TAISO
Re: TAISO
Tutor,
danke für die historischen Zusatz-Informationen; wenngleich die bisherigen Kritikpunkte dadurch meines Erachtens nicht berührt sind.
Aber vor allem:
Mir ist der Mehrwert und die eigentliche Zielsetzung der ganzen Sache nicht klar. Sind die Hauptzielgruppe tatsächlich alte Judoka, die zwar kein Judo mehr machen können/wollen, aber Gymnastik? Und die treffen sich dann in einer Taisô-Gymnastik-Gruppe statt Judo zu machen? Spricht natürlich nichts dagegen, aber wie viele sollen das denn ernsthaft sein?
In meinem Wohnort mit 40.000 Einwohnern gibt es zwei Sportvereine und eine VHS mit zahlreichen Fitness-/Gymnastik-Angeboten für fittere und weniger fitte Menschen ab 50 Jahren aufwärts (bis ins hohe Alter). Dazu kommen gefühlt zehn oder mehr Fitnessstudios (mit Unmengen Kursangeboten), zehn oder mehr Physiopraxen mit teilweise eigenem Übungsbereich, zehn Personal Trainer, freie Walking-Gruppen und und und.
Wen soll Taisô denn eigentlich ansprechen? Was will man erreichen? Soll Taisô eine Variante von Tae-Bo und Fitness-Boxen werden? Hartes Training für die jungen und starken, moderates Training für die Mittelalten, softes Training für die Alten? Geht es also letztlich doch nur darum, zu versuchen alten Wein in neuen Schläuchen mit ganz vielen Etiketten und Versprechen in den sowieso schon heiß umkämpften Markt einzuführen?
Wozu das ganze, ist die Frage.
danke für die historischen Zusatz-Informationen; wenngleich die bisherigen Kritikpunkte dadurch meines Erachtens nicht berührt sind.
Aber vor allem:
Mir ist der Mehrwert und die eigentliche Zielsetzung der ganzen Sache nicht klar. Sind die Hauptzielgruppe tatsächlich alte Judoka, die zwar kein Judo mehr machen können/wollen, aber Gymnastik? Und die treffen sich dann in einer Taisô-Gymnastik-Gruppe statt Judo zu machen? Spricht natürlich nichts dagegen, aber wie viele sollen das denn ernsthaft sein?
In meinem Wohnort mit 40.000 Einwohnern gibt es zwei Sportvereine und eine VHS mit zahlreichen Fitness-/Gymnastik-Angeboten für fittere und weniger fitte Menschen ab 50 Jahren aufwärts (bis ins hohe Alter). Dazu kommen gefühlt zehn oder mehr Fitnessstudios (mit Unmengen Kursangeboten), zehn oder mehr Physiopraxen mit teilweise eigenem Übungsbereich, zehn Personal Trainer, freie Walking-Gruppen und und und.
Wen soll Taisô denn eigentlich ansprechen? Was will man erreichen? Soll Taisô eine Variante von Tae-Bo und Fitness-Boxen werden? Hartes Training für die jungen und starken, moderates Training für die Mittelalten, softes Training für die Alten? Geht es also letztlich doch nur darum, zu versuchen alten Wein in neuen Schläuchen mit ganz vielen Etiketten und Versprechen in den sowieso schon heiß umkämpften Markt einzuführen?
Wozu das ganze, ist die Frage.
Re: TAISO
Weder der DJB, noch die Landesverbände sind ja Anbieter von Taiso. Das möchte ich ausdrücklich voranstellen. Den Verbänden geht es darum, den eigenen Mitgliedsvereinen eine Möglichkeit für deren Mitgliederentwicklung an die Hand zu geben, was natürlich auch indirekt zu einer Stärkung der Verbände führen kann.
Dazu brauchen die Vereine aber ein flexibles Konzept, um genau den örtlichen Besonderheiten entsprechend ihr Angebot positionieren zu können. Du hast es ja anhand Deines Umfelds beschrieben und ein dortiger Verein müsste sich genau diese Fragen beantworten, die Du stellst. Wahrscheinlich wäre es bei Euch relativ aussichtslos, ein Angebot zu etablieren.
Ich bin in Bezug auf Taiso im deutschen Judo nicht mehr und nicht weniger als ein Beobachter ohne (aktuelle) Projektbeteiligung und hab da auch keine Ambitionen. Ich wollte nur einige Dinge klarstellen: die konzeptionelle Verankerung von Taiso im Judokonzept Kanos wurde sehr gründlich vorgenommen, die Wiedererkennung von "altem Wein" war der Plan, denn der schmeckte vielen Menschen gut und eine flexible inhaltliche Anpassung an konkrete Gruppen und Situationen vor Ort ist wie bei jedem Angebot erforderlich.
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
Die Vereine und ihr Sportangebot
In meinem direkten Umfeld und im Umkreis von 30km existieren (gefühlt) unendliche viele Angebote. Insbesondere für die (vermeintliche) Taiso-Zielgruppe ist das Angebot kaum noch überschaubar. Gymnastik, Yoga und Fitnessgruppen, Seniorentanz, Wandergruppe, Walking, Lauftreff, Crossfit, Stepaerobic, Pilates, selbst Qigong und Selbstverteidigung ... es ist alles (vereinsbasiert) vorhanden. Ob mein alter Heimatverein noch "Rückenschule" anbietet bezweifele ich, allerdings existiert mit Sicherheit die Koronar-u. Lungensporttruppe ... die Angebote sind kaum noch überschaubar. Neben privat initierten Yoga-Gruppen und dem breitaufgestellten VHS-Programmen, ist der physiotherapeutische Bereich ebenfalls nicht mehr unterbelichtet.
Meistens verfügt ein klassischer Mehrspartenverein über eine Turn- u. Leichtathletikabteilung, unter derem Dach sich alle weiteren Gesundheitsangebote befinden. Jegliche Form der Gymnastik ist vorhanden, speziell auf ein Leiden und /oder das Alter sowie Geschlecht ausgerichtet. Weshalb sollte nun ausgerechnet die Judosport-Abteilung eine eigene TAISO-Sparte einrichten?, sie kann maximal eine STUNDE im Hallenbelegungsplan ausschließlich für TAISO (Gymnastik) blocken.
Meistens verfügt ein klassischer Mehrspartenverein über eine Turn- u. Leichtathletikabteilung, unter derem Dach sich alle weiteren Gesundheitsangebote befinden. Jegliche Form der Gymnastik ist vorhanden, speziell auf ein Leiden und /oder das Alter sowie Geschlecht ausgerichtet. Weshalb sollte nun ausgerechnet die Judosport-Abteilung eine eigene TAISO-Sparte einrichten?, sie kann maximal eine STUNDE im Hallenbelegungsplan ausschließlich für TAISO (Gymnastik) blocken.
Der Verband, mit seinen Ämtern, Angestellten und Positionen
Die Arbeitspruppe, bzw. die Kommission ist nicht der Verband.Den Verbänden geht es darum, den eigenen Mitgliedsvereinen eine Möglichkeit für deren Mitgliederentwicklung an die Hand zu geben, was natürlich auch indirekt zu einer Stärkung der Verbände führen kann.
Es müssten die Mitglieder (Menschen, Judoka der Vereine), über ihre Landesverbände zur Spitze, dem DJB, der Kommission, dem Taiso-Team ... evolutionstechnisch nach oben streben -> arbeiten. Eine Kooperation sollte entstehen. Ok, NRW war der Vorreiter, hier brodelte die Ursuppe (Mitglieder) - doch nun geht es in der Breite nicht mehr weiter, die Bewegung ist ins Stocken geraten.
Die Spitze benötigt ein Wurzel-u. Knollengeflecht, damit der TAISO-Baum starke Äste und sattgrüne Blätter, vielleicht Blüten und Früchte tragen kann.
Die Frage lautet folgerichtig: interessiert TAISO (das Angebot von oben) signifikant die Arbeitsbienen (Heimatvereine, Dörfer und andere Ortschaften) im Geflecht (Netz, Basis), haben sich Knollen (Arbeitsgruppencluster) bereits gebildet ... u.s.w. ?
Überlebenswichtig ist das alles nicht,
wichtig ist, dass die Bewegung, Strömung nicht zum Erliegen kommt. Böse(?) Zungen sagen: die Taiso-Troika erlebt positive Rückmeldung - Lehrgänge motivieren und bereiten Freude, geben kurzfristig einen Schub.
Mehr darf man nicht erwarten.
#
Die historische Einordnung "der japanischen Leibeserziehung und Leibesübungen", sowie der deutsche 2019erImpuls sind geklärt.
Ja, ein herzliches Dankeschön dafür.Ich wollte nur einige Dinge klarstellen: die konzeptionelle Verankerung von Taiso im Judokonzept Kanos wurde sehr gründlich vorgenommen, (...)
Grüße zum 1. Mai
HBt.
Zuletzt geändert von HBt. am 01.05.2026, 20:05, insgesamt 1-mal geändert.
Re: Die Vereine und ihr Sportangebot
Danke, das ist etwas ausführlicher beschrieben, was ich meinte. So bleibt halt zumindest bei mir der Eindruck vorherrschend, dass ein Verband einfach noch eine Kuh melken will, egal wie nötig oder sinnvoll das Projekt ist. Denn sonst könnte man problemlos die Leute auch einfach auf die Vielzahl bestehender Angebot verweisen.HBt. hat geschrieben: 01.05.2026, 12:55 In meinem direkten Umfeld und im Umkreis von 30km existieren (gefühlt) unendliche viele Angebote. Insbesondere für die (vermeintliche) Taiso-Zielgruppe ist das Angebot kaum noch überschaubar. Gymnastik, Yoga und Fitnessgruppen, Seniorentanz, Wandergruppe, Walking, Lauftreff, Crossfit, Stepaerobic, Pilates, selbst Qigong und Selbstverteidigung ... es ist alles (vereinsbasiert) vorhanden. Ob mein alter Heimatverein noch "Rückenschule" anbietet bezweifele ich, allerdings existiert mit Sicherheit die Koronar-u. Lungensporttruppe ... die Angebote sind kaum noch überschaubar. Neben privat initierten Yoga-Gruppen und dem breitaufgestellten VHS-Programmen, ist der physiotherapeutische Bereich ebenfalls nicht mehr unterbelichtet.
Meistens verfügt ein klassischer Mehrspartenverein über eine Turn- u. Leichtathletikabteilung, unter derem Dach sich alle weiteren Gesundheitsangebote befinden. Jegliche Form der Gymnastik ist vorhanden, speziell auf ein Leiden und /oder das Alter sowie Geschlecht ausgerichtet. Weshalb sollte nun ausgerechnet die Judosport-Abteilung eine eigene TAISO-Sparte einrichten?, sie kann maximal eine STUNDE im Hallenbelegungsplan ausschließlich für TAISO (Gymnastik) blocken.
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Bodnus Carlsen
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Re: TAISO
Ich verstehe nicht, was unter anderem mit "der Verband möchte noch eine Kuh melken", was in dieser oder jener Formulierung öfter mal auftaucht, gemeint sein soll. Sicherlich profitiert der Verband (besser: die Verbände - Landesverbände und DJB profitieren) von mehr Mitgliedern. Das ist völlig legitim. Das aus mehr Mitgliedern natürlich auch mehr finanzielle Möglichkeiten folgen, ist ebenfalls völlig richtig und völlig legitim. Das Taiso etwas völlig Neues ist, wurde meines Wissens nach nie wirklich behauptet.
Ich sehe Taiso als ein Angebot, was der DJB den Vereinen macht. Für den einen Verein passt es (der Verein kann ein für sich passendes Angebot daraus erstellen), für den anderen Verein passt es nicht. (Genauso: Für den einen Verein passt es, ein SV, Kata, Judo im Elementarbereich, ... anzubieten, für den anderen Verein nicht.) Ob Taiso ein Angebot ist, dass die Massen in die Judovereine zieht, ist vielleicht zweifelhaft und kann ich nicht beurteilen. Aber es bietet sicherlich eine Nische für all diejenigen, die sich körperlich nicht mehr in einem "normalen" Judotraining (was auch immer das ist) sehen, sich dem Sport aber noch verbunden fühlen und fit bleiben möchten.
In kleinen Vereinen würde es oft völlig genügen, einige wenige Erwachsene im Verein zu halten, um die ehrenamtliche Arbeit auf etwas mehr Schultern zu verteilen. Das würde helfen, Judo in der Fläche zu erhalten. Hier kann Taiso sicherlich einen Beitrag leisten (wie geschrieben - für manche Verein, nicht für alle Vereine).
Ob es funktioniert und wie groß der Beitrag ist? Das weiß ich nicht. Aber einen Versuch ist es wert.
Ich sehe Taiso als ein Angebot, was der DJB den Vereinen macht. Für den einen Verein passt es (der Verein kann ein für sich passendes Angebot daraus erstellen), für den anderen Verein passt es nicht. (Genauso: Für den einen Verein passt es, ein SV, Kata, Judo im Elementarbereich, ... anzubieten, für den anderen Verein nicht.) Ob Taiso ein Angebot ist, dass die Massen in die Judovereine zieht, ist vielleicht zweifelhaft und kann ich nicht beurteilen. Aber es bietet sicherlich eine Nische für all diejenigen, die sich körperlich nicht mehr in einem "normalen" Judotraining (was auch immer das ist) sehen, sich dem Sport aber noch verbunden fühlen und fit bleiben möchten.
In kleinen Vereinen würde es oft völlig genügen, einige wenige Erwachsene im Verein zu halten, um die ehrenamtliche Arbeit auf etwas mehr Schultern zu verteilen. Das würde helfen, Judo in der Fläche zu erhalten. Hier kann Taiso sicherlich einen Beitrag leisten (wie geschrieben - für manche Verein, nicht für alle Vereine).
Ob es funktioniert und wie groß der Beitrag ist? Das weiß ich nicht. Aber einen Versuch ist es wert.
Re: TAISO
Korrekt!Julian hat geschrieben: 01.05.2026, 13:20 (...)
Danke, das ist etwas ausführlicher beschrieben was ich meinte. So bleibt halt zumindest bei mir der Eindruck vorherrschend, dass ein Verband einfach noch eine Kuh melken will, egal wie nötig oder sinnvoll das Projekt ist. Denn sonst könnte man problemlos die Leute auch einfach auf die Vielzahl bestehender Angebot verweisen.
TAISO = selbsterfüllend, Selbstzweck
Während der Pandemie und der Wellenbrecher, war das Angebot und vor allem die Erinnerung an die (im Judo) vorhandene Idee Taiiku & Taiso (möglicherweise, erweitert auch das Konzept) gut. Es blieb leider beim bekannten Mix.
Heute ist das Projekt (oder Programm) in der PO und Trainer-B-Ausbildung verankert, ein Modul zum nächsten Dan-Grad, auch ein Sprungbrett zu höheren Weihen - ein Ersatz anderer Kompetenzen auf dem Arbeitsblatt ...
Der löbliche Gedanke (wenn man blauäugig ist, dann löblich) ist total überholt, im Treibsand untergegangen.
#
Wie viele der Mitgliedsvereine bieten eine eigene Gymnastik (also Taiso) tatsächlich an und florieren damit auch. Realexistierend und regelmäßig frequentiert?!
Re: TAISO
In der Breite ist dieser Versuch (die Etablierung einer Untergruppe der Judosparte) unweigerlich zum Scheitern verurteilt - und dieses weiß man im Vorfeld.Aber einen Versuch ist es wert.
Trotzdem:
versuchen SIE es.
Fragen wir uns doch einmal ab wann (oder warum) sich Gruppen wieder auflösen?
Ein gutes Übungsbuch wäre mit Sicherheit nachhaltiger als ein temporäres und zum Scheitern verurteiltes Projekt, mit allen kurzfristigen Impulsen ..!
Es zählt das individuelle Tun,
auch und vor allem Partnerübungen, Übungen mit einem (wechselnden) Partner.
Re: TAISO
Noch ein paar Nachgedanken von mir:
Vornweg: Ich finde Judo, auch in seiner heutzutage standardmäßig-durchschnittlichen Form, einen tollen Kampfsport, den ich regelmäßig empfehle, wenn mich Freunde/Bekannte fragen, wohin sie denn ihre Kinder schicken könnten. Für mich persönlich habe ich nach einem zweijährigen Wiedereinstieg (inklusive Wettkampf) nach langer Pause mit Ende 30 festgestellt, dass es unter verschiedenen Gesichtspunkten nicht das erfüllt, was ich suche bzw gesucht habe.
Auf eine Gymnastik im Judo-Verein auszuweichen, empfände ich persönlich aber als absurd. Aber natürlich gilt: Jeder soll machen was er mag!
Damit zusammenhängend: Die Skepsis die ich bzgl. dieses Taiso empfinde, liegt wahrscheinlich an meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber solchen Verbandsstrukturen. Wenn man tiefer in eine KK eintaucht, egal ob Judo, Karate oder was auch sonst, wird man nach meiner Erfahrung eigentlich überall feststellen, dass Verband und Funktionäre sowie deren Ziele und Fähigkeiten häufig andere sind, als man selbst hat oder sich wünschen würde. Aber das ist die Natur der Dinge, und das muss natürlich auch jeder mit sich selbst ausmachen. Insofern: Wenn der DJB auch Gymnastik verbreiten will, soll er das halt machen; und wenn er damit ein paar Leute mehr in Bewegung bringt als ohne, ist es ja fein. Dass das Ganze allerdings sinnvoll und notwendig ist, bezweifle ich immer noch - da wären m.M.n. viel grundsätzlichere Fragen interessant. Aber da gilt wie in der anderen Politik, der Kirche etc. halt auch: echte Systemfragen wird es nicht geben, Verbände sind verselbstständigte Organismen, die in erster Linie wachsen und fortbestehen wollen
Was die historischen Zusammenhänge betrifft: Es ist natürlich lobenswert, dass man sich da informiert und Gedanken gemacht hat. Allerdings scheint mir, den Zweck den die vermehrte Gymnastik im Japan der Meiji-, Taisho- und Showa-Zeit bis 1945 vorrangig erfüllen sollte, hat man dann doch lieber ausgeblendet. Die Stichworte sind Nationalismus und Militarisierung. Überhaupt beruft man sich hier mal auf Kano, aber wie viel Wissen über Kano, seine Zeit und seine Ideen hat man denn wirklich im DJB? Kano wollte, denke ich auch und vor allem. „den Volkskörper stärken“; alles Ideen, die bei uns ja nicht gerade hohes Ansehen genießen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Insofern wirkt der historische Rückbezug doch eher fadenscheinig, wenn man alles Unbequeme (wie in vielen anderen Fragen im Zusammenhang mit Judo von damals bis heute) einfach ausblendet.
Last not least eine kurze Anmerkung: Ja, eine Gymnastik für die Bevölkerung gab es die längste Zeit hindurch in Japan nicht. Für zusätzliche Bewegungsaktivität bestand auch gar keine Notwendigkeit. Das Leben war ja sowieso viel körperlicher als heute. Trotzdem gab es ja schon lange die sogenannte Lebenspflege (yangsheng bzw. yôjô), welche immer wieder die Notwendigkeit von angemessener Bewegung betont und auch viele Routinen für Massage und Selbstmassage enthält. Dazu kommen dann natürlich noch Elemente des daô-yin bzw dô-in, womit schon ein gutes Spektrum an Lehren für eine gesunde Bewegung abgedeckt ist und auch im Volk bekannt und verbreitet war.
Vornweg: Ich finde Judo, auch in seiner heutzutage standardmäßig-durchschnittlichen Form, einen tollen Kampfsport, den ich regelmäßig empfehle, wenn mich Freunde/Bekannte fragen, wohin sie denn ihre Kinder schicken könnten. Für mich persönlich habe ich nach einem zweijährigen Wiedereinstieg (inklusive Wettkampf) nach langer Pause mit Ende 30 festgestellt, dass es unter verschiedenen Gesichtspunkten nicht das erfüllt, was ich suche bzw gesucht habe.
Auf eine Gymnastik im Judo-Verein auszuweichen, empfände ich persönlich aber als absurd. Aber natürlich gilt: Jeder soll machen was er mag!
Damit zusammenhängend: Die Skepsis die ich bzgl. dieses Taiso empfinde, liegt wahrscheinlich an meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber solchen Verbandsstrukturen. Wenn man tiefer in eine KK eintaucht, egal ob Judo, Karate oder was auch sonst, wird man nach meiner Erfahrung eigentlich überall feststellen, dass Verband und Funktionäre sowie deren Ziele und Fähigkeiten häufig andere sind, als man selbst hat oder sich wünschen würde. Aber das ist die Natur der Dinge, und das muss natürlich auch jeder mit sich selbst ausmachen. Insofern: Wenn der DJB auch Gymnastik verbreiten will, soll er das halt machen; und wenn er damit ein paar Leute mehr in Bewegung bringt als ohne, ist es ja fein. Dass das Ganze allerdings sinnvoll und notwendig ist, bezweifle ich immer noch - da wären m.M.n. viel grundsätzlichere Fragen interessant. Aber da gilt wie in der anderen Politik, der Kirche etc. halt auch: echte Systemfragen wird es nicht geben, Verbände sind verselbstständigte Organismen, die in erster Linie wachsen und fortbestehen wollen
Was die historischen Zusammenhänge betrifft: Es ist natürlich lobenswert, dass man sich da informiert und Gedanken gemacht hat. Allerdings scheint mir, den Zweck den die vermehrte Gymnastik im Japan der Meiji-, Taisho- und Showa-Zeit bis 1945 vorrangig erfüllen sollte, hat man dann doch lieber ausgeblendet. Die Stichworte sind Nationalismus und Militarisierung. Überhaupt beruft man sich hier mal auf Kano, aber wie viel Wissen über Kano, seine Zeit und seine Ideen hat man denn wirklich im DJB? Kano wollte, denke ich auch und vor allem. „den Volkskörper stärken“; alles Ideen, die bei uns ja nicht gerade hohes Ansehen genießen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Insofern wirkt der historische Rückbezug doch eher fadenscheinig, wenn man alles Unbequeme (wie in vielen anderen Fragen im Zusammenhang mit Judo von damals bis heute) einfach ausblendet.
Last not least eine kurze Anmerkung: Ja, eine Gymnastik für die Bevölkerung gab es die längste Zeit hindurch in Japan nicht. Für zusätzliche Bewegungsaktivität bestand auch gar keine Notwendigkeit. Das Leben war ja sowieso viel körperlicher als heute. Trotzdem gab es ja schon lange die sogenannte Lebenspflege (yangsheng bzw. yôjô), welche immer wieder die Notwendigkeit von angemessener Bewegung betont und auch viele Routinen für Massage und Selbstmassage enthält. Dazu kommen dann natürlich noch Elemente des daô-yin bzw dô-in, womit schon ein gutes Spektrum an Lehren für eine gesunde Bewegung abgedeckt ist und auch im Volk bekannt und verbreitet war.
Re: TAISO
Es gibt im DJB durchaus Menschen, die auch und gerade zu den von Dir genannten Themen eine hohe Sachkompetenz haben. Zudem bestehen Kontakte zu und Austausch mit Forschenden auf diesen Gebieten.Julian hat geschrieben: 02.05.2026, 08:58 Was die historischen Zusammenhänge betrifft: Es ist natürlich lobenswert, dass man sich da informiert und Gedanken gemacht hat. Allerdings scheint mir, den Zweck den die vermehrte Gymnastik im Japan der Meiji-, Taisho- und Showa-Zeit bis 1945 vorrangig erfüllen sollte, hat man dann doch lieber ausgeblendet. Die Stichworte sind Nationalismus und Militarisierung. Überhaupt beruft man sich hier mal auf Kano, aber wie viel Wissen über Kano, seine Zeit und seine Ideen hat man denn wirklich im DJB? Kano wollte, denke ich auch und vor allem, „den Volkskörper stärken“; alles Ideen, die bei uns ja nicht gerade hohes Ansehen genießen um es mal vorsichtig auszudrücken. Insofern wirkt der historische Rückbezug doch eher fadenscheinig, wenn man alles Unbequeme (wie in vielen anderen Fragen im Zusammenhang mit Judo von damals bis heute) einfach ausblendet.
Vor einigen Jahren gab es eine bis heute viel zitierte Artikelserie im NWJV-Verbandsmagazin, die sich auch mit diesen Fragen beschäftigte (sich aber natürlich an eine breite Leserschaft wandte) https://www.nwjv.de/fileadmin/qualifizi ... n_judo.pdf
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
TAISO & Taiiku - das politische Lager
Kann man J. Kano korrekt in eine politische Überzeugung (heute) einordnen? Ich frage direkt: War Herr Kano ein Sympathisant der scheinbar damalig (global?) vorherrschenden, verachtenswerten NAZI-Idiologie(n)? Ich denke, er war es nicht!
Falls TAISO jetzt ein "Geschmäckle" angeheftet wird (oder dem Taiiku & Taiso eh anhängt), dann geht der Schuß nach hinten los - so ist das mit Etiketten. Gerade heute benötigen wir positive Konnotierung(en).
^
Danke für die umfangreiche und hervorragend darstellende Zusammenfassung ... das *.pdf Dokument.
Falls TAISO jetzt ein "Geschmäckle" angeheftet wird (oder dem Taiiku & Taiso eh anhängt), dann geht der Schuß nach hinten los - so ist das mit Etiketten. Gerade heute benötigen wir positive Konnotierung(en).
^
Danke für die umfangreiche und hervorragend darstellende Zusammenfassung ... das *.pdf Dokument.
Re: TAISO
Also:
1)
Dass es im DJB auch Personen gibt, die eine hohe Sachkompetenz zu Kano und der Historie des Judo geben, habe ich ja nie und nirgends bestritten. Und natürlich kenne ich auch die verlinkten Artikel, ganz klar tolle Arbeit.
Wenn das das allgemeine Wissensniveau im DJB ist, sowohl der Funktionäre, Vorstände und erheblicher Anteile der Übenden, dann bitte ich natürlich vielfach um Entschuldigung. Ich hätte gedacht, das ist eher das Wissen einiger weniger, auch wenn es natürlich jeder lesen könnte. Im Karate z B bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie wenig auch der normale Dan-Träger meist von der Historie seiner KK weiß. Obwohl Henning mittlerweile mehr als fünf Bücher dazu veröffentlicht hat. Wenn das im DJB anders ist, um so besser.
Ein wenig wundert es mich dann allerdings, dass es auch hier im Judoforum so viele kontroverse Threads über die Politik, Agenden, Regularien etc des DJB gibt. Steht der DJB jetzt dem Gedankengut und der praktischen Lehre Kanos nahe oder nicht? Weil das Wissen um Kano und sein Judo, was er gemacht hat, was er wollte etc. wäre ja verfügbar.
2)
Habe ich weder Kano noch Taiso „ein Geschmäckle“ angehängt, sondern schlicht und einfach auf einen doch sehr omnipräsenten Zeitgeist der genannten Epochen hingewiesen. Und gefragt, ob man nicht etwas einseitig auf Tradition rekurriert, wenn man mehr oder weniger nur sagt, Gymnastik war bei Kano und zu seiner Zeit weit verbreitet, und wir knüpfen da jetzt wieder an.
Ich habe zugegebenermaßen auch nur wenig von Kanô gelesen, kenne das englische Mind over Muscle, natürlich das Werk von Andreas Niehaus, und habe mal bisschen in einer dreibändigen japanischen Werkausgabe von ihm gestochert. Etwas mehr habe ich mich mit der Bushidô-Ideologie seiner Zeit auseinander gesetzt. Aber ein Kenner bin ich da ganz sicher nicht. Ich denke mal nicht, dass Kano ein Ultranationalist war, aber wie stark sein Patriotismus ausgeprägt war, oder wie sehr oder wenig er mit anderen Aspekten der Kokutai- und Bushido-Ideologie seiner Zeit er konform gegangen ist, kann gerne wer anders mehr zu sagen! (Yannick? Chichorei?)
Beste Grüße,
Julian
1)
Dass es im DJB auch Personen gibt, die eine hohe Sachkompetenz zu Kano und der Historie des Judo geben, habe ich ja nie und nirgends bestritten. Und natürlich kenne ich auch die verlinkten Artikel, ganz klar tolle Arbeit.
Wenn das das allgemeine Wissensniveau im DJB ist, sowohl der Funktionäre, Vorstände und erheblicher Anteile der Übenden, dann bitte ich natürlich vielfach um Entschuldigung. Ich hätte gedacht, das ist eher das Wissen einiger weniger, auch wenn es natürlich jeder lesen könnte. Im Karate z B bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie wenig auch der normale Dan-Träger meist von der Historie seiner KK weiß. Obwohl Henning mittlerweile mehr als fünf Bücher dazu veröffentlicht hat. Wenn das im DJB anders ist, um so besser.
Ein wenig wundert es mich dann allerdings, dass es auch hier im Judoforum so viele kontroverse Threads über die Politik, Agenden, Regularien etc des DJB gibt. Steht der DJB jetzt dem Gedankengut und der praktischen Lehre Kanos nahe oder nicht? Weil das Wissen um Kano und sein Judo, was er gemacht hat, was er wollte etc. wäre ja verfügbar.
2)
Habe ich weder Kano noch Taiso „ein Geschmäckle“ angehängt, sondern schlicht und einfach auf einen doch sehr omnipräsenten Zeitgeist der genannten Epochen hingewiesen. Und gefragt, ob man nicht etwas einseitig auf Tradition rekurriert, wenn man mehr oder weniger nur sagt, Gymnastik war bei Kano und zu seiner Zeit weit verbreitet, und wir knüpfen da jetzt wieder an.
Ich habe zugegebenermaßen auch nur wenig von Kanô gelesen, kenne das englische Mind over Muscle, natürlich das Werk von Andreas Niehaus, und habe mal bisschen in einer dreibändigen japanischen Werkausgabe von ihm gestochert. Etwas mehr habe ich mich mit der Bushidô-Ideologie seiner Zeit auseinander gesetzt. Aber ein Kenner bin ich da ganz sicher nicht. Ich denke mal nicht, dass Kano ein Ultranationalist war, aber wie stark sein Patriotismus ausgeprägt war, oder wie sehr oder wenig er mit anderen Aspekten der Kokutai- und Bushido-Ideologie seiner Zeit er konform gegangen ist, kann gerne wer anders mehr zu sagen! (Yannick? Chichorei?)
Beste Grüße,
Julian
Re: TAISO
Nachtrag:
Habe jetzt gerade nochmal die Kapitel 17 und 18 des verlinkten PDF überflogen, und da sind ja viele der hier aufgeworfenen Fragen thematisiert.
Habe jetzt gerade nochmal die Kapitel 17 und 18 des verlinkten PDF überflogen, und da sind ja viele der hier aufgeworfenen Fragen thematisiert.
Der damalige Zeitgeist - 1890 bis 1950 (?)
Der Verweis auf die japanische Art der Bewegung und die damit verbundene Tradition war von den Initiatoren etwas ungünstig gewählt worden. Bilanziere ich, empfinde ich ... oder die Gruppierung wollte positiv polarisieren?.2)
Habe ich weder Kano noch Taiso „ein Geschmäckle“ angehängt, sondern schlicht und einfach auf einen doch sehr omnipräsenten Zeitgeist der genannten Epochen hingewiesen. Und gefragt, ob man nicht etwas einseitig auf Tradition rekurriert, wenn man mehr oder weniger nur sagt, Gymnastik war bei Kano und zu seiner Zeit weit verbreitet, und wir knüpfen da jetzt wieder an.
(...)
Die Angelegenheit mit dem Geschmäckle habe ich bewusst geschrieben, weil alleine der unausgesprochene Gedanke (bzw. die Frage nach den Netzwerken und Interessenlagen, auch des IOC und des Bündnisses) vor Jahrzehnten bereits aufkam.
Natürlich ist das alles Quatsch! Es existiert kein "Geschmäckle".
Die sehr umfang- u. aufschlussreiche Artikelserie von Wolfgang Dax-R. kenne ich seit langer Zeit, doch ich bin ganz bestimmt eine der berühmten Ausnahmen, bei mir findest Du zu Hause auch die (gelesenen) Werke von Hennig W. oder Heiko B. - und ich bin ja ein Judoka, nur sieht mein gegenwärtig praktiziertes Judo anders aus, es trägt auch einen anderen Namen, doch für mich ist alles automatisch Judo(!)
Grüße
HBt.
PS
Hoffen wir, dass die (moderne) 4te Säule regen Anklang findet.
Re: TAISO
Nun ja, in der letzten Zeit hat man bei uns ja einen alten Feind neu entdeckt, auch rhetorisch hört man aus offiziellem MundJulian hat geschrieben: 02.05.2026, 08:58 Allerdings scheint mir, den Zweck den die vermehrte Gymnastik im Japan der Meiji-, Taisho- und Showa-Zeit bis 1945 vorrangig erfüllen sollte, hat man dann doch lieber ausgeblendet. Die Stichworte sind Nationalismus und Militarisierung. Überhaupt beruft man sich hier mal auf Kano, aber wie viel Wissen über Kano, seine Zeit und seine Ideen hat man denn wirklich im DJB? Kano wollte, denke ich auch und vor allem. „den Volkskörper stärken“; alles Ideen, die bei uns ja nicht gerade hohes Ansehen genießen, um es mal vorsichtig auszudrücken.
wieder gewisse, noch vor einiger Zeit verpönte, Formulierungen und Phrasen ...
Vielleicht sollte der DJB mal ermitteln, wieviel mit Judobezug sich in (aktuellen u. ehemaligen) militärischen Körperertüchtigungs-Programmen wiederfindet und
ein Vorbereitungs-Programm auflegen, was die zukünftig sich freiwillig Verpflichteten entsprechend vorbereitet?
Und die hauseigenen Judowerte gehören m.E. auch so langsam mal dringend ergänzt um "Loyalität" u. mindestens "Wehrhaftigkeit" ...
Mit freundlichem Gruß
Fritz
Fritz
Die Tugend & das TAISO
Tüchtigkeit, also tüchtig & arbeitssamFritz hat geschrieben:(...)
die hauseigenen Judowerte gehören m.E. auch so langsam mal dringend ergänzt um "Loyalität" u. mindestens "Wehrhaftigkeit" ..
hast Du vergessen
Ich oute mich:
sollte ich die DJB-Judowerte aufsagen müssen, ich würde bei jeder Beförderungsstufe durchfallen und wegen Missachtung degradiert werden!
Schreiben wir sie also noch einmal nieder,
- Mut
Selbstbeherrschung
Hilfsbereitschaft
Ernsthaftigkeit
Ehrlichkeit
Bescheidenheit
Höflichkeit
Respekt
Wertschätzung
Im Grunde fehlt auch noch die Achtung, neben dem Respekt - redundante Vokabeln und Substantivierungen sind der Gleichen viele.
Gehorsamkeit
Disziplin
Sauberkeit
...
Von mir aus können wir den Kanon des abgenutzten BlaBlaBla's auch streichen. TAISO allerdings, hat reinigende Effekte, Schlacke wird mobilisiert und abtransportiert, manchmal auch nur ausgeschwitzt.
TAISO als Vorbereitungsseminar(e) ?!
Im digitalen, virtuellem Zeitalter führen "autonome Systeme, also Kampfroboter (zu Land, auf dem Wasser und in der Luft)" Krieg, KI wird uns immer mehr terrorisieren und vollständig verblöden.Fritz hat geschrieben:(...)
militärischen Körperertüchtigungs-Programmen wiederfindet und
ein Vorbereitungs-Programm auflegen, was die zukünftig sich freiwillig Verpflichteten entsprechend vorbereitet?
Mit Taiso (also dem Tun) könnte man auch der Verblödung etwas entgegenwirken.
Gemeinschaftliche, morgendliche Frühgymnastik auf dem Schulhof, erinnert doch bereits sehr stark an den Kasernenhof und den Formaldienst - ich fand es lustig und ebenfalls auch stupide, doch die Fernsteuerung mittels ausgerufener Befehle war ein echter Spaß ...
bloß ernst darf es nicht werden, (denn) dann kommt das große Erwachen, der Verlust und die Ernüchterung!
