Die IJF hat eine neue Möglichkeit gefunden Geld zu scheffeln. Sie entzieht den nationalen Verbänden die Dangraduierung und führt offizielle IJF Dangrade ein, mit der Verpflichtung für international aktive Judoka, diese zu erwerben. https://www.ijf.org/news/show/towards-a ... udo-grades
Die IJF nimmt alle nationalen Förderationen in die Pflicht, diese Regelungen bis spätestens 2028 umzusetzen. Die IJF wird dann nur Dangrade anerkennen, die nach ihren Regularien abgelegt wurden.
Für den 1. Dan heißt das:
kurz eigene Biographie vorstellen
5 Minuten Vortrag zum Thema "Der Ursprung des Judo und Judo als eine Form der Erziehung des Individuums"
komplette Nage-no-kata als Tori und Uke
5 zufällige Nage-waza, eine aus dem Kyu-Programm und eine aus einer vorgegebenen Liste (Uchi-mata-sukashi, yama-arashi, uchi-mata-gaeshi, haraï-goshi-gaeshi, hane-goshi-gaeshi, haraï-tsurikomi-ashi, ko-soto-gake, o-soto-guruma, hikikomi-gaeshi, daki-wakare, yoko-otoshi, yoko-wakare.)
5 zufällige ne-waza und ryote-jime, tsuki-komi-jime
Judo exercises: 2 min kagari-gaeko(sic!), 1 min uchi-komi, statische nage-komi 10 je Seite, nage-komi aus der Bewegung 15 je Seite
Gebühr für den 1. und 2. Dan werden 150$ sein. Nur Dangrade 1-5 werden von nationalen Förderationen vergeben werden, danach muss man irgendwie direkt zur IJF.
Ein herber Schlag für das DJB Graduierungssystem, was damit wohl kurz nach Einführung wieder verschwinden muss, sollte sich kein Widerstand gegen den cash grab der IJF regen
Das Programm selbst ist strukturell und inhaltlich auf dem methodisch-didaktischen Stand der 1960er Jahre - völlig inakzeptabel! Und die Gebühren sind eine absolute Frechheit! Dagegen wird sich nach meiner Einschätzung gewaltiger Widerstand regen.
Davon sind im Prinzip alle großen Verbände betroffen, die ein geregeltes Graduierungssystem haben (viele kleiner Verbände haben das allerdings gar nicht!). Man darf daher gespannt sein, wie z.B. Japan reagieren wird. Und man darf gespannt sein, welche Sondervereinbarungen die IJF mit bestimmten Verbänden treffen wird bezüglich "Anerkennung vergleichbarer Regelungen". Ob sich die Franzosen das Programm aufdrücken lassen werden? Die haben ein deutlich differenziertes Programm, das so gar nichts mit dem Vorschlag der IJF zu tun hat
(https://www.ffjudo.com/resource-file/do ... 6426a2.pdf)
Pikant dabei ist, dass Jean-Luc Rouge der IJF-Koordinator ist. Welche Ausnahme wird er für seinen eigenen Verband verhandeln?
Aber selbst wenn es so bleiben wird, werden nur Judoka betroffen sein, die auf IJF-Ebene aktiv sind. Und das ist nur eine sehr kleine Minderheit der Judoka im DJB und in den nationalen Verbänden. Und bei denen fallen die Gebühren dann in Anbetracht der sonstigen Kosten der Aktivitäten kaum ins Gewicht.
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
caesar hat geschrieben: 24.01.2026, 01:33
Ein herber Schlag für das DJB Graduierungssystem, was damit wohl kurz nach Einführung wieder verschwinden muss, sollte sich kein Widerstand gegen den cash grab der IJF regen
Ich glaube nicht, dass das neue Graduierungssystem dadurch irgendwie tangiert wird. Das wird weiterhin in Deutschland gelten und der "IJF-Dan" wird zusätzlich zu erwerben sein als weitere Hürde für alle, die auf IJF-Ebene aktiv sein wollen. Unsere Leistungssportler müssen und werden das dann zähneknirschend akzeptieren, so wie ihre Trainer ebenfalls bereits in den sauren Apfel beißen mussten. Was abzuwarten bleibt, ist die Frage, wie sich diese Schikane auf die Teilnehmerzahlen im Veteranen-Bereich auswirken wird.
tutor! hat geschrieben: 24.01.2026, 07:42
Man darf daher gespannt sein, wie z.B. Japan reagieren wird.
Es würde mich, gelinde gesagt, sehr überraschen, wenn Japan diese Proklamation der Oberhoheit über "richtige", "anerkannte" Dan-Grade nicht als riesigen Affront auffassen würde, speziell im Kodokan kann das doch wohl kaum hingenommen werden.
tutor! hat geschrieben: 24.01.2026, 07:42
Und man darf gespannt sein, welche Sondervereinbarungen die IJF mit bestimmten Verbänden treffen wird bezüglich "Anerkennung vergleichbarer Regelungen".
Wie sollten solche Sondervereinbarungen aussehen? Der IJF geht es ums Geld, die dürfte, wenn überhaupt, nur mit Sondervereinbarungen einverstanden sein, wenn sie dafür bezahlt wird. Der DJB hat wohl kaum Geld für sowas, es bleibt finanziell somit am einzigen Judoka hängen. Vorstellen könnte ich mir, dass man für den nächsten Dan dann freiwillig doppelt so viel zahlen "darf", wenn er IJF-anerkannt sein soll.
Das ist nicht neu. Bereits auf ihrem 1981 Kongress brachte die IJF einen ähnlichen Vorschlag ein, der jedoch scheiterte. Dies lag zum Teil an den bereits genannten Gründen, aber auch –seien wir ehrlich– daran, dass die nationalen Verbände die Kontrolle über Beförderungen nicht abgeben wollten. Diese Kontrolle war in der Judo-Verbandspolitik schon immer ein wichtiges Instrument, um Günstlinge zu befördern und unliebsame oder potenzielle Konkurrenten zu benachteiligen.
Damals war geplant, dass nur die Kontinentalverbände den 7. und 8. Dan und die höheren Grade ausschließlich die IJF vergeben sollten. Soweit ich weiß, ist Großbritannien (über die British Judo Association) der einzige Verband, in dem tatsächlich alle Graduierungszertifikate und Beförderungen auf diese Weise erfolgen.
Sicherlich sind einige der von der IJF angesprochenen Punkte zutreffend. Es gibt beispielsweise erhebliche Unterschiede in der Judo-Qualität von Personen mit einem bestimmten Grad. Diese Unterschiede bestehen nicht nur zwischen den Judo-Verbänden, sondern auch innerhalb der Verbände. Es steht außer Frage, dass die Beförderungen zu höheren Graden im Judo stark politisiert sind, doch der Vorschlag der IJF wird daran nichts ändern. Im Gegenteil, er wird lediglich dazu führen, dass nun auch die IJF-Politik ins Spiel kommt, und diese ist mindestens genauso problematisch wie die Politik der nationalen Verbände.
Historisch gesehen ist die Rangordnung der IJF ein komplettes Chaos, da die IJF selbst nicht weiß, wem ein IJF-Grad verliehen wurde. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Ich kann Ihnen beispielsweise zahlreiche Korrespondenzen mit der IJF zeigen, in denen sie zugeben, nicht zu wissen, wen sie befördert haben, und mich um Hilfe bitten, indem sie mir die Namen von Personen nennen, die ich kenne und die möglicherweise einen IJF-Grad innehaben. Ich weiß das unter anderem deshalb, weil die PJU einst mein kontinentaler Judo-Verband war. Die PJU geriet jedoch in Konflikt mit Marius Vizer und wurde nach mehreren Gerichtsverfahren aus der IJF ausgeschlossen. Daraufhin wurde ein neuer kontinentaler Verband, die PJC, gegründet. Zu diesem Zeitpunkt war ich wieder in Europa und Mitglied der EJU. Ich reiste persönlich zum Präsidium und Sekretariat der IJF, die sich in verschiedenen Ländern befanden. Mir wurde erzählt, dass in der Vergangenheit zwar alle paar Jahre ein neuer Generalsekretär und ein neuer Präsident gewählt wurden, ein Großteil der Verwaltung aber nicht übertragen wurde. Daher erhielten das neue Sekretariat und das Präsidium nie Unterlagen über frühere Beförderungen innerhalb der IJF. Ich glaube, dass die IJF im Laufe der Zeit nur über etwa 24 Personen Aufzeichnungen führte. Man versuchte also nachträglich, diese Aufzeichnungen zu erstellen. Einige der Beteiligten waren sehr bekannt und ihre Informationen waren in vielen Zeitungen und im Internet zu finden, wie beispielsweise Anton Geesink und Charles Palmer.
... Ja, es gibt jetzt ein Online-Register, und ja, dort sind viel mehr Personen als nur 24 verzeichnet. Aber … bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass alle Einträge tatsächlich aus der Zeit nach 2012 stammen. Nur acht Personen sind aufgeführt, deren Beförderung vor 2010 stattfand. Natürlich gibt es in Wirklichkeit viel mehr, aber die IJF weiß nicht, wer sie sind! Fünf dieser acht sind Träger des 10. Dan der IJF. Sie waren innerhalb der IJF so bekannt, dass jeder wusste, dass sie diesen Rang innehatten, sodass diese Einträge problemlos reproduziert werden konnten. Unter den anderen drei Personen findet sich ein Person mit demselben Namen (Franco Capelletti). Er ist sowohl für seinen 9. als auch für seinen 10. Dan eingetragen. Auch das ist nicht überraschend, da er selbst Vorsitzender des IJF-Rangkomitees war und sich natürlich nicht vergessen hätte, sich einzutragen! Viele der großen Namen der IJF sind nicht gerade für ihre Bescheidenheit bekannt. Ein Teil des Ganzen besteht also darin, Ihnen und der Welt zu zeigen, dass SIE und nicht Sie außergewöhnlich sind: „Mama, schau mal, was für einen hohen Judo-Grad ich habe!“
Aber mal im Ernst: Unterschätzen Sie die IJF nicht. Sie haben es geschafft, dass jedes Land und jeder Trainer eine IJF-Trainerlizenz erwerben muss, um bei einem offiziellen IJF-Wettkampf als Trainer tätig sein zu dürfen. Daher bezweifle ich nicht, dass sie, wenn sie tatsächlich so weit gehen wollen, Athleten und Trainer von offiziellen IJF-Veranstaltungen auszuschließen, sofern diese keinen IJF-Grad besitzen, dies auch schaffen könnten. Diese krankhafte Neigung, andere Menschen kontrollieren zu müssen, ist eine Krankheit, die im Judo leider weit verbreitet ist, und wir beobachten ähnliche Verhaltensweisen auch in anderen judobezogenen Aktivitäten. Ich bin mir sicher, dass es bei der IJF Leute gibt, die denken: „Wenn Trump das kann, können wir das auch.“ Wer weiß, vielleicht kommt ja eines Tages die Idee, eine Judo-Polizei zu gründen.
tutor! hat geschrieben: 24.01.2026, 07:42
Man darf daher gespannt sein, wie z.B. Japan reagieren wird
"grades issued by the Kodokan, creator of the grading system in judo, may be subject to recognition by the IJF"
tutor! hat geschrieben: 24.01.2026, 07:42
Aber selbst wenn es so bleiben wird, werden nur Judoka betroffen sein, die auf IJF-Ebene aktiv sind.
"From January 2026, all grades awarded by IJF member federations must be submitted for official validation by the IJF."
"NFs can only award grades and dan to their members in accordance with the IJF Grades and Dan Regulations."
nur_wazaari hat geschrieben: 25.01.2026, 00:08
Aber nicht doch, Judo-Family und so.
Judo-Family und so, die lieber AI Bilder nutzt anstatt Fotografen und Künstler, die Judo als Motive nutzen zu entlohnen.
So wie ich die "Dan and Grade regulations" lese, sollen alle Danträger der nationalen Föderationen an die IJF gemeldet werden und wenn das nicht passiert, kann die Person nicht an Veranstaltungen der IJF teilnehmen.
Japan erhält eine Ausnahme für Kodokan-Graduierungen.
In der Übergangsperiode bis Ende 2027 kann man sich noch schnell den aktuellen Dangrad anerkennen lassen, ohne das Prozedere der IJF mitmachen zu müssen, man muss eben nur zahlen. Ob nur für den aktuellen Grad, oder auch für alle davor im Paket, da möchte ich bei der IJF lieber nichts vermuten.
caesar hat geschrieben: 27.01.2026, 17:15
So wie ich die "Dan and Grade regulations" lese, sollen alle Danträger der nationalen Föderationen an die IJF gemeldet werden und wenn das nicht passiert, kann die Person nicht an Veranstaltungen der IJF teilnehmen.
Wäre mal spannend zu sehen, was passieren würde, wenn die nationalen Föderationen einfach mal nicht melden würden. Also weder Sportler noch Kampfrichter ... Und dann mal ein Jahr niemand in nennenswerter Zahl bei IJF-Veranstaltungen mitmacht ...
Schöner Gedanke, das wird aber leider nicht passieren und genau das wissen die Verantwortlichen bei der IJF auch.
Sehr schöner Bericht von Chichorei Kano, danke für den Einblick in die internen Abläufe der IJF, ziemlich erschreckend und unprofessionell, was dort passiert.
Da wird wohl der Wunsch Vater des Gedanken bleiben. Ich glaube schon, dass die Länder mit einem eigenen durchdachtem Gürtelsystem da Beschwerde einreichen werden. Nur die Frage wie erfolgreich diese am Ende sein wird. Japan bekommt seine Ausnahmeregelung und den Ländern in denen Judo als olympische Sportart einen sehr hohen Stellenwert hat, wird das Gürtelsystem herzlich egal sein. Geld kommt aus Ländern, wo die Lage ähnlich sein wird.
Wenn man sich die World Tour Stops anguckt, weiß man ja wo es hingeht
Ich habe keine Glaskugel, aber ich denke, dass nicht nur Japan eine Ausnahme bekommen wird. Man wird wohl den IJF-Vorschlag als "Rahmen" definieren und den Verbänden Spielräume geben. Andernfalls kann ich mir vorstellen, dass seitens der EJU zu viel Widerspruch kommt. Man wird sehen.....
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
Vielleicht kommt es ja doch so, dass nur die international startenden Judoka eine IJF-Graduierung benötigen. Nur das kann die IJF wirklich kontrollieren und hat dort direkten Einfluss.
Das wird dann wie die IJF Academy, etwas ohne Mehrwert für die gut durchorganisierten Verbände Europas. Wenn ich mir die Themen der IJF Academy angucke, kann ich mir nicht vorstellen, dass die deutschen Trainer mit Abschluss der Trainerakademie oder auch A-Lizenz-Leistungssport dort etwas lernen. Durch müssen sie da trotzdem, beziehungsweise die Gebühr bezahlen.
Ähnlich könnte ich mir da bei den Dangraden vorstellen. Und wenn es dann IJF grading experts in Deutschland gibt, muss man eben noch einen weiteren Gott anbeten, damit der Stempel passt.
Der DJB scheint überrascht davon zu sein, dass die IJF neuerdings qua Machtanspruch aus dem Nichts ein neues einträgliches Zertifizierungssystem geschaffen hat und niemand von der doch sehr zentralen, einschneidenden Idee gewusst haben will. Da hat der geschätzte User Chichorei Kano schon recht...man glaubt, es einfach machen zu können, weil es da gewisse Vorbilder gibt, die ebenso verfahren.
Sollten die Verbände also noch ein wenig Rückgrat übrig haben und zudem einen Funken Anstand besitzen, werden Sie den einfältigen Überfall auf die Autonomie der Mitgliedsverbände boykottieren. Das gilt vor allem auch für den klammen DJB, der finanziell hier wohl nicht mal aussichtsreiche Athletinnen und Athleten oder von mir aus auch Funktionäre mit IJF-Graduierungen wird versorgen können. Denn Zertifizierungen sind nie billig, oft genug aber kein Qualitätsmerkmal, worum es der IJF ja glasklar erkennbar auch nicht geht. Denn Qualität und derer Standards die den Namen verdienen werden entwickelt, diskutiert und evaluiert, nicht einfach von einer (sport)politischen Instanz diktiert.
Ein ziemlich beispielloser Vorgang, denkwürdig und entlarvend. Wie wird man also reagieren? Es gibt eigentlich nicht viele Möglichkeiten, wenn man sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben will.
Im Lichte der proklamierten Ziele der IJF mit dieser Maßnahme, muss man sich einmal vor Augen halten, dass die IJF sich zum einen nicht an ihre eigenen Vorgaben hält und zum anderen auch Gürtel einfach verschenkt.
Am Wochenende in Paris wurde Raja Sapta Oktohari mit dem honorary black belt der IJF ausgezeichnet. Der Mann ist Präsident des indonesischen NOK und hat nicht wirklich was mit Judo am Hut. https://www.ijf.org/news/show/unity-sol ... e-in-paris
Dazu sagt die IJF, dass es vom 9. zum 10. Dan mindestens 10 Jahre benötigt. Der Erfinder dieser großartigen neuen Grütelreformidee, Jean-Luc Rougé selbst, hatte den 9. Dan der IJF nur sieben Jahre inne, bis er den 10. Dan verliehen bekam. https://78884ca60822a34fb0e6-082b8fd555 ... 391717.pdf
Vom DJB war zu hören, dass man erstmal abwarten müsse, was von der IJF genau da kommt, die Nationalverbände sind da wohl noch nicht wirklich informiert worden.
Man will sich dann auf jeden Fall zusammen mit anderen Nationen mit allen Mitteln gegen diese Maßnahme wehren.
In letzter Konsequenz könnte das dann vor den internationalen Sportgerichtshof landen.