Im Finale der Olympischen Spiele von Sydney griff D. Douillet seinen Gegner S. Shinohara mit Uchi-mata an, den dieser mit Uchi-mata-sukashi zu kontern versuchte. Douillet erhielt Yuko und wurde damit am Ende Olympiasieger.
Diese Entscheidung war eine der umstrittensten in der Geschichte des Wettkampfjudo, vor allem, weil die IJF-Kampfrichterkommission auf der Korrektheit des Urteils beharrte.
Auf YouTube ist nun eine hervorragende und überzeugende Analyse verfügbar, die dieses Urteil unter die Lupe nimmt.
Korrektur: beim weiteren Lesen bin ich darauf gestoßen, dass die IJF-Kamfrichterkommission später zum Ergebnis gekommen sein soll, dass es korrekt gewesen wäre, keine Wertung zu gegeben.
Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
Re: Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
Daß das Yuko ein Fehlurteil war, ist absolut klar.
Allerdings erwecken die Bilder gegenüber der tatsächlichen Situation auch einen falschen Eindruck.
Ein Ippon für den Japaner wäre ebenfalls sehr bedenklich, da Sinohara zum Schluß keine Kontrolle über Douillet
hatte .
Meiner Meinung nach hätte keiner der beiden eine Wertung verdient.
Allerdings erwecken die Bilder gegenüber der tatsächlichen Situation auch einen falschen Eindruck.
Ein Ippon für den Japaner wäre ebenfalls sehr bedenklich, da Sinohara zum Schluß keine Kontrolle über Douillet
hatte .
Meiner Meinung nach hätte keiner der beiden eine Wertung verdient.
Re: Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
Zunächst zur Entscheidung:
Definitiv kein Yuko für Douillet, sicherlich ist klar, dass es hier für den Franzosen keine Wertung geben kann.
Bei einer Wertung für Shinohara ist es da schon schwerer. Er verliert im Laufe des Konters die Kontrolle, nun ist die Frage wo genau.
Meiner Meinung nach ist die vollständige Wurfausführung bereits abgeschlossen und der Kontrollverlust geschieht im "Fallenlassen" von Douillet. Hier ist das Problem der gerechten Bewertung für solch eine Aktion. Kontrollverlust führt eigentlich auch zum Wertungsverlust für eine Technik. In diesem Fall würde ich es als gerecht empfinden, die Wertung um eins abzustufen. Also von Ippon auf Waza-ari.
Die Bildererklärung hingegen finde ich nicht wirklich gelungen. Da hat es der patriotische Japaner etwas übertrieben. So stark war Shinohara in dieser Situation nicht, so eindeutig ist diese Situation nicht und so schlecht ist Douillet auch nicht. Ich bin nicht wirklich vertraut mit den Regeln von 2000, aber was er alles anmeckert, wie unglaublich unfair Douillet gekämpft hat und daß er Judo, Olympia und Frankreich entehrt hat, das alles sehe ich nicht.
Nur meine bescheidene Meinung
Definitiv kein Yuko für Douillet, sicherlich ist klar, dass es hier für den Franzosen keine Wertung geben kann.
Bei einer Wertung für Shinohara ist es da schon schwerer. Er verliert im Laufe des Konters die Kontrolle, nun ist die Frage wo genau.
Meiner Meinung nach ist die vollständige Wurfausführung bereits abgeschlossen und der Kontrollverlust geschieht im "Fallenlassen" von Douillet. Hier ist das Problem der gerechten Bewertung für solch eine Aktion. Kontrollverlust führt eigentlich auch zum Wertungsverlust für eine Technik. In diesem Fall würde ich es als gerecht empfinden, die Wertung um eins abzustufen. Also von Ippon auf Waza-ari.
Die Bildererklärung hingegen finde ich nicht wirklich gelungen. Da hat es der patriotische Japaner etwas übertrieben. So stark war Shinohara in dieser Situation nicht, so eindeutig ist diese Situation nicht und so schlecht ist Douillet auch nicht. Ich bin nicht wirklich vertraut mit den Regeln von 2000, aber was er alles anmeckert, wie unglaublich unfair Douillet gekämpft hat und daß er Judo, Olympia und Frankreich entehrt hat, das alles sehe ich nicht.
Nur meine bescheidene Meinung
Re: Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
Ich weiß nicht, was ich gegeben hätte, wenn ich dort auf der Matte gestanden hätte.. vermutlich Ippon, aber ich weiß es nicht sicher.
Dass Shinohara in der Endphase nach rechts vorne kippt ist sicher eine Folge seines Druckes mit der linken Hand - das alte Gesetz von actio und reactio. Er hat ja keinen stabilen Stand mehr.
In den vergangenen 30 Jahren hat sich IMHO eine schleichende Entwertung des Ippon entwickelt. Damals hieß es strikt: Schwung, Kraft, Kontrolle und auf den Rücken. Auf dem Papier haben wir noch dieselben Kriterien, aber die Anwendung ist eine andere geworden, wie man am Vergleich mit alten Videos immer wieder beobachten kann. Vor 30 Jahren, wäre es wohl sicher kein Ippon gewesen.
Die Nebenkommentare finde ich im Übrigen auch absolut deplatziert. Meine positive Bewertung der Analyse bezog sich rein auf den technischen Aspekt.
Dass Shinohara in der Endphase nach rechts vorne kippt ist sicher eine Folge seines Druckes mit der linken Hand - das alte Gesetz von actio und reactio. Er hat ja keinen stabilen Stand mehr.
In den vergangenen 30 Jahren hat sich IMHO eine schleichende Entwertung des Ippon entwickelt. Damals hieß es strikt: Schwung, Kraft, Kontrolle und auf den Rücken. Auf dem Papier haben wir noch dieselben Kriterien, aber die Anwendung ist eine andere geworden, wie man am Vergleich mit alten Videos immer wieder beobachten kann. Vor 30 Jahren, wäre es wohl sicher kein Ippon gewesen.
Die Nebenkommentare finde ich im Übrigen auch absolut deplatziert. Meine positive Bewertung der Analyse bezog sich rein auf den technischen Aspekt.
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
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Re: Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
In dieser Richtung bin ich wohl ein recht strenger Kari. Ein Ippon muss schon wirklich ein Punkt (Knall->Bumm am besten) sein.
Der Entwertung wird aber nun wieder entgegengewirkt. So sollen die Kari bei seitlichem Fall und sofortigem Weiterrollen auf den Rücken einen Waza-ari geben und nicht, wie in letzter Zeit zu oft, Ippon.
In der Situation dieses Kampfes und aus der Sicht des Karis bei einmaliger Ansicht in Normalgeschwindigkeit hätte ich wohl auch einen Ippon gegeben.
Nach der 20. Zeitlupe ist fast alles eine Fehlentscheidung.
Der Entwertung wird aber nun wieder entgegengewirkt. So sollen die Kari bei seitlichem Fall und sofortigem Weiterrollen auf den Rücken einen Waza-ari geben und nicht, wie in letzter Zeit zu oft, Ippon.
In der Situation dieses Kampfes und aus der Sicht des Karis bei einmaliger Ansicht in Normalgeschwindigkeit hätte ich wohl auch einen Ippon gegeben.
Nach der 20. Zeitlupe ist fast alles eine Fehlentscheidung.
Re: Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
Ich weiß jetzt zwar nicht wo das steht,Korrektur: beim weiteren Lesen bin ich darauf gestoßen, dass die IJF-Kamfrichterkommission später zum Ergebnis gekommen sein soll, dass es korrekt gewesen wäre, keine Wertung zu gegeben.
aber ich würde empfehlen, das Video anzusehen, nicht die Bilder,
dann dürfte es eigentlich klar sein.
Da bin ich doch tatsächlich mal einer Meinung mit der IJF !?
Das Jahr fängt ja gut an !
Re: Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
Schon im Judo-Sport Journal Heft 25 (I/2001) wird das "Olympia-Drama des +100 kg-Finales im Bild" als Sequenz in 9 Fotos des englischen Fotografen Bob Willingham gezeigt und als "Flop" vorgestellt.
"Fehlentscheidung bei Olympia?
Die Kampfrichter waren sich nach dieser Aktion im olympischen Finale +100 kg nicht einig. War es Ippon für Shinohara, wie der Seitenrichter anzeigte, der rechts vom Fotografen saß oder Yuko für Douillet, wie der Hauptkampfrichter anzeigte, der links hinter dem Franzosen stand?
In Sydney erhielt der zweifelnde Douillet das kampfentscheidende Yuko für seinen Uchi-mata Ansatz, der jubelnde Shinohara keine Wertung für Uchi-mata-sukashi.
Die IJF-Kampfrichterkomission entschied später nach Studium der Videoaufnahmen: Wegen fehlender Wurfkontrolle häte es keine Wertung für beide geben dürfen.
Wir meinen, Entscheidungen, die nachträglich korrigiert werden müssen, sind ein Flop"
So weit der Text auf Seite 23 im Judo-Sport Journal.
Was mir wichtig ist festzuhalten:
1. Die Kampfrichter waren sich uneinig, was an den unterschiedlichen Blickrichtungen zum Geschehen (also den Positionen auf der Matte) gelegen haben kann.
2. Die Aktion war wirklich ziemlich schnell und die Unterschiede in der Landung nicht ganz leicht und klar auszumachen. Die ganze Aktion war in der Tat zweifelhaft.
3. Es ist auch nach mehrmaligem Studium der Fotosequenzen und der Videos nicht eindeutig auszumachen, vom wem welche "Wurf-"Aktion wann ausging und was bewirkt hat. Eindeutig ist nur, dass Douillet mit dem Uchi-mata Ansatz startete.
Ein wirklich fachkundiger deutscher Kampfrichter hat mir nach einer ähnlichen Aktion bei den Weltmeisterschaften 1989 in Belgrad (auch mit japanischer Beteiligung und Yamashita als Chefcoach!) einmal gesagt dass man einfach "keine Wertung" geben dürfe, wenn man sich nicht ganz sicher sei, wem man die Wertung zu geben habe (es ging um Uchi-mata-Ippon oder Yoko-guruma Ippon).
Das ist im Judo ganz sicher eine kluge Kampfrichter-Einstellung, die ich später einige Male - durchaus zufriedenstellend für alle Beteiligten - bei wichtigen Kämpfen gesehen habe. Warum man sich in diesem extrem prestiegeträchtigen Kampf nicht von dieser "Kampfrichterweisheit" leiten lies, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Aber genau dies war der "Flop" bei dieser Entscheidung.
Jupp
"Fehlentscheidung bei Olympia?
Die Kampfrichter waren sich nach dieser Aktion im olympischen Finale +100 kg nicht einig. War es Ippon für Shinohara, wie der Seitenrichter anzeigte, der rechts vom Fotografen saß oder Yuko für Douillet, wie der Hauptkampfrichter anzeigte, der links hinter dem Franzosen stand?
In Sydney erhielt der zweifelnde Douillet das kampfentscheidende Yuko für seinen Uchi-mata Ansatz, der jubelnde Shinohara keine Wertung für Uchi-mata-sukashi.
Die IJF-Kampfrichterkomission entschied später nach Studium der Videoaufnahmen: Wegen fehlender Wurfkontrolle häte es keine Wertung für beide geben dürfen.
Wir meinen, Entscheidungen, die nachträglich korrigiert werden müssen, sind ein Flop"
So weit der Text auf Seite 23 im Judo-Sport Journal.
Was mir wichtig ist festzuhalten:
1. Die Kampfrichter waren sich uneinig, was an den unterschiedlichen Blickrichtungen zum Geschehen (also den Positionen auf der Matte) gelegen haben kann.
2. Die Aktion war wirklich ziemlich schnell und die Unterschiede in der Landung nicht ganz leicht und klar auszumachen. Die ganze Aktion war in der Tat zweifelhaft.
3. Es ist auch nach mehrmaligem Studium der Fotosequenzen und der Videos nicht eindeutig auszumachen, vom wem welche "Wurf-"Aktion wann ausging und was bewirkt hat. Eindeutig ist nur, dass Douillet mit dem Uchi-mata Ansatz startete.
Ein wirklich fachkundiger deutscher Kampfrichter hat mir nach einer ähnlichen Aktion bei den Weltmeisterschaften 1989 in Belgrad (auch mit japanischer Beteiligung und Yamashita als Chefcoach!) einmal gesagt dass man einfach "keine Wertung" geben dürfe, wenn man sich nicht ganz sicher sei, wem man die Wertung zu geben habe (es ging um Uchi-mata-Ippon oder Yoko-guruma Ippon).
Das ist im Judo ganz sicher eine kluge Kampfrichter-Einstellung, die ich später einige Male - durchaus zufriedenstellend für alle Beteiligten - bei wichtigen Kämpfen gesehen habe. Warum man sich in diesem extrem prestiegeträchtigen Kampf nicht von dieser "Kampfrichterweisheit" leiten lies, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Aber genau dies war der "Flop" bei dieser Entscheidung.
Jupp
Re: Uchi-mata-sukashi (Shinohara vs Douillet)
Ein weiterer Flop der mir noch aufgefallen ist, ist auch, dass sich die Kampfrichter in dieser Situation nicht beraten haben, obwohl unterschiedliche Wertung auf beiden Seiten möglich waren. In so einer Situation sollte man sich bei drei Kampfrichtern eigentlich immer beraten.
