Wirtschaftsunternehmen DJB

Hier geht es um Fragen zur Vereinsarbeit, Verbänden und Organisationen
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nur_wazaari
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Der Leistungsgedanke

Beitrag von nur_wazaari »

Auszug eines Statements von Leistungssport-Vorstand des DJB, Michael Bazynski, abgebildet im verlinkten Artikel: https://www.lvz.de/sport/regional/leipz ... NYVEA.html

„ [...] Judo darf nicht nur im Umfeld von sechs Städten entwickelt werden. Wir können uns keine weißen Flecken auf der Landkarte leisten, wenn es ums Finden und Fördern der Talente geht.“ [...] „Die größten Talente gibt es erfahrungsgemäß in den Dörfern und kleineren Orten, wo die Kinder sich noch stärker an der Luft bewegen als in den Städten“, so der 67-Jährige, der mit dem Judo-Bund einige Trends der Gesellschaft den Kampf angesagt hat: „Leistung ist teils verpönt, viele wollen bequem durchs Leben gehen. Und einige finden es unmenschlich, wenn die Kinder nach der Schule noch zum Training gehen. Zum Glück würden dies nicht alle so sehen. [...] “

Verweichlichung ist also die Diagnose der DJBschen Gesellschaftsanalyse. So einfach ist das also. Tja, dann "kämpft" mal und hofft, dass eure Idee vom Judoleistungssport und das Leistungssportsystem in Deutschland gerade in diesen Zeiten nachhaltig überzeugen können...
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Hofi
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Re: Wirtschaftsunternehmen DJB

Beitrag von Hofi »

Es gibt sicher viele Gründe. Aber dass es schwieriger geworden ist in den letzten 30 Jahren, die ich Trainer bin, Kinder zur Wettkampfteilnahme zu motivieren, sehe ich durchaus. Und Judo-Wettkampf gibt Dir halt sehr direkt und manchmal auch körperlich schmerzhaft die Rückmeldung, ob das, was Du trainiert hast, tatsächlich funktioniert. Und das muss man abkönnen.
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Heimat ist dort, wo man von der Dorfbevölkerung, die einen duzt, gelyncht wird.
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nur_wazaari
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Der nächste Paukenschlag

Beitrag von nur_wazaari »

https://www.judobund.de/aktuelles/news/ ... em-djb-aus

Irgendwie scheint die Bundestrainerstelle für die Männer (in doppelter Hinsicht) entweder nicht sonderlich attraktiv zu sein oder man schafft es einfach nicht, sie mit Personen zu besetzen die sie zeit- und anforderungsgemäß (insbesondere bzgl. der Kommunikationsfähigkeiten) ausfüllen können. Auf Spittka hatte man beim DJB ja große Stücke gehalten, davon scheint nicht viel übrig geblieben zu sein.

Immerhin läuft es bei den Frauen nachwievor sehr gut und es besteht berechtigte Hoffnung, dass einige Nachwuchsjudoka einen reflektierten Weg im Judoleistungssport gehen.

PS: Die im Coaching-Faden von mir lapidar zusammengesammelten Zitate stammen vor allem vom Ex-Bundestrainer Männer...
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nur_wazaari
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Zweiter Paukenschlag

Beitrag von nur_wazaari »

Beim DJB oder in der deutschen Presse liest man bisher gar nichts dazu. Auch Michael Bazynski verlässt seine Position.

https://judoinside.com/news/7769/Micha ... ation_role

https://judoinside.com/news/7768/German ... ort_tenure

Über die wahren Gründe kann man spekulieren, aber eigentlich ist es auch einigermaßen offensichtlich. Jedenfalls konnte man beide offenkundig nicht halten oder überzeugen, was vielleicht auch auf Gegenseitigkeit beruhte.

Ergänzung, nun auch offiziell vom DJB: https://www.judobund.de/aktuelles/news/ ... tt-zurueck Klingt jedenfalls deutlich wärmer, als beim Bundestrainer a.D..

Wer wird nun die beiden N.N. befüllen? Der Markt mit geeigneten Kanidat:innen ist sehr übersichtlich. Und wo sieht sich der DJB in seiner selbsternannten Rolle als "Wirtschaftsunternehmen" aktuell? Welche Äquivalenzen der beiden Poistionen gibt es im Vergleich zu anderen Wirtschaftsunternehmen in der gleichen Branche, in der sich der DJB verortet (ja, in welcher Branche eigentlich)?
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nur_wazaari
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"Wir sind KEIN Unternehmen"

Beitrag von nur_wazaari »

Es dämmert langsam:

https://www.judobund.de/fileadmin/user_ ... hannes.pdf

An der einen oder anderen Stelle hätte man die Reflektion sicher strukturieren, präzisieren und von dem einen oder anderen fachlichen Fehler befreien können, aber immerhin gibt es mal sowas wie eine Stellungnahme. Die Grundprobleme kann man mehr oder weniger direkt herauslesen, auch weil beispielhaft konkrete, dysunktionale Prozesse genannt werden. Sie scheinen alle Ebenen des Verbands- und Mitgliedermanagements zu betreffen und systematischer Natur zu sein.

Ich frage mich aber, wer denn nun der DJB sein soll (und will) und wer sich dem Dachverband zugehörig fühlt - wen meint er also genau? Ich kenne so einige Vereine samt ihrer Eherenamtlichen, die zwar dem DJB angeschlossen sind, sich aber abgesehen von den üblichen Verpflichtungen nicht weiter verbunden fühlen, sich eher mit Verein oder Landesverband identifizieren. Das ist eben auch die Ebene, wo konkrete Wirkungen erzielt werden.

Daneben gibt es ja im DJB Ehrenamtliche, die gleichwohl hauptamtliche Stellen im deutschen Sport besetzen, freilich ohne Arbeitspapier mit dem DJB - das ist nochmal eine ganz eigene Gruppe und hat mit den Vereinsehrenamtlichen wenig zu tun. Ich lese die Stellungnahme so, dass vor allem auch die gemeint sind. Neben allen Lobes (aus der Wirtschaft kenne ich das als Obstkorb-Rhetorik) scheinen hier gleichzeitig ungenutzte als auch überbeanspruchte Potenziale zu liegen.
Wir sind kein Unternehmen und unseren Ehrenamtlichen keine Mitarbeitenden
Wenn man das Schreiben zwischenzeilig liest, kann man das auch als eine Art Brandbrief verstehen. Er wünscht sich den Idealismus der Ehrenämtler (und seinen eigenen) auch in der hauptamtlichen Ebene, kann aber eigentlich nichts bieten, weil der Verband klamm ist und es große Widerstände auf verschiedenen Ebenen gibt. Er benennt also Ziele, für derer Bearbeitung und Erreichung die Voraussetzungen offensichtlich (noch?) nicht gegeben sind. Der Pathos im Fazit kann das sicher nur eine begrenzte Zeit lang überdecken, irgendwann müssen sich auch Erfolge einstellen.
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