Judo als Selbstverteidigung geeignet?
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Holger König
- 2. Dan Träger

- Beiträge: 567
- Registriert: 13.02.2009, 00:36
Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?
Der Angreifer müßte im Nachhinein beweisen, daß er den Angriff früh genug abbrechen wollte, um nicht den Eindruck eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs zu erwecken. Darüber hinaus gibt es auch die "Notwehr im Rechtfertigungsirrtum", die solch eine Situation genauso abdeckt, wie z.B. daß sich erst im Nachinein erweist, daß zwei glatzköpfige Typen, die scheinbar einen Ausländer verprügeln, Polizisten sind, die einen Verdächtigen festnehmen wollen.
Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?
Ich glaube, diese Frage wird sich nie abschließend beantworten lassen.
Wie sich Selbstverteidigungssituationen lösen lassen, hängt von so vielen Faktoren ab, (z.B. Überraschungselement, Schrecksekunde, Mentalität, Alkoholpegel, Ort, Trainingslevel der Angreifer und Verteidigung und...und...), dass es in einem Dojo unmöglich ist, sich auf alles einzustellen, egal welche Kampfkunst man trainiert.
Doch wir sollten einen wichtigen Aspekt bedenken: Wir Judoka haben vielleicht nicht die nickeligsten oder effektivsten Atemitechniken im Programm, aber wir haben einen großen Vorteil! Als einzige Kampfsportler trainieren wir unseren Techniken genauso so, wie sie angewendet werden. Wir stoppen keinen Schlag vor dem Körper ab, wir tragen keine Handschuhe oder Masken, sondern wissen ganz genau, was unsere Techniken bewirken. Noch dazu verfügen Judoka bei regelmäßigem Training über hervorragende Physis und können im Notfall einiges einstecken.
Das alles ist viel wert und hebt uns von anderen Kampfsystemen ab.
Ich würde nie so weit gehen, jemandem ein Kampfsystem zur Selbstverteidigung zu empfehlen, aber ich kann sagen, auch aus eigener Erfahrung in gefährlichen Situationen, dass sich ein gut trainierter Judoka nicht verstecken muss.
Wie sich Selbstverteidigungssituationen lösen lassen, hängt von so vielen Faktoren ab, (z.B. Überraschungselement, Schrecksekunde, Mentalität, Alkoholpegel, Ort, Trainingslevel der Angreifer und Verteidigung und...und...), dass es in einem Dojo unmöglich ist, sich auf alles einzustellen, egal welche Kampfkunst man trainiert.
Doch wir sollten einen wichtigen Aspekt bedenken: Wir Judoka haben vielleicht nicht die nickeligsten oder effektivsten Atemitechniken im Programm, aber wir haben einen großen Vorteil! Als einzige Kampfsportler trainieren wir unseren Techniken genauso so, wie sie angewendet werden. Wir stoppen keinen Schlag vor dem Körper ab, wir tragen keine Handschuhe oder Masken, sondern wissen ganz genau, was unsere Techniken bewirken. Noch dazu verfügen Judoka bei regelmäßigem Training über hervorragende Physis und können im Notfall einiges einstecken.
Das alles ist viel wert und hebt uns von anderen Kampfsystemen ab.
Ich würde nie so weit gehen, jemandem ein Kampfsystem zur Selbstverteidigung zu empfehlen, aber ich kann sagen, auch aus eigener Erfahrung in gefährlichen Situationen, dass sich ein gut trainierter Judoka nicht verstecken muss.
Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?
Hmm, Du glaubst also, daß bei Sambo, BJJ, Ringen, Kyokushinkai-Karate dies anders gehandhabt wird?Popeye hat geschrieben: 30.09.2017, 21:04Als einzige Kampfsportler trainieren wir unseren Techniken genauso so, wie sie angewendet werden.
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
Mit freundlichem Gruß
Fritz
Fritz
Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?
hui, da gibts ja ordentlich was zu lernen,
ich hab auf meiner Webseite https://www.???.com/ nur einen kurzen Absatz über judo, das wird sich demnächst ändern
ich hab auf meiner Webseite https://www.???.com/ nur einen kurzen Absatz über judo, das wird sich demnächst ändern
Zuletzt geändert von tutor! am 02.11.2017, 00:39, insgesamt 1-mal geändert.
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PizzaLover
- Weiß Gurt Träger

- Beiträge: 3
- Registriert: 10.06.2025, 10:11
Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?
Das ist ein wirklich klassischer und wichtiger Diskussionspunkt über Kampfkünste und Selbstverteidigung. Die Bedenken bezüglich der Anwendung in der realen Welt sind berechtigt, und es ist gut, kritisch darüber nachzudenken.
Hier ist eine Perspektive:
Judo als Selbstverteidigung (Allgemein): Judo ist unglaublich effektiv zur Selbstverteidigung, sobald man jemanden in den Griff bekommt. Sein Fokus auf Würfe, Feger, Gelenkhebel und Würgegriffe dreht sich alles um Kontrolle und darum, eine Konfrontation im Nahkampf schnell zu beenden. Es lehrt Gleichgewicht, Hebelwirkung und wie man die Dynamik eines Gegners gegen ihn einsetzt, was grundlegende Selbstverteidigungsfähigkeiten sind.
Anwendung ohne spezifisches Selbstverteidigungstraining: Wenn man nur Sportjudo betrieben hat, kann die Anwendung in einem chaotischen Straßenkampf schwierig sein, ohne sich anzupassen. Sportjudo hat Regeln (keine Schläge, bestimmte Griffe), die auf der Straße nicht gelten. Die Kernprinzipien wie Fallschule (Ukemi), Gleichgewichtsstörung und das Verständnis, wie man sicher fällt, sind jedoch enorm vorteilhaft. Um Würfe effektiv anzuwenden, müsste man das Anpassen der Techniken an ein "regelloses" Szenario trainieren.
Chance gegen einen Schläger / Nähe herstellen: Es stimmt, dass es schwierig sein kann, näher heranzukommen, wenn jemand Abstand hält und nur wilde Schläge austeilt. Das ist Judos primäre "Schwäche" im Vergleich zu Schlagkampfkünsten wie Boxen oder Muay Thai. Allerdings eskalieren viele Straßenkämpfe schnell zu Clinches, Grappling oder fallen auf den Boden. Hier glänzt ein Judoka. Wenn man diese Lücke überbrücken kann, ist man in einer sehr starken Position.

Hier ist eine Perspektive:
Judo als Selbstverteidigung (Allgemein): Judo ist unglaublich effektiv zur Selbstverteidigung, sobald man jemanden in den Griff bekommt. Sein Fokus auf Würfe, Feger, Gelenkhebel und Würgegriffe dreht sich alles um Kontrolle und darum, eine Konfrontation im Nahkampf schnell zu beenden. Es lehrt Gleichgewicht, Hebelwirkung und wie man die Dynamik eines Gegners gegen ihn einsetzt, was grundlegende Selbstverteidigungsfähigkeiten sind.
Anwendung ohne spezifisches Selbstverteidigungstraining: Wenn man nur Sportjudo betrieben hat, kann die Anwendung in einem chaotischen Straßenkampf schwierig sein, ohne sich anzupassen. Sportjudo hat Regeln (keine Schläge, bestimmte Griffe), die auf der Straße nicht gelten. Die Kernprinzipien wie Fallschule (Ukemi), Gleichgewichtsstörung und das Verständnis, wie man sicher fällt, sind jedoch enorm vorteilhaft. Um Würfe effektiv anzuwenden, müsste man das Anpassen der Techniken an ein "regelloses" Szenario trainieren.
Chance gegen einen Schläger / Nähe herstellen: Es stimmt, dass es schwierig sein kann, näher heranzukommen, wenn jemand Abstand hält und nur wilde Schläge austeilt. Das ist Judos primäre "Schwäche" im Vergleich zu Schlagkampfkünsten wie Boxen oder Muay Thai. Allerdings eskalieren viele Straßenkämpfe schnell zu Clinches, Grappling oder fallen auf den Boden. Hier glänzt ein Judoka. Wenn man diese Lücke überbrücken kann, ist man in einer sehr starken Position.
Judo ist der sanfte Weg. Für das sanfte Licht am Abend sorge ich hier.
Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?
Ich finde, die Frage, ob Judo als Selbstverteidigung geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Natürlich ist Judo in erster Linie ein Wettkampfsport mit klaren Regeln, aber die Grundprinzipien wie Gleichgewicht stören, Hebelwirkung und Kontrolle eines Gegners sind auch außerhalb der Matte sehr wertvoll. Ein gut trainierter Judoka weiß, wie man einen Gegner festhält, ins Gleichgewicht bringt und kontrolliert – das kann in realen Situationen definitiv helfen.
Allerdings muss man auch ehrlich sagen: Ein reiner Sportjudo-Ansatz ohne spezifisches Selbstverteidigungstraining berücksichtigt nicht die Realität eines Straßenkampfs, bei dem Schläge, Tritte oder unerwartete Situationen auftreten. Deshalb würde ich empfehlen, zusätzlich zu klassischem Judo auch Selbstverteidigungselemente zu üben, die über das sportliche Regelwerk hinausgehen.
Meiner Erfahrung nach bringt Judo aber auf jeden Fall viele technische und mentale Vorteile mit sich, die in echten Konfliktsituationen eine wichtige Rolle spielen können – vor allem, wenn man gelernt hat, seine Technik schnell und bewusst anzuwenden.
Allerdings muss man auch ehrlich sagen: Ein reiner Sportjudo-Ansatz ohne spezifisches Selbstverteidigungstraining berücksichtigt nicht die Realität eines Straßenkampfs, bei dem Schläge, Tritte oder unerwartete Situationen auftreten. Deshalb würde ich empfehlen, zusätzlich zu klassischem Judo auch Selbstverteidigungselemente zu üben, die über das sportliche Regelwerk hinausgehen.
Meiner Erfahrung nach bringt Judo aber auf jeden Fall viele technische und mentale Vorteile mit sich, die in echten Konfliktsituationen eine wichtige Rolle spielen können – vor allem, wenn man gelernt hat, seine Technik schnell und bewusst anzuwenden.
