Ach Josef...
Ich kann Dir sagen, wie es üblicherweise so abläuft...
Da beginnt man irgendwann mit dem Judo, durchläuft die Kyu-Grade und mit der Zeit
stellt man ernüchtert fest, daß es mit dem stinknormalen Wettkampf nicht so klappt
wie es soll, der Erfolg einfach ausbleibt. Sei es, weil man nicht der Typ dafür ist, sei es,
weil Verletzungen zuschlagen oder man ist schlicht zu alt (geworden), um mit den
jungen Athleten mitzuhalten. Aber irgendwie macht Judotraining trotzdem noch etwas
Spaß, nur ein wichtiges Ziel ist weg, einfach verschwunden...
Naja dann darf man halt zu Dan-Prüfung ran, die will man schließlich noch machen, nach all den Jahren...
Dort muß man sich dann mit etwas rumärgern, was Nage-No-Kata heißt. Da sind dann viele eigentümliche
Sachen enthalten, die man so nicht kennt, merkwürdige Schritte, merkwürdige Wurfvarianten, exotisches
Begrüßungs und Verabschiedungszeremoniell, sogar Schlagbewegungen usw. usf.
Das ist faszinierend. Und es wurde einem eingeredet N-n-K ist für die Meisterprüfung und zum
Demonstrieren vom Judo usw. usf. Oft mußte man sich einige Erkenntnisse mühsam aus
Büchern, Videos und ähnlichem selbst zusammensuchen, zu oft erzählen einem schwarzgürtlige,
gestandene Trainingskameraden komplett widersprüchliches...
Kurzum für die Vorführung bei der Prüfung wird jedenfalls tüchtig
geübt, das Training hat wieder einen Sinn... Prüfung wird bestanden...
Nun hat Nage-no-Kata aber einen gewaltigen Nachteil: Einer muß fallen - und je nach Technikverständnis auch schon
mal recht unangenehm... Und das will eigentlich niemand...
Also kommt kurz nach der Shodan-Prüfung oft erstmal ein Motivations-Loch.
Nach ner Weile klettert man da raus und stellt fest, oh das Programm für den zweiten Dan ist machbar und die verordnete
Minimal-Vorbereitungszeit ja auch überschaubar...
Und die Katame-No-Kata ist doch eigentlich noch exotischere Vorführung als die Nage-No-Kata.
Also wird mit gleichem Eifer genauso trainiert wie für die Nage-No-Kata, schließlich möchte man
für die Prüfung ja eine gute Vorführung abliefern.
Irgendwann bei dieser Beschäftigung mit den Kata lernt man das Konzept der Kata-Wettkämpfe kennen.
Dann hat man dann irgendwann den zweiten Dan.
Nun muß man nicht mehr unbedingt in ein Motivationsloch fallen, nein - Katame-No-Kata geht ja auch prima
ohne zu fallen, damit kann man ja sogar mal bei nem Kata-Wettkampf antreten, wo man es doch
für die Dan-Prüfung so schön einstudiert hatte.
Die ersten Ergebnisse dort sind ernüchternd, also heißt es "ranklotzen". Allerdings hat Katame-No-Kata
doch auch einen Nachteil: Man muß dort so merkwürdig auf dem Knie rumrutschen.
Das mag der eine mehr, der andere weniger. Aber hey, der Uke braucht die Rutscherei ja nicht zu machen...
Und zack, schon ist die Rollenverteilung klar. Und dann wird rangeklotzt, schließlich möchte man
ja bei der nächsten Vorführung schon besser aussehen als bei der letzten...
Alles in allem fühlt man dann, daß das Kata-Üben auch irgendwie was positives mit einem anrichtet...
Intensives Üben geht nicht spurlos vorbei, und die Griffpräzision steigt auch sicherlich auch, man kann sich plötzlich
Details merken, die einem vorher nicht auffielen usw. usf.
Nach ner Weile wird es aber trotzdem langweilig, immer nur Katame-No-Kata runterspulen, hochkonzentriert und ordentlich.
Aber hey, da hat man gelesen u. gehört, man könne ja auch andere Befreiungen ausprobieren, hey immer nur Rumrutschen
will man als Tori auch nicht, komm wir tauschen mal kurz die Rollen, wird schon gehen... Das bringt Abwechslung und
danach wird wieder rangeklotzt, für die nächste Meisterschaft...
So läuft das in der Regel ab. Hab ich alles schon mehr oder weniger so erlebt, möchte es auch nicht
mifune10dan
unterstellen, daß es auf ihn so unbedingt zutrifft
Grundübel ist in der Regel die Tatsache, daß sich bei uns in Deutschland Kata fast flächendeckend
als "Judodemonstration" verstanden wird und nicht als Trainingsinstrument analog Randori (was in einigen "Breitensportkreisen" ja auch
eher nicht gemocht wird). Kata wird - so kommt es mir vor - oft als separate "Disziplin" des Judosports gesehen und im allgemeinen
Verständnis den Dan-Graden zugeordnet...
Karate macht es ja so wunderschön vor: Da gibt es "Kumite-" und "Kata-Wettkämpfe"...
Und logisch, so wie es im Turnen oder Eiskunstlauf "Pflicht" u. "Kür" gibt, arbeitet man (laut englischen Judoforum) ja bereits
an der Idee, Judo-Show-Vorführungen zu etablieren (
http://judo.forumsmotion.com/t723-and-t ... -judo-show ).