leider falsch.
Wer in beiden Welten zuhause ist, sieht natürlich ganz klar, wann BJJ-Einflüsse im Judowettbewerb auftauchen.
Dem muss ich in dem Fall entgegen halten, dass diejenigen, die schon in den 1980er Jahren mit Adams, Kashiwazaki und Co. Judo gemacht haben, erkennen, dass diese Dinge schon im Judo vorhanden waren, bevor BJJ in Europa angekommen war....
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)

katana
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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von katana » 13.08.2016, 14:15

Tutor hat geschrieben:Dem muss ich in dem Fall entgegen halten, dass diejenigen, die schon in den 1980er Jahren mit Adams, Kashiwazaki und Co. Judo gemacht haben, erkennen, dass diese Dinge schon im Judo vorhanden waren, bevor BJJ in Europa angekommen war....
Umso mehr schade, daß "diejenigen" nichts damit anfangen konnten. Denn die Entwicklung des Judobodenkampfes kann man nur als katastrophal bezeichnen. (wenige Ausnahmen bestätigen die Regel)
"Diese Dinge" waren übrigens auch schon vorhanden, bevor ein gewisser Kano das unter "Judo" gesammelt hat.
Deshalb heißt es ja auch "Brazilian JIu JItsu" und nicht "Brazilian Judo".
Und zuvor hieß es allerwelts noch hunderttausendfach anders.
Was mir klar zeigt, daß Du nicht verstanden hast, wovon einige hier sprechen, wenn sie (heutige)BJJ-Einflüsse im (heutigen) Judowettkampf erkennen.
kk

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Fritz
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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Fritz » 13.08.2016, 14:42

tutor! hat geschrieben:Die Schere zwischen denen, die "nur" im Verein trainieren und jenen, die hauptsächlich in den Stützpunkten trainieren, ist gewaltig - im Stand wie im Boden. Wenn jemand in seinem Vereinsumfeld feststellt, dass wichtige technische Details dort nicht vermittelt werden, dann glaube ich das unbesehen. Dem sogenannten Judo-Breitensport ist vielfach die Liebe und Hingabe zu technischen Details abhanden gekommen. Diese Entwicklung, die ich natürlich auch beobachte, finde ich absolut bedauernswert und es tut mir leid für die Betroffenen. Wenn an anderer Stelle hilfreiche Ressourcen vorhanden sind, dann ist das wunderbar für diejenigen, die sich diesen Ressourcen gegenüber öffnen.
Naja, evt. kann Asterix da evt. noch einen "Schwank" beisteuern, bzgl. Grundlagen-Wissen und einer ehemaligen Olympia-Siegerin...

Fakt ist eins, die Leistungssportler u. ihre Trainer in den Stützpunkte sind sicher sehr gut in dem, was sie tun, aber ich behaupte, nahezu alle werden aber nicht in der Lage oder willens sein,
ihr Wissen dafür zu nutzen, um im Verein Grundlagen-Arbeit zu leisten. Vieles was ein guter Leistungssportler macht, ist ihm gar nicht bewußt, warum er es macht und
wenn er dann Techniken erklärt, dann fehlen evt. gerade diese instinktiven Sachen - hab ich oft genug auf Judosommerschulen erlebt ...

(Und die Leute sind bei den Sommerschulen immer wie blöd zu den "Sternchen" gerannt, um die x-te Variante von Ko-Uchi-Gari/Uchi-Mata od. Seoi-Nage zu lernen und die
Judolehrer, welche ein Lehrsystem hatten, was echte Grundlagen vermittelt, hatten in der Regel kleine oder halbleere Matten ...
Mir ist immer noch die letzte Sommerschule mit Alain Cartigny in Erinnerung, wo dieser detailliert und umfassend Okuri-Eri-Jime
vermittelt hat - an den Tagen wurde mir so einiges schlagartig klar und ich begann mich spontan zu ärgern über die Prioritäten, welche ich bzgl der Unterrichtseinheiten
in den Sommerschulen davor gesetzt hatte - da hab ich dann auch verstanden, warum der eine Japaner (k.A. wie er hieß), der bei meiner ersten Sommerschule-Teilnahme das Pech hatte, daß
N. Fairbrother u. M. Blasco mit als Referentinnen gebucht waren, in seiner ersten Trainingeinheit Grundlagen-Sachen (ich glaub es ging mit Bewegen auf der Matte los)
vermitteln wollte - mit der Konsequenz, daß er danach kaum noch Leute auf der Matte hatte ... )
tutor! hat geschrieben:Das eigentliche Thema des Fadens war allerdings ein anderes, das jedoch genau hier anschließt. Die Nachwuchstrainer des DJB haben einen Vorschlag gemacht, wie die Voraussetzungen, mit denen die jungen Sportler an die Stützpunkte kommen, angeglichen werden sollen. Die gemeinsame Basis soll eine "nationale Grundkampfkonzeption" sein, die mit Hilfe von Sonderregeln in der Breite implementiert werden soll. Man kann nun trefflich darüber streiten, ob die angedachte Grundkampfkonzeption in der ausgearbeiteten Form zielführend ist, genauso wie man trefflich darüber streiten kann, ob Sonderregeln hilfreich oder hinderlich bei der Implementierung sind.
So jetzt habe mir mal die Mühe gemacht, nachdem mir aufgefallen ist, daß ich zum Thema "nationale Grundkampfkonzeption" bis auf das unsägliche Uki/O-Goshi-Verbot eigentlich noch nichts gelesen habe, was mir in Erinnerung blieb, mal zu suchen und da hab ich dann das gefunden:
http://www.judobund.de/fileadmin/_horus ... 281%29.pdf
(Und einen Verweis auf JM 05/15, was ich aber gerade nicht mehr auffinde, wird vielen so gehen)
Und das soll jetzt Vereins-Trainer befähigen, ganz tolle Judoka hervorzubringen, die nahtlos in den Leistungssport-Bereich wechseln können? Ernsthaft?
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Asterix » 13.08.2016, 14:54

tutor! hat geschrieben:Dem muss ich in dem Fall entgegen halten, dass diejenigen, die schon in den 1980er Jahren mit Adams, Kashiwazaki und Co. Judo gemacht haben, erkennen, dass diese Dinge schon im Judo vorhanden waren, bevor BJJ in Europa angekommen war....
Tja und wo sind die Dinge denn heute? Sie sind von den meisten vergessen... also gilt es diese neu zu entdecken. ;)

Über die vergessenen Details zurück zum Thema Grundkampfkonzeption. Ich persönlich halte die Beschneidung der Techniken, also das weitere gesteuerte Vergessen von Details, für problematisch. Nichts was einmal entfernt wurde, lässt sich zu 100% wieder einfügen. Ist wie bei den Steuern, nur umgedreht. Einmal da und nie wieder weg. ;)

Es ist immer besser, die Leute per Überzeugung zu führen, als per typisch deutschem Dekret. Ich denke auch, dass das Kind schon viel früher in den Brunnen gefallen ist. Das beginnt bei der Aus- und Weiterbildung der Trainer und geht nahtlos in die etwas unglückliche Kyu-Prüfungsordnung über, die wir zur Zeit haben.

Warum, zum Beispiel, gibt es vom DJB keine "Technik der Woche" als Veröffentlichung? Je ein kleiner Film für Stand und Boden, 5-10 Minuten, unaufwendig produziert, wo die eine oder andere Lehrkraft mal auf eine Technik in allen Details nach den Wünschen des DJB eingeht. Fertiggestellt und ab das Zeug auf Youtube oder die Facebookseite des DJB oder gar hier ins Forum. Das wäre aus meiner Sicht doch mal eine Unterstützung der Trainer. Dort könnte man ganz gezielt auf Verhaltensweisen positiv Einfluss nehmen, ohne die Verbotskeule zu schwingen oder tausende Seiten Papier zu produzieren, die sowieso keiner liest.

Ich würde sowas sofort abonnieren!

Jetzt aber bitte keine K.O.-Argumente bringen, wie z.B. zu hohe Kosten oder Aufwand. Das kriegen andere Verbände und sogar einige private Schulen (z.B. USA, Polen, ...) doch auch hin. Kamera draufhalten, erklären, kleinen Trailer dran und fertig. Auch jetzt bitte nicht mit der Technikserie aus dem Judomagazin oder der Kyu-DVD kommen. Wir leben im 21. Jahrhundert und haben das Web 2.0 schon fast wieder überholt. Sowas muss leben, man muss Fragen stellen können, Antworten bekommen und es muss Bezug auf aktuelle Entwicklungen haben. Zum Beispiel die vergessenen Techniken erklären, die es unseren Olympioniken so schwer gemacht haben. ;)

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Asterix » 13.08.2016, 15:01

Fritz hat geschrieben:Naja, evt. kann Asterix da evt. noch einen "Schwank" beisteuern, bzgl. Grundlagen-Wissen und einer ehemaligen Olympia-Siegerin...
Fritz, ich werd' mich hüten. ;) Aber das war ein Lehrbeispiel für den geschönten Blick aus dem Elfenbeinturm, wo die Realitäten an der Basis komplett ignoriert wurden.
Fritz hat geschrieben:(Und die Leute sind bei den Sommerschulen immer wie blöd zu den "Sternchen" gerannt, um die x-te Variante von Ko-Uchi-Gari/Uchi-Mata od. Seoi-Nage zu lernen und die
Judolehrer, welche ein Lehrsystem hatten, was echte Grundlagen vermittelt, hatten in der Regel kleine oder halbleere Matten ...
Mir ist immer noch die letzte Sommerschule mit Alain Cartigny in Erinnerung, wo dieser detailliert und umfassend Okuri-Eri-Jime
vermittelt hat - an den Tagen wurde mir so einiges schlagartig klar und ich begann mich spontan zu ärgern über die Prioritäten, welche ich bzgl der Unterrichtseinheiten
in den Sommerschulen davor gesetzt hatte - da hab ich dann auch verstanden, warum der eine Japaner (k.A. wie er hieß), der bei meiner ersten Sommerschule-Teilnahme das Pech hatte, daß
N. Fairbrother u. M. Blasco mit als Referentinnen gebucht waren, in seiner ersten Trainingeinheit Grundlagen-Sachen (ich glaub es ging mit Bewegen auf der Matte los)
vermitteln wollte - mit der Konsequenz, daß er danach kaum noch Leute auf der Matte hatte ... )
Und genau das meine ich! Die Leute schauen gerne tolle Techniken eines Olymipiasiegers an, sind aber nicht willens, die dahinterliegenden Konzepte zu begreifen, weil das langweilig ist. Genau da setzt allerdings die Lehrmethode des BJJ an: Verstehe das grundlegende Konzept, dann brauchst du die hundert Einzelvarianten nicht lernen, weil du sie erkennst, wenn sie da sind. Die BJJ-Leute haben es sogar geschafft, das ohne aufkommende Langeweile rüberzubringen. Und da hilft es auch nicht zu betonen, dass das Kashiwazaki u.a. 1980 schon so gemacht haben. ;)

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Lippe » 13.08.2016, 15:04

Fritz hat geschrieben:So jetzt habe mir mal die Mühe gemacht, nachdem mir aufgefallen ist, daß ich zum Thema "nationale Grundkampfkonzeption" bis auf das unsägliche Uki/O-Goshi-Verbot eigentlich noch nichts gelesen habe, was mir in Erinnerung blieb, mal zu suchen und da hab ich dann das gefunden:
http://www.judobund.de/fileadmin/_horus ... 281%29.pdf
(Und einen Verweis auf JM 05/15, was ich aber gerade nicht mehr auffinde, wird vielen so gehen)
Und das soll jetzt Vereins-Trainer befähigen, ganz tolle Judoka hervorzubringen, die nahtlos in den Leistungssport-Bereich wechseln können? Ernsthaft?
Es gibt ein 49-seitiges Dokument mit dem Titel "Rahmentrainingskonzeption Nachwuchs", das von der "zeitweiligen Arbeitsgruppe Nachwuchstraining des DJB" erarbeitet wurde. Da steht dann doch einiges mehr drin, u.a. die "Ziele und Aufgaben" sowie "Inhalte und Ausbildungsschwerpunkte", aufgeschlüsselt nach der Grundausbildung, dem Aufbau- und dem Anschlusstraining.

Bedauerlich finde ich allerdings, dass dieses Dokument scheinbar nur hinter der Passwortschwelle des Downloadservers versteckt wird (und dort dann unter Downloads => Nachwuchsleistungssport => Rahmentrainingskonzeption). Wer will damit arbeiten, wenn er es nicht findet? Unglücklich auch, dass der Anhang in gesonderte Dateien ausgelagert wurde, diese dort aber nicht (vollständig) hinterlegt sind.

PS: Ich finde es auch nicht so geschickt, dass es einerseits die "Rahmentrainingskonzeption" gibt, ebenso eine "Rahmenkonzeption für den für den Nachwuchsleistungssport", die sich auf dem Downloadserver hinter dem Link "RTP-Übersicht" versteckt. Könnte man da nicht eine durchgängige Bezeichnung wählen. So drängt sich ja auch die Frage auf, ob die "nationale Grundkampfkonzeption" überhaupt das gleiche ist, oder ein Projekt, dass die anderen verfügbaren Dokumente bereits wieder abgelöst hat...

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Fritz » 13.08.2016, 15:41

@Lippe: Stimmt, diese Dokumente (von 2010) gibt es ja auch noch. Hat aber wohl nichts mit dem aktuellen Zeugs zu tun.
Und ehrlich gesagt, als Vereinstrainer sehe ich darin mit viel gutem Willen etwas, was man gern haben möchte. Aber wie
soetwas im Vereinsumfeld mit kleinen heterogenen Gruppen, wo auch Leute mal erst mit U17 anfangen, Judo
zu lernen, umgesetzt werden soll ..?
Das hier auf Seite 33 finde ich sehr "nett"
Von den Sportvereinen wird erwartet, dass vielfältige attraktive Übungs-, Spiel- und
Trainingsangebote gewährleistet werden, die – gemäß dem Mitgliederauftrag – überwiegend
auf Wettkampf- und Leistungssport ausgerichtet werden. Es wird aber auch erwartet, dass dem
einzelnen Talent klar erläutert wird, wo die vereinseigenen Grenzen der Möglichkeiten liegen
und deshalb eine weiterführende Hochleistungssportkarriere in einem anderen Verein Erfolg
versprechend fortgesetzt werden sollte.
Was soll denn ein "Mitgliederauftrag" sein?
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Olympia und Hüftgriffverbot !!!

Beitrag von Asterix » 13.08.2016, 16:16

Wow... lieber DJB. Aufgrund der Anregung von "Lippe" hab ich mal wieder auf den Downloadserver geklickt... Letzte (und einzige?) Fotoserie von 2009! Einige brauchbare Dokumente sind sicherlich da, das meiste aus 2009 und 2010. Seit 2010 hat sich allerdings nur noch jemand berufen gefühlt, wenigstens die Kyu-Prüfungsordnung 2014 zu aktualisieren, sonst nichts!? Irgendwie weiß ich wieder, warum ich irgendwann nicht mehr hereingeschaut hab.

So stelle ich mir die Unterstützung der Trainer vor... und da wundert ihr euch echt? :(

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