Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Hier könnt ihr alles posten was mit Judo zu tun hat

pmhausen

Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von pmhausen »

HBt. hat geschrieben:Liebe Eltern,
jedes auch noch so schöne Programm oder Parole..., welches ich mir auf die Fahne schreibe, ist nichts weiter als Makulatur.

Habe fertig. Aufwachen bitte.
Helge, Du schreibst schon wieder Koans. Was bitte möchtest Du sagen?

Danke,
Patrick
Lin Chung
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von Lin Chung »

Ganz einfach. Alles, was man glaubt, neu erfunden zu haben, gab oder gibt es schon in den KKsten.

Weiter: diese Regeln und die noch kommenden machen aus dem Judo ein Ringen.
Grüße
Norbert Bosse
ボッセ・ノルベルト

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pmhausen

Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von pmhausen »

Lin Chung hat geschrieben:Ganz einfach. Alles, was man glaubt, neu erfunden zu haben, gab oder gibt es schon in den KKsten.
"Das Neue ist nur das Alte, das in Vergessenheit geriet." Jigoro Kano.

Gruß,
Patrick
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Hofi
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von Hofi »

HBt. hat geschrieben:
Hofi hat geschrieben:Ich hab als 81er zweimal im Schwergewicht (+90) gekämpft, einmal hatte ich einen 130-Kilo-Mann, der wunderschön auf Ko-Soto links gefallen ist, beim zweiten mal haben die andern einen 66er zu mir reingestellt, der mich erwischt hat.
Der 130 Kg schwere Gegner ist also mit einer "kleinen Technik" Ippon gefallen, ja? Warum ist er nicht mit Morote-Seoi-nage auf Ippon "eingeschlagen"? Immerhin schon eine deutliche Massendifferenz (130kg - 81kg), wie trainierst Du dieses Können? Wie trainieren Deine kleinsten Üblinge diese Kompetenz? In der allgemein üblichen Art und Weise? Ja, dann ist das vorsätzl...

Grüßle und nicht gleich wieder böse werden ;) .
Muss ich die Frage jetzt verstehen? Warum ist er mit Ko-soto-gari Ippon gefallen? Weil es sich so aus der Situation ergeben hat, er hat angegriffen und ich konnte (mit etwas Glück und ein bißchen Erfahrung) seine Bewegung so umlenken, dass er voll auf dem Rücken gelandet ist. Warum ist er nicht auf Morote-seoi-nage gefallen? Weil, obwohl es meine Spezial-Technik ist, ich nicht ideal unter ihn reingekommen bin, wobei hier eher ein Seoi-otoshi angebracht wäre, da ich so schwere Gegner nur ungern auflade. Meine Kleinsten üben nicht mit 130kg-Partnern ;)
Bis dann
Hofi
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Heimat ist dort, wo man von der Dorfbevölkerung, die einen duzt, gelyncht wird.
HBt.

Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von HBt. »

Hofi hat geschrieben:(..)da ich so schwere Gegner nur ungern auflade
Lieber Hofi,
hiermit hast Du die Antwort auf meine versteckte Frage selber gegeben, Entschuldigung und Danke. Im Klartext: beim Morote-Seoinage, eine Handtechnik, lädt man den Gegner nicht auf.
Hofi hat geschrieben:Weil, obwohl es meine Spezial-Technik ist, ich nicht ideal unter ihn reingekommen bin,(..)
Obwohl es sich um Deine Tokui-waza handelt, ist Dir nicht bewußt, was Du dir mit Deiner Form (siehe JM 3/10, form follows function, v. Ulrich Klocke, 7. Dan) wahrscheinlich antust :dontknow (ich mutmaße, kenne Dich ja nicht).

Was haben meine Außführungen mit dem Topic zu tun? Im traditionellen Kodokan Judo, die "alten Männer" wären nie auf die Idee gekommen aufzuladen, anzureißen ...

Beste Grüße
Helge

PS Lieber Hofi,
möchtest Du dieses Thema mit mir vertiefen, dann schick mir bitte ein E-Mail.
HBt.

Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von HBt. »

Kleinsten üben nicht mit 130kg-Partnern ;) .
Löblich und allgemein verständlich.

Ich habe am letzten Samstag und Sonntag mehrfach gesehen, wie "Mädchen und Jungs" einen +100kg Mann spielend mit folgenden Techniken warfen.
- Tai otoshi
- Uki otoshi
- O goshi
- Uki goshi
(..)
- Harai goshi

Alles nur eine Frage der Ausführung versteht sich ;). Traditionell oder einfach nur richtig :alright.
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Fettzi
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von Fettzi »

ach Mensch...
Bevor das hier wieder zu einem Disput über das für und wieder der sog. "Weiterentwicklung" und somit wieder auf die Frage: Tradition, wie wichtig ist sie? hinausläuft, sollten wir vll. klären, was der große Unterschied zw. den Regeln ist und aus welchem Grund sich der Kodokan dazu entschlossen hat.
Und dann sollten wir alle einmal daran denken, was wir wollen. Ob es nicht vll. sinnvoll ist, Regeln für den WK einzuführen, vor allem für Kinder/Jugendliche.
Und ehe hier wieder ein Aufschrei rum geht, Judo ist nicht nur WK. Das ist mittlerweile, glaub ich, so gut wie jedem in diesem Forum klar. Aber woher wissen wir denn, ob die Kodokan-Regeln jetzt "verboten" sind oder ob es nicht eher vielmehr eine Vereinheitlichung der WK-Regel ist und der Kodokan sich wieder mehr auf die anderen Dinge im Judo konzentrieren will, für WK's und deren Ausrichtung gibt es ja die IJF.
Wäre das für den Judosport nicht förderlich, wenn der Kodokan nicht mehr versucht, im Regelwerk rumzurühren, sondern sich lieber wieder auf die anderen Dinge konzentriert?
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Fritz
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von Fritz »

@otsche: Nun sind ja ein paar Verweise angeführt worden, wo etwas zu den Kodokan-Regeln steht.

Nebenbei: Der Aufhänger war nicht, daß der Kodokan die IJF Regeln übernimmt, sondern daß
die "The All Japan Judo Federation" nicht mehr die Kodokan-Regel benutzt, sondern die IJF-Regeln.

D.h. für den japanischen Judoverband ist nicht mehr der
Kodokan hinsichtlich der Regeln bindend, sondern halt die IJF. Und das hat einen gewissen Symbolgehalt.
"Interessant" wird es wahrscheinlich bei Wettkämpfen, die der Kodokan selbst ausrichtet.

Der Kodokan versucht auch nicht, im Regelwerk rumzurühren,
sondern die IJF rührt im Regelwerk herum, welches ursprünglich im Kodokan unter Kanos Federführung entstand.
(Der Kodokan hat dann allerdings in Folge dessen, sein Regelwerk gelegentlich an das der IJF angenähert...)
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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judoka50
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von judoka50 »

In meinen Augen ist die alleinige Ausprägung Sportjudo, in der derzeitigen Form, mit unqualifizierten ÜL/TR, die keine Ahnung haben, vorsätzliche Körperverletzung.
Das kannst Du aus Deiner inzwischen einseitigen Denkweise beurteilen. Ich glaube nicht, dass Du qualifiziert genug bist, damit meine ich nicht Deine persönliche Reife, sondern die Tatsache, dass Dir definitiv nicht die Trainingsgeflogenheiten der überwiegenden Mehrzahl der ÜL im DJB bekannt sind.
Aus deiner nunmehr auf Tradition begrenzten Denkweise versuche ich es zu verstehen, allerdings würde bei Deiner oberflächlichen Interpretation dies
jedes auch noch so schöne Programm oder Parole..., welches ich mir auf die Fahne schreibe, ist nichts weiter als Makulatur.
nicht im Gegenzuge auch auf Deine Denkweise zutreffen.

Insofern finde ich es langsam zum k........, dass hier immer von den gleichen Leuten jegliche "Änderungen" betreffend das nach deren Meinung nur noch auf "Sportjudo" beschränkte Judo ausgeschlachtet wird, nur um das Fähnchen der Traditionalisten mal wieder ein wenig im Wind schaukeln zu lassen. Siehe insoweit auch die anpreisenden Berichte des allein glücklich machenden und mit dem Alleinvertretungsanspruch versehenen Judo aus dem hohen Norden zu lobpreisen.
Seltsam ist, außer natürlich nun mit diesem kurzen Einwand, dass dies von den "Sportjudoka" und das dürften vermutlich die Mehrheit hier im Forum sein, umgekehrt Kritiken ausbleiben. Haben die, bzw. wir verstanden, dass es tatsächlich unter dem Dach des Judo zwei Dinge gibt, die man gleichzeitig betreiben kann. Tradition und Wettkampf - vielleicht solltet ihr das auch einmal versuchen, bzw. wenn es um Sportjudo geht, einfach mal nichts dazu schreiben, da es euch ja eh nicht interessiert.
Ich habe am letzten Samstag und Sonntag mehrfach gesehen, wie "Mädchen und Jungs" einen +100kg Mann spielend mit folgenden Techniken warfen.
- Tai otoshi
- Uki otoshi
- O goshi
- Uki goshi
(..)
- Harai goshi
Alles nur eine Frage der Ausführung versteht sich . Traditionell oder einfach nur richtig ..
Insbesondere meine ich damit solche unsinnigen Abschweifungen vom eigentlichen Thema, die nichts als ein wenig Wind für ein Fähnchen machen.
______________________
Denn in diesem Zusammenhang habe ich bisher auch nicht herausgelesen, dass der Kodokan seine Traditionen verabschiedet hat. Er gibt für mich derzeit nur sein OK zu Internationalen Wettkampfregeln, an deren Ausführung und Handhabung man auch weiterhin, bzw. nunmehr mit anderen Ländern zusammen beteiligt ist.
Nebenbei: Der Aufhänger war nicht, daß der Kodokan die IJF Regeln übernimmt, sondern daß
die "The All Japan Judo Federation" nicht mehr die Kodokan-Regel benutzt, sondern die IJF-Regeln.
D.h. für den japanischen Judoverband ist nicht mehr der Kodokan hinsichtlich der Regeln bindend, sondern halt die IJF. Und das hat einen gewissen Symbolgehalt."Interessant" wird es wahrscheinlich bei Wettkämpfen, die der Kodokan selbst ausrichtet. Der Kodokan versucht auch nicht, im Regelwerk rumzurühren, sondern die IJF rührt im Regelwerk herum, welches ursprünglich im Kodokan unter Kanos Federführung entstand.
(Der Kodokan hat dann allerdings in Folge dessen, sein Regelwerk gelegentlich an das der IJF angenähert...)
Wenn man darin einen Symbolgehalt sehen möchte, ist das die eigene Perspektive – bisher habe ich noch nichts gelesen, dass man aufgrund der Anpassung an die IJF die Traditionen des Judo über Bord wirft. So europäisch oder deutsch sind die Japaner bestimmt nicht, so können mit Scheuklappen versehene deutsche Judoka nur denken.
Und dann sollten wir alle einmal daran denken, was wir wollen. Ob es nicht vll. sinnvoll ist, Regeln für den WK einzuführen, vor allem für Kinder/Jugendliche.
Und ehe hier wieder ein Aufschrei rum geht, Judo ist nicht nur WK. Das ist mittlerweile, glaub ich, so gut wie jedem in diesem Forum klar. Aber woher wissen wir denn, ob die Kodokan-Regeln jetzt "verboten" sind oder ob es nicht eher vielmehr eine Vereinheitlichung der WK-Regel ist und der Kodokan sich wieder mehr auf die anderen Dinge im Judo konzentrieren will, für WK's und deren Ausrichtung gibt es ja die IJF.
Eben diese Sichtweise ist gut.
Viele Grüße
U d o
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von Hofi »

@ HBt. Meine voraussichtlich letzte Antwort auf irgendein Post von Dir.
Ich sehe meine Variante des Seoi-nage (oder umgangssprachlich Morote-soei-nage) in ziemlichem Einklang mit den Ausführungen im Buch von Daigo. Sollte es in einem meiner Posts zu einer aus Deiner Sicht sprachlichen Ungenauigkeit gekommen sein, so bitte ich untertänigst um Vergebung.
Zum eigentlichen Thema ist denke ich so ziemlich das wesentliche gesagt.
Bis dann
Hofi
edit: ein kleines Zitat aus der deutschen Ausgabe des Daigo-Buches, welches ich mir nicht verkneifen kann auf S.35:
Unter Seoi-nae versteht man Techniken der folgenden oder ähnlichen Art: Tori bringt Uke genau nach vorne oder nach schräg rechts (bzw. links) vorne aus dem Gleichgewicht, bringt seinen rechten (bzw. linken Ellenbogen unter Ukes rechte (bzw. linke) Achselhöhle, lädt Uke hinten auf seinen Rücken auf und wirft ihn über die rechte (bzw. linke) Schulter.
Aber vielleicht sollte Daigo ja mal ein paar Stunden bei Helge nehmen, um zu lernen wie es richtig geht.
Zuletzt geändert von Hofi am 24.03.2010, 16:22, insgesamt 1-mal geändert.
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Heimat ist dort, wo man von der Dorfbevölkerung, die einen duzt, gelyncht wird.
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Shinbashi
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von Shinbashi »

@judoka50: Warum muß jetzt wieder das Kodokan-Jûdô vs. Sportjudo angefacht werden?
Es ist doch legitim, daß die Traditionalisten darauf hinweisen, daß die Techniken und Wurfprinzipien im Ursprung anders ausgeführt als heute aber dennoch erfolgreich angewendet wurden.
Warum ist z.B. der Tai-Otoshi als Te-Waza benannt? Bisher wurde dieser mir mit quasi "Balletteinlage" (Kawaishi) und Blockieren des gegnerischen Beins unterhalb des Knies beigebracht.
Daß der im Ursprung ganz anders ausgeführt wird und auch funktioniert, kann man eben bei den "bösen Buben aus dem Norden" und auch bei alten Meistern lernen, die das Glück hatten bei Meistern des Kodokan lernen zu dürfen.
Stellenweise hat sich eben Murks eingeschlichen und das muß man erkennen und abstellen.
Daß die Sportjudoka keine Kritik äußern, liegt daran, dass es ihnen egal ist, da ja sowieso über die Köpfe hinweg entschieden wird. Warum gab es denn die Regeländerungen in der Vergangenheit? Weil plötzlich böse Osteuropäer mit Jûdô-Techniken kamen, die im Westen schon vergessen waren. Abtaucher, Beinfasstechniken etc. ist doch alles nichts Neues.
Nur ist es eben unangenehm und man findet schlecht eine Anwort darauf.

Wenn also der japanische Judoverband sich von den Kodokan-Regeln abwendet, ist das ein Bruch mit der Tradition.
Das da die Traditionalisten aufschreien, ist nur logisch.
Gruß
Shinbashi

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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von judoka50 »

@judoka50: Warum muß jetzt wieder das Kodokan-Jûdô vs. Sportjudo angefacht werden?
Die Frage solltest Du nicht an mich richten. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass in diesem Faden wieder alles in diese Richtung läuft......
Warum ist z.B. der Tai-Otoshi als Te-Waza benannt ? Bisher wurde dieser mir mit quasi "Balletteinlage" (Kawaishi) und Blockieren des gegnerischen Beins unterhalb des Knies beigebracht.
Auch das ist ein Unterstellung, die einfach global für alle gemacht wurde, nur weil es Dir vermutlich anders beigebracht wurde. Ich kenne ihn seit Jahrzehnten als Te-waza und er wird auch bei uns so unterrichtet. Wie in anderen Fäden schon oftmals durchdiskutiert, tauchen halt in Deutschland immer wieder Fehlinterpretationen auf, weil wir hier versuchen die Würfe in bestimmte Gruppen zu packen und weil viele versuchten, die Bilder in den Lehrbüchern zu interpretieren. So war es halt, dass der eine oder andere Wurf sogar in verschiedene Bereiche gleichzeitig eingeordnet wurde - und das ist es was dann halt hier, wie früher auch bei
Dan-Prüfungen zu Debatten geführt hat. Aber das bedeutet einfach nicht, dass er überall im DJB falsch unterrichtet wurde......
Stellenweise hat sich eben Murks eingeschlichen und das muß man erkennen und abstellen.
Insofern ist es dann schon gut, wenn man mal dezent darauf hinweist. Aber leider wird diese Grenze von einigen einfach überschritten.
(Dabei muss ich inzwischen Tom loben, da er diese Linie (gegenüber seiner früheren härteren Gangart) überwiegend beherzigt. Können einige andere noch von ihm lernen.)
Viele Grüße
U d o
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von kastow »

Shinbashi hat geschrieben:Wenn also der japanische Judoverband sich von den Kodokan-Regeln abwendet, ist das ein Bruch mit der Tradition.
Das da die Traditionalisten aufschreien, ist nur logisch.
Vielleicht ist das ja auch der Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Japaner mit dem jetzigen Regelwerk zufrieden sind.

Übrigens werden die Kôdôkan-Regeln in den bisher verlinkten Seiten nicht aufgeführt. Die eine Seite ist wohl nicht mehr aktuell, die andere Seite schildert eher - durchaus lesenswerte - persönliche Eindrücke, also die Folgen der Anwendung von Kôdôkan-Regeln als diese selbst sowie eine spezielle Turnierform der Universitäten. Darum wäre eine Vorstellung der Kôdôkan-Regeln an dieser Stelle meines Erachtens nach wie vor nötig, um überhaupt weiter zu diskutieren.
Shinbashi hat geschrieben:Es ist doch legitim, daß die Traditionalisten darauf hinweisen, daß die Techniken und Wurfprinzipien im Ursprung anders ausgeführt als heute aber dennoch erfolgreich angewendet wurden.
[...]Stellenweise hat sich eben Murks eingeschlichen und das muß man erkennen und abstellen.
Ist dir schon einmal der Gedanke gekommen, dass du vielleicht an dieser Stelle nur deine persönlichen Erfahrungen pauschalisierst? So wie ich mein Training bei Tom und seinen Schülern erlebt habe, wird dort sicherlich gutes Jûdô geboten. Allerdings konnte ich aufgrund dieses Trainings auch erkennen, dass auch in meiner mittelbaren Nähe gute Jûdô-Lehrer ähnlich effektiv und sinnvoll unterrichten. (Danke an Georg und Tom, vorher wären mir diese Leute wohl nicht so bewusst aufgefallen) Vielleicht sollten wir kleinen Lichter nicht unsere bisherigen eigenen bescheidenen Jûdô-Erfahrungen und unser bisheriges Training in kleinen Provinz-Vereinen mit "dem DJB-Jûdô" gleichsetzen. Das ist jetzt vielleicht harter Tobak für das eigene Ego, sollte an dieser Stelle aber auch in Erwägung gezogen werden.

Kleine Denkaufgabe zu Schluss: Wenn bereits Regeländerungen im unwichtigen Wettkampf bei Traditionalisten zum Aufschei führen, um wieviel schlimmer ist es dann, wenn 'Kôdôkan-Jûdô' zu 'Kodôkan-Jûdô' verändert wird?

Edit: Judoka50 hat mich eingeholt
Herzliche Grüße,

kastow

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Kodokan-Regeln <-> IJF-Regeln

Beitrag von Reaktivator »

.
Weil die Frage an mich gerichtet wurde:

1) Ich habe zwar die Kodokan-Wettkampfregeln auf Japanisch vorliegen - aber leider nicht in einer aktuellen Version auf Englisch.

2) Eine ältere Version der Regeln findet sich auf Englisch z.B. in "Illustrated Kodokan Judo" (S. 280-290).

3) Die IJF hat meines Wissens erstmalig 1967 überhaupt eigene Regeln erlassen - bis dahin galten international die Kodokan-Regeln (s. Pkt. 2).

4) Seit dem Erlass eigener Regeln (s. Pkt. 3) hat die IJF bekanntlich immer wieder daran herumgeschraubt - und in einigen gravierenden Fällen hat der Kodokan dann seine eigenen Regeln "nachjustiert", um die Diskrepanz nicht zu groß werden zu lassen. (Nachzulesen am Beispiel des "Daki-age" im "deutschen Daigo", S. 275-276).
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von Fritz »

kastow hat geschrieben:Vielleicht ist das ja auch der Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Japaner mit dem jetzigen Regelwerk zufrieden sind.
Dazu hätte dann eben auch ein "Nachjustieren" (wie von Reaktivator unter Punkt 4) angeführt) genügt...
Mit freundlichem Gruß

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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von kastow »

Interessant, nicht wahr? Anscheinend sehen die Japaner genau das anders: kein nachjustieren, komplette Übernahme! Leider findet sich bisher keine Begründung zu diesem Schritt. Das ist der Punkt, der mich am meisten interessiert.
Herzliche Grüße,

kastow

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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von tom herold »

Lieber Kastow,
so naiv bist du doch nun wirklich nicht!
;)

Die Übernahme der IJF-Regeln (Reaktivator kam mir zuvor mit dem Hinweis auf "Illustratred Kôdôkan Jûdô") in Japan dürfte u.a. (sport)politische Gründe haben.
Ob man das nun gut oder nicht gut findet, sei dahingestellt.

Ich frage mich allerdings nach wie vor, warum man nicht wenigstens versucht, die Regeln von bspw. 1906 zu "reaktivieren". ;)

FG
Tom
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von kastow »

Genau darauf zielte mein letzter Beitrag. Zu welchem Preis wurden die Regeln übernommen? Denn umsonst geschieht in der Politik bekanntlich nichts.
Herzliche Grüße,

kastow

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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von tom herold »

Ich glaube, daß man versuchen KÖNNTE, sich mal tatsächlich darauf zu besinnen, was Jûdô alles ist und was da alles dazugehört (dem Willen des Gründers gemäß).
Ich glaube, man könnte sich dabei einer gewissen Ehrlichkeit befleißigen und die "Nur so!"-Haltung vielleicht sogar überwinden, auch wenn das wohl nicht von heute auf morgen geschehen wird.
Und dann könnte man doch versuchen, die zahlreichen Facetten des Jûdô endlich mal als das zu verstehen, was sie sind - nämlich als gleichrangige und vor allem untrennbar verbundene Aspekte ein und derselben Sache!

Sollte es denn wirklich nicht möglich sein, diese (wie ich finde vernünftige) Sichtweise allmählich und flächendeckend zu etablieren, OHNE jetzt gleich wieder zu behaupten es sei ja längst so?
;)

Ist etwas OT, ich weiß ...
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Re: Das Ende des traditionellen Kodokan-Judo?

Beitrag von Reaktivator »

tom herold hat geschrieben:Ich glaube, daß man versuchen KÖNNTE, sich mal tatsächlich darauf zu besinnen, was Jûdô alles ist und was da alles dazugehört (dem Willen des Gründers gemäß).
Ich glaube, man könnte sich dabei einer gewissen Ehrlichkeit befleißigen und die "Nur so!"-Haltung vielleicht sogar überwinden, auch wenn das wohl nicht von heute auf morgen geschehen wird.
Und dann könnte man doch versuchen, die zahlreichen Facetten des Jûdô endlich mal als das zu verstehen, was sie sind - nämlich als gleichrangige und vor allem untrennbar verbundene Aspekte ein und derselben Sache!

Sollte es denn wirklich nicht möglich sein, diese (wie ich finde vernünftige) Sichtweise allmählich und flächendeckend zu etablieren, OHNE jetzt gleich wieder zu behaupten es sei ja längst so?
:eusa_clap :eusa_clap :eusa_clap
Dieses Zitat hätte durchaus auch von mir sein können. :D

Wobei ich mit meinem Ausgangsposting ja auch keine alten Gräben neu aufreißen wollte.
(Wenngleich der gewählte Titel des Fadens zugegebenermaßen etwas reißerisch war... ;-) )
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